Rheinpfalz Hornberger macht Schluss
Die Buchhandlung Hornberger, spezialisiert auf die Themen Lesen, Schul- und Bürobedarf, schließt. Am 31. März geht damit ein weiteres Stück traditioneller Kaufmannsgeschichte in Waldfischbach-Burgalben zu Ende. „Aus Altersgründen ist jetzt Schluss“, sagt Brigitte Wagner, die Enkelin des Unternehmensgründers Georg Hornberger.
Generationen von Schülern in Waldfischbach-Burgalben und Umgebung hätten in der Schule nichts zu lesen und zu schreiben gehabt, ohne das Geschäft in der Hauptstraße. „Natürlich war die Schulsparte immer wichtig“, sagt Brigitte Wagner, die das Geschäft führt. Gegründet hat es ihr Großvater Georg. Ursprung war die 1907 gegründete Druckerei Hornberger gewesen, erinnern sich Brigitte Wagner und ihre Schwester Marliese Hornberger. Wo heute die Freifläche vor der Filiale der Sparkasse Südwestpfalz angelegt ist, „da stand zunächst der Betrieb“, erzählt Marliese Hornberger. 1924 wurde am heutigen Unternehmensstandort in der Hauptstraße 80 das kleine Lädchen eröffnet, das Bücher, Schreib- und Bastelwaren anbot, vor allem all das, was Schüler für den Schulalltag benötigten, und Firmen, um ihre Korrespondenz abzuwickeln. In einem kleinen Backsteinhaus sei das Lädchen untergebracht gewesen, erzählen die beiden Schwestern. Das Haus wurde in den 1950er-Jahren abgerissen. Bis auf den Keller, der blieb erhalten. Darauf wurde ein neues Geschäfts- und Wohnhaus errichtet, Zug um Zug wurden im hinteren Bereich Gebäude für die Druckerei Hornberger angebaut. Papa Gerd Hornberger – Bronzemedaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1936 mit der 4x100-Meter-Staffel – und Mama Katharina, die viele als „Käthchen“ kannten, führten jetzt die Druckerei und das Buchhandlungsgeschäft. 1957 öffnete die Buchhandlung in den neuen Räumen in der Hauptstraße 80, „und in all den Jahren hat sich hier nichts verändert. Regale, Einrichtung, alles ist original erhalten“, sagt Brigitte Wagner im Rückblick auf die 50-jährige Geschichte des Geschäfts in der Hauptstraße. Was sich geändert hat: teilweise das Sortiment, wobei sich an der Grundausrichtung Bücher, Spielwaren, Schul- und Bürobedarf, Zeitungen und Zeitschriften nichts veränderte. Im Wandel waren dagegen die Artikel innerhalb dieser Gruppen. Ein Farbband für eine Schreibmaschine braucht im Computer-Zeitalter beispielsweise (fast) niemand mehr. Was sich gleichfalls verändert habe, sei die Handelslandschaft. Zeitschriften, „gibt es mittlerweile in fast jedem Geschäft, egal was sonst verkauft wird“, nennt sie ein Beispiel. Gravierende Veränderungen habe der Internethandel gebracht, „und der wird weitere Veränderungen mit sich bringen“, prognostiziert Brigitte Wagner. Die Druckerei, die zwischenzeitlich ins Gewerbegebiet „Schorbach“ umgezogen war, wurde 2010 im Rahmen einer Insolvenz geschlossen. Das Ladengeschäft in der Hauptstraße blieb als eigenständiger Betrieb erhalten. Aus der Buchhandlung „Hornberger“ wurde „Hornbergers“, Inhaber ist Brigittes Ehemann Volker. Altersbedingt sei nun Schluss. Aber in Waldfischbach-Burgalben wird es weiter Bücher, alles für die Schule und das Büro, Spiele, Geschenke und vieles mehr geben. Mitarbeiterin Karin Hirschelmann, die wie ihre Kolleginnen Christine Resch und Ulrike Everling schon in der Buchhandlung Hornberger gelernt hat, eröffnet am 6. April in der Welschstraße 6a (ehemals Rinck) „Karibu – Karins Buchaden“. Sie wird dort, gemeinsam mit Resch und Everling, das bewährte Sortiment von „Hornbergers“ anbieten. In den 1970er- beziehungsweise 1980er-Jahren absolvierten Resch, Hirschelmann und Everling bereits ihre Lehre bei Hornberger. „Es geht am neuen Standort weiter“, freuen sich Everling und Resch, dass das bewährte Dreier-Team zusammenbleibt und unter anderem weitere Generationen von Schülern mit Schreibwaren und Bastelbedarf durch die Schulzeit begleiten wird. Auch in der Hauptstraße 80 wird es keinen Leerstand geben. Maik Wagner, der Sohn von Volker und Brigitte Wagner, wird in der früheren Buchhandlung die Räume für sein Bestattungsunternehmen „Vier Elemente Bestattungen“ unterbringen. Wenn die Buchhandlung geschlossen hat, wird renoviert. Bis Ende des Monats können Kunden noch bei „Hornbergers“ einkaufen. Auf das Sortiment wird ein Preisnachlass von 50 Prozent gewährt. Nostalgischen Erinnerungen, die der ein oder andere Kunde mit dem Geschäft verbindet, gibt es bis dahin noch kostenlos dazu.