Rheinpfalz „Heißer als Gulaschsaft“
Nach dem Urnengang wählten gut 50 Liebhaber der leichten Muse am Sonntagnachmittag den Weg in den Spiegelsaal des Wolfsteiner Landgasthofes Hotel Königsberg. Mit Schlagern, die längst zu Evergreens geworden sind, und Arien aus weltbekannten Operetten lud das Salonorchester Cosella mit Sopranistin Martina Veit zu leidenschaftlicher Nachmittagsmusik mit ungarischer Note ein.
„... denn diese Leidenschaft brennt heißer noch als Gulaschsaft“ hatten die Musiker ihr Konzert überschrieben. Auch wenn jene Leidenschaft nicht immer und nicht zu jeder Zeit den Protagonisten am Sonntagnachmittag ins Gesicht geschrieben stand – die Klänge, die die neun Musiker aus ihren Geigen, Celli, dem Kontrabass, der Flöte, der Klarinette und dem Klavier zauberten, waren allemal von Feuer und Gefühl geleitet. Nicht zu vergessen ist dabei Sopranistin Martina Veit. Sie führte nicht nur mit viel Witz und Humor durch die „Musik am Nachmittag“, sie ließ auch immer wieder mit ihrer ausgeprägten, schönen Stimme das meist ältere Publikum in Jugenderinnerungen schwelgen. Um es mit den Worten der Moderatorin zu sagen: Das Konzert hatte viele ungarische Noten, aber nicht alle waren von ungarischen Komponisten. Salonmusik, Swing, Blues, Evergreens und ungarische Operettenmelodien standen auf dem Programm. So präsentierte das Salonorchester zum Konzertauftakt einen „Ungarischen Tanz“. Das um das Jahr 1869 entstandene Werk stammt aus der Feder von Johannes Brahms. Zu jener Zeit waren solche volkstümlichen Stücke mit ungarischer Färbung an fast jeder Straßenecke zu hören und viele dieser Musikstücke stammen eben aus der Feder des Hamburgers Johannes Brahms, der allerdings viele Jahre in Wien lebte. Mit Charme und Stimme forderte anschließend Sopranistin Veit die Konzertbesucher auf: „Komm mit nach Varasdin ...“. Kaum im Schloss der Gräfin Maritza angekommen, schallte ein „Komm Zigany“ durch den Spiegelsaal. Und es war dem Publikum anzusehen: Die Zuhörer fühlten sich sichtlich wohl im Land der „ungarischen Mädel“, der „Juliska aus Budapescht“, im Land der Operette des ungarischen Komponisten Emmerich Kalman. Und weiter hing das Firmament voller himmlischer Klänge, gespielt von einem irdischen Orchester, als die Musiker mit Gaetano Bargas „La Serenata“ weiter zum Träumen einluden. Seufzer gingen durch die Reihen der Zuhörer, als Veit „Ganz leis“ die Musik erklingen ließ und mit Rudi Schurickes schmachtendem Ruf „Oh mia bella Napoli“ die Stadt am Golf von Neapel in den schönsten Farben schilderte. Einen weiteren musikalischen Glanzpunkt setzte zweifelsfrei Klarinettist Manfred Pfeifer, der zu Cole Porters „C’est magnifique“ mit irdischem Swing das Publikum verzauberte – und am Ende seines brillanten Solos eine gefühlte Minute das hohe C seiner Klarinette förmlich jubeln ließ. Großartig stellte sich auch Vsevolod Starko vor, der seine Geige gegen Ende des Konzertes bei Jules Massenet „Thais Meditation“ regelrecht weinen ließ. Auch die beiden Zuhörer Elke Grofmeier und Werner Rosenberger attestierten dem Ensemble eine ausgezeichnete musikalische Qualität. Dessen großartiges Repertoire spiegele die Klänge ihrer Jugend wider, meinte die 78-Jährige, die, wie auch ihr zufällig beim Konzert angetroffener Schulkamerad, aus Roßbach kommt.