Karlsruhe RHEINPFALZ Plus Artikel Ikone des Feminismus: Schau zu Simone de Beauvoir in Karlsruhe

Simone de Beauvoir. Französische Schriftstellerin, Philosophin und Feministin. 1954.
Simone de Beauvoir. Französische Schriftstellerin, Philosophin und Feministin. 1954.

Simone de Beauvoir ist eine der großen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts. Ihr Manifest „Das andere Geschlecht“ von 1949 gilt als Grundstein des modernen Feminismus. Das Karlsruher Literaturmuseum zeigt eine Ausstellung zu Leben, Werk und Rezeptionsgeschichte der Philosophin.

Simone de Beauvoirs umfangreiches Buch „Das andere Geschlecht“ wurde aus unterschiedlichen Gründen in der konservativ geprägten Nachkriegsgesellschaft Frankreichs als skandalös empfunden. Heute gilt es als eine der folgenreichsten kulturgeschichtlichen und soziologischen Abhandlung zur Lage der Frauen in einer männerdominierten Welt. Neben Simone de Beauvoirs (1908–1986) konsequenter Unterscheidung von biologischem Geschlecht und kultureller sowie sozialer Prägung von Geschlecht und der Forderung nach Gleichberechtigung der Frau waren die expliziten Beschreibungen von weiblicher Körperlichkeit und Sexualität Ursache zensierender Kürzungen dieses Schlüsselwerks des Feminismus.

Die Ausstellung geht im Kern auf ein Projekt der Bonner Bundeskunsthalle zurück, auf der die umfangreichere Schau des Literaturhauses München basiert. Wobei die Karlsruher Schau einen eigenen Schwerpunkt beisteuert, der von Judith Samp vom Literaturmuseum betreut wird.

Die in fünf Abschnitte unterteilte Schau stellt das Leben von Simone Beauvoir vor, zeigt ihre Bedeutung für die philosophische Richtung des Existenzialismus, die im Paris der 50er-Jahre bestimmend war, ohne der offenen Lebens- und Arbeitsbeziehung von Beauvoir und Jean Paul Sartre übermäßig viel Raum einzuräumen. Vorgestellt werden auch die weltweiten Veröffentlichungen des, wie angesprochen, oft nur in gekürzten und zensierten Fassungen erschienenen „Anderen Geschlechts“, die seine anhaltende Bedeutung für den Feminismus unterstreichen.

Dokumente und Fotografien sowie viele Exponate und Kommentare zu dem Werk prägen die Schau, die das geistige und gesellschaftliche Klima besonders ab den 50er-Jahren beleuchtet. Aber nicht nur der philosophischen Theoretikerin des Feminismus wird hier entsprechender Raum eingeräumt, ebenso wird die Aktivistin Simone de Beauvoir vorgestellt, die für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung der Frau und das Recht auf Abtreibung gekämpft hat.

Für die französische Autorin hat sich in Deutschland in den 1970er-Jahren vor allem Alice Schwarzer mit Interviews und Artikeln zu „Das andere Geschlecht“ sowie einem Film-Porträt, das in der Ausstellung zu sehen ist, eingesetzt. Folgt man der in der Schau vertretenen These, so gab es dank Schwarzer, zumindest auf Deutschland bezogen, eine Renaissance des Buches und eine letztlich bis heute anhaltende Auseinandersetzung mit seinen Thesen.

Mit der Nachwirkung der 1986 verstorbenen Feministin befassen sich auch abhörbare aktuelle Video-Interviews, bei denen deutlich wird, wie modern die Thesen der Französin einerseits heute noch im Nachklang sind, andererseits aus historischer Distanz auch Kritik an dieser Ikone des Feminismus geübt wird.

Die Ausstellung

„Simone de Beauvoir: Das andere Geschlecht“ bis 7. April im Museum für Literatur am Oberrhein im Karlsruher Prinz Max Palais. Zur Schau gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. literaturmuseum.de

Simone de Beauvoir als Aktivistin
Simone de Beauvoir als Aktivistin
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