Hayna RHEINPFALZ Plus Artikel Heimatkunde der spritzigen Art: Rumpf-Brunnen in der Süpfalz

Stolisiert dargestellt ist das Trocknen der Tabakblätter in den Schuppen.
Stolisiert dargestellt ist das Trocknen der Tabakblätter in den Schuppen.

Elwetritsche sind in der Pfalz weit verbreitet. Wenn das beliebte Fabelfedervieh aber aus Bronze ist, nah am Wasser steht und dazu von ein paar Mäuschen begleitet wird, kommt es aus der Zucht des Bildhauerehepaars Gernot und Barbara Rumpf. Beim Tabakbrunnen in Hayna erinnern die urigen Tiere an eine Kultur, die heute fast schon anno Duwak ist.

„In de Palz geht de Parre mit de Peif in die Kärch“, weiß der Volksmund, und es ist klar, dass er darin auch Pfälzer Tabak schmaucht. Schließlich war es auch ein Pfarrer, der das tropische Nachtschattengewächs 1573 erstmals in Deutschland anpflanzte. Vom Gemeindegarten in Hatzenbühl hat es sich in der ganzen Südpfalz verbreitet und von der Heilpflanze zu einem weltweit gehandelten Gut mit hohem Wirtschaftsfaktor entwickelt.

Auch der Alltag und die Landwirtschaft in Hayna waren geprägt von der Tabakkultur, bis die Subventionen von der Europäischen Union gestrichen und die Felder im Laufe des letzten Jahrzehnts umgerüstet wurden. Von dieser drastischen Entwicklung hat man zur Jahrtausendwende noch nichts gewusst. Als Karl Kuntz, der damalige Kronenwirt, 1999 seinen 75. Geburtstag feierte, dabei die Idee der Erneuerung des Dorfbrunnens ausbrütete und mit einer stattlichen Spende untermauerte, war Hayna noch ein typisches Tabakdorf.

Ort spielerisch reflektiert

Kein Wunder, dass das Bildhauerehepaar Gernot und Barbara Rumpf, das mit dem Auftrag bedacht wurde, dieses geschichtsträchtige Bild für seine Arbeit aufgegriffen hat. Es ist ja gerade eine herausragende Spezialität der Neustadter Ateliergemeinschaft, dass sie die historischen Hintergründe der kunstvoll zu bestückenden Örtlichkeiten auf sinnliche, sinnige und spielerische Weise reflektiert.

Weil man das in ganz Deutschland, ja sogar in Tokio und Jerusalem zu schätzen weiß, waren die Haynaer gerne bereit, ein paar Jahre lang auf die Umsetzung ihres Wunsches zu warten und derweil weiter Spenden zu sammeln. 2004 war es dann soweit: Unter tatkräftiger Mithilfe der örtlichen Handwerker ist der alte Brunnen einem neu angelegten Dorfplatz gewichen und der Tabakbrunnen wurde festlich eingeweiht.

Tarngefieder für die Streifzüge im Tabakfeld

Damals wie heute haben die Tabaktritschen, die ihn bevölkern, viel zu erzählen. Weil Erwachsene auf den umstehenden Bänken Platz nehmen und die Kinder auf den Urviechern reiten und im Wasser planschen können, tröpfeln die Informationen ganz nebenbei in heitere Gemüter. Aber auch im Winter, wenn die Anlage trocken liegt, kitzelt das skulpturale Objekt mit seinen liebevoll gestalteten Details die Fantasie der Betrachter wach.

Barbara Rumpf erinnert sich noch gut an die Arbeit im Atelier, für die auch echte Tabakpflanzen herhalten mussten. „Für den Brunnen in Hayna hat Gernot einzelne Blätter abgeformt, um sie in die Flügel der Tabaktritschen einzuarbeiten.“ Mit diesem Tarngefieder seien die scheuen Tiere auf ihren Streifzügen durch die Tabakfelder besser geschützt. Eine Duwaktritsch, die es – vielleicht in Gedanken an den spendablen Kronenwirt – besonders verdiente, wurde mit einer Krone in Form einer Tabakblüte geadelt.

Tabak-Verarbeitung liebevoll dargestellt

Auch die Ernte und Verarbeitung der Tabakpflanzen ist liebevoll veranschaulicht. Auf dem Brunnenrand liegen die zum Trockenen mit Nadel und Faden aufgefädelten Blätter, ans Becken gelehnt ruht eine historische Zigarrenpresse und der Stapel fertig gedrehter Zigarren wird von kleinen Mäuschen – den Markenzeichen des Künstlers – beschnuppert. Direkt neben dem Brunnen steht das Trockengestell mit der in Reih’ und Glied aufgefädelten Ernte.

Manchem Haynaer kommt bei diesem Anblick wohl die Debatte um den Denkmalschutz für Trockenschuppen in den Sinn kommen. Derzeit steht eine ganze Reihe von Exemplaren in der Herxheimer Bruchgasse im Zentrum, doch noch vor zwei Jahren schlugen die Wogen in Hayna hoch. Selbst ein Architekturwettbewerb hat nach Ideen gesucht, wie das Erbe erhalten werden kann. Ein guter Treffpunkt für all hitzigen Diskussionen ist auch der Herxheimer Dorfbrunnen, der ebenfalls aus Rumpfs Werkstatt stammt. Zu den verschiedenen Aspekten der Ortsgeschichte, die er in bronzenen Figuren zitiert, gehört natürlich eine stattliche Tabakstaude samt knuffiger Duwak-Hasen.

Tour á la Rumpf durch die Region

Für Gernot Rumpf selbst, der im April seinen 80. Geburtstag feiert, war das Rauchen übrigens stets tabu. Weil sein Vater Otto Rumpf als Bildhauer überwiegend mit heimischem Buntsandstein gearbeitet hat, dessen hoher Quarzgehalt über die Jahrzehnte zu einer Staublunge führen kann, galt in der Werkstatt stets ein absolutes Rauchverbot.

Mit oder ohne blauen Dunst kann man als Kunstflaneur in der Region übrigens eine richtige Tour á la Rumpf machen: vom Weinbrunnen in Bad Bergzabern, über den Saubrunnen in Bornheim und dem Lederstrumpfbrunnen in Edenkoben bis zum Elwetritschenbrunnen in Neustadt. Da ist für einen garantiert spritzigen Heimatkundeunterricht gesorgt. Und bald gibt eine Fortsetzung auf dem umgestalteten Marktplatz in Maikammer.

Barbara und Gernot Rumpf.
Barbara und Gernot Rumpf.
Auch echte Tabakpflanzen mussten für die Arbeit im Atelier als Vorbilder für manche Flügel des fantasievollen Federviehs herhalt
Auch echte Tabakpflanzen mussten für die Arbeit im Atelier als Vorbilder für manche Flügel des fantasievollen Federviehs herhalten, erzählt Barbara Rumpf.
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