Rheinpfalz „Helfen, wo es klemmt“
Seit 1970 fördert die nach dem Tehalit-Begründer Daniel Theysohn benannte Stiftung junge Menschen, 1980 kamen gemeinnützige Projekte in der Südwestpfalz hinzu. Die Unterstützung der schulischen und beruflichen Ausbildung steht bis heute im Vordergrund. Dies war der erste Stiftungszweck, der Daniel und Ruth Theysohn damals am Herzen lag – in Zeiten, als Kinder oft genug nach der Volksschule als ungelernte Kräfte in die Schuhfabrik geschickt wurden. Diese Zeiten sind zwar längst vergangen, die Unterstützung durch die Stiftung ist jedoch keineswegs überflüssig geworden. Der soziale Standard habe sich zwar verbessert, aber die Schere zwischen gut und nicht gut Situierten sei größer geworden, stellte Gerhard Andreas, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, am Donnerstag beim Jahresgespräch fest. Mit insgesamt 724.080 Euro unterstützte die Stiftung im vergangenen Jahr 635 junge Menschen zwischen 16 und 25 Jahren aus den – festgelegten – Gemeinden Ludwigswinkel, Fischbach, Geiselberg, Heltersberg, Schmalenberg und Waldfischbach-Burgalben. 2017 waren noch 775.920 Euro an 667 junge Menschen ausgeschüttet worden – die abnehmende Anzahl der Anträge sei dem demografischen Wandel geschuldet, so Andreas. Vor diesem Hintergrund hat der Stiftungsvorstand 2018 die Ausbildungsförderung auf den Prüfstand gestellt, wie Andreas erläuterte. Herausgekommen sei zum einen eine Erhöhung der Förderung bei einem Mehraufwand für die Ausbildung: Ab 40 Kilometer Entfernung zum Ausbildungsort würden über den monatlichen Grundbetrag von 120 Euro hinaus 50 Euro bezahlt, über 100 Kilometer 80 Euro. Dies gilt seit Januar 2019; seitdem können Anträge auf Ausbildungsförderung nur noch digital über die Stiftungs-Homepage gestellt werden. Darüber hinaus hat der Vorstand eine Obergrenze eingezogen: bei einem Bruttoverdienst im Gesamthaushalt ab 80.000 Euro. Sie wollten, so Andreas, ausschließen, dass gefördert werde, wo es nicht nötig sei. Allerdings bleibe es eine Einzelfallentscheidung: Wenn etwa eine Familie mit mehreren Kindern in Schwierigkeiten komme, so Andreas, „dann kann man mit uns reden“. Im Einzelfall entscheidet der Vorstand auch über Förderanträge für gemeinnützige Projekte von Vereinen oder Kommunen aus den Bereichen Natur- und Umweltschutz, Denkmalschutz und -pflege, Heimatgedanke/Heimatkunde, Tierschutz und Sport. Grundlegende Voraussetzung zur Förderung ist, dass andere Zuschussmöglichkeiten ausgeschöpft wurden. Denn eine mittelbare Förderung, um etwa Staatskassen zu entlasten, sei nicht im Sinne der Stifter gewesen, betont Andreas – ihre Förderung solle vielmehr „Hilfe zur Selbsthilfe“ sein. Deshalb gebe es bei ihnen auch keine festen Prozentsätze für Förderungen. 58 Projekte hat die Stiftung mit insgesamt 951.650 Euro 2018 unterstützt – vom Ankauf eines Grundstücks für eine Sportfläche in Hermersberg über Zuschüsse für Tierarzt- und Futterkosten für Tierschutzvereine bis zur Unterstützung von Projekten der Landschaftspflege. Hinzu kommen Projekte, die die Stiftung aus eigener Initiative angeht. Nur ein aktuelles Beispiel dafür ist die notwendig gewordene Sanierung der Busenberger Burgruine. Weil bei den Sanierungskosten in Höhe von 325.000 Euro trotz Zuschüssen von Bund und Land plus kommunaler Eigenleistung der Gemeinde als Eigentümerin noch 99.000 Euro fehlten, wird die Stiftung diese übernehmen – „helfen, wo es klemmt“, formuliert es Andreas. Allerdings kann selbst die Stiftung dies nicht überall: Die benötigte Sportanlage für die nach ihr benannte IGS in Waldfischbach-Burgalben darf sie nicht finanzieren – aber seit drei Jahren liege dort das Thema auf Eis, weil eine politische Entscheidung fehle, kritisiert Andreas. Seit Gründung 1970 hat die Stiftung 81,936 Millionen Euro in die Südwestpfalz fließen lassen. Die Förderungen sehe man überall, sagt Andreas, „in Dorfbrunnen, Feldkreuzen, Dorfgemeinschaftshäusern, Sportheimen“. Hinzu komme, was man nicht sehe: dass sich der Bildungsstand einer Generation erhöht habe. 2020 feiert die Stiftung 50. Geburtstag: Am 20. Mai soll mit geladenen Gästen gefeiert werden, am Freitag darauf mit einem Tag der offenen Tür.