Landau
Hubertus von Pilgrims Stadtbrunnen entstand vor 30 Jahren
Eine kleine Bronzetafel an der Brunnenschale hilft nur einen kleinen Schritt weiter. „Geschichtliche Momente der Stadt Landau: 1991 gestaltet von Hubertus von Pilgrim“, ist da zu lesen. Aufschlussreicher ist ein Blick zurück in die Entstehungsgeschichte des eigenwilligen Kunstwerks: 1988 feierten die damaligen Stadtwerke Landau das Jubiläum 100 Jahre Trinkwasserversorgung. „Zu dieser Zeit hatten die Stadtwerke noch ordentlich Geld“, erinnert sich Historiker Karl-Heinz Rothenberger, der das Heft „Denkmäler in Landau“ herausgegeben hat. Sie mussten nicht auf den Euro schauen, konnten als Kunstmäzen auftreten und schrieben einen öffentlichen Wettbewerb aus. Ein Brunnen war gefragt, der Bezüge zur Stadtgeschichte und zum historischen Alten Kaufhaus direkt in der Nachbarschaft herstellen sollte.
Das Echo war beachtlich, wie Kunsthistoriker Walter Appel im erwähnten Denkmalheft schildert: „Es beteiligten sich etwa 60 Künstler, die 124 Entwürfe einreichten.“ Doch sie alle hätten keine Gnade bei der Jury gefunden: Der Stadtbezug fehlte. Einer der strengen Juroren hatte schließlich eine Idee und schlug vor, den Bildhauer Hubertus von Pilgrim direkt zu beauftragen.
Der heute 90-jährige Künstler lebt in München
Der gebürtige Berliner lehrte damals an der Akademie der Bildenden Künste in der bayerischen Hauptstadt München, in der er heute 90-jährig noch lebt und arbeitet. Kunst- und Politikinteressierte werden vielleicht ein monumentales Werk von ihm kennen: den überlebensgroßen Bronzekopf Konrad Adenauers, der in Bonn vor dem ehemaligen Bundeskanzleramt steht und bei seiner Aufstellung 1981 heftig umstritten war. Heute ist das unkonventionelle Porträt das vermutlich meistfotografierte Motiv in der früheren Hauptstadt.
Hubertus von Pilgrim hat sich also 1991 auch für Landau ans Werk gemacht und tatsächlich geliefert, was von ihm erwartet wurde: jede Menge geballte Stadtgeschichte auf kleinem Raum. In der Bronzeskulptur entdeckt man den habsburgischen Adler als Anspielung auf die im 13. Jahrhundert ausgerufene Reichsstadt Landau ebenso wie den bayerischen Löwen, der auf die Herrschaft Bayerns von 1816 bis 1945 hinweist.
Von Pilgrim wollte eine heiteren Brunnen schaffen
Dazwischen hatten die Franzosen das Sagen: Die barbusige Marianne mit der „phrygischen Mütze“ symbolisiert diese Epoche; ihre Kopfbedeckung mit dem nach vorne umgelegten Zipfel galt in der Französischen Revolution als Kennzeichen freiheitlicher Gesinnung. Wer den Brunnen weiter umrundet, stößt auf die Bundschuhfahne, Symbol der aufständischen Bauern, die sich 1525 in Nußdorf zum pfälzischen Bauernkrieg zusammenrotteten. Landau als Weinstadt wird von einem Hottenträger repräsentiert.
Und dann gibt es noch die Anspielungen aufs Alte Kaufhaus: Rüstung und Waage erzählen, dass in diesem Gebäude Kriegsgerät, aber auch die städtische Waage untergebracht war. Hochzeiten und andere Feste wurden im großen Saal im Obergeschoss gefeiert: Ein Tanzpaar weist darauf hin. Und es hat wohl noch eine weitere Bedeutung: Bei der Einweihung im Oktober 1991 sagte von Pilgrim, er wollte „einen heiteren Brunnen schaffen, der den Tanz Landaus in der Geschichte symbolisiert“.
An vielen Stellen hängen Fetzen eines Überzugs herab
Über all diese Details kann man sich in dem Büchlein „Denkmäler in Landau“ informieren. Nur hat das nicht jeder in der Tasche, der beim Stadtbummel den Brunnen bestaunt. Deswegen wäre eine Erläuterung der stadthistorischen Bezüge direkt am Brunnen interessant und hilfreich, findet Rothenberger. Durch seine Initiative wurde erst vor einigen Monaten eine Infotafel am „Haus der 17 Köpfe“ in der Marktstraße angebracht, finanziert von der Genossenschaft „Haus zum Maulbeerbaum“. Seither kann jeder Passant nachlesen, wer da aus der Hauswand schaut. Ein Sponsor müsste sich doch auch für ein Infoschild beim Stadtbrunnen finden lassen, meint Rothenberger und hat gleich eine Idee: „Vielleicht der Historische Verein Landau?“
Wer allerdings genau hinschaut auf die vielen versteckten Details des Pilgrim-Brunnens, der wird auch schnell feststellen, in welch desolatem Zustand er sich präsentiert. Abgesehen von den weißen Kalkschlieren lösen sich an etlichen Stellen große Placken eines Überzugs von der Bronze und hängen in Fetzen herab. Die Pressestelle der Stadtverwaltung wusste auf Anhieb keine Erklärung dafür – zurzeit seien alle zuständigen Mitarbeiter in Urlaub. Alle städtischen Brunnen würden aber regelmäßig gereinigt und kontrolliert. Bei Bedarf werde eine Fachfirma mit der Beseitigung von Schäden beauftragt.