Rheinpfalz
Hauenstein: Pfarrer Ulrich Nothhof ist positiv überrascht von seiner neuen Pfarrei
Am 6. Oktober 2019 wurde Ulrich Nothhof als Pfarrer der Pfarrei St. Katharina von Alexandrien eingeführt. Im RHEINPFALZ-Gespräch wird deutlich: Der 60-Jährige ist angekommen und fühlt sich wohl. Der aus Rodalben stammende Geistliche ist mit seiner Entscheidung, nach 19 Jahren in der Saarpfalz zurück in die Südwestpfalz zu kommen, im Reinen.
Fragt man ihn nach seinen Eindrücken in der Pfarrei, dann fällt immer wieder der Satz: „Ich bin angenehm überrascht!“ Das beginnt bei den Begegnungen mit den Menschen in den Kirchengemeinden Hauenstein und Schwanheim/Lug. „Ich habe sehr viele freundliche und aufgeschlossene Menschen getroffen. Und immer ein sehr, sehr positives Echo erhalten“, sagt Pfarrer Nothhof, der nach 19 Jahren, in denen er verantwortlicher Priester in Mandelbachtal mit sechs verschiedenen Kirchengemeinden war, „ein neues Arbeitsfeld und neue Strukturen, neue Perspektiven und neue Möglichkeiten“ suchte und sie im Wasgau gefunden hat.
Gut besuchte Gottesdienste nicht nur an Weihnachten
„Positiv überrascht“ sei er auch vom gemeindlichen Leben, von den vielfältigen Gottesdienstformen und davon, dass das Pfarrheim „gut genutzt“ werde und „vergleichsweise viele junge Leute ins Gemeindeleben“ eingebunden seien. Auch vom Gottesdienstbesuch in den Kirchen der Kirchengemeinden sei er angetan, habe er doch nicht nur in den Weihnachtsgottesdiensten überaus gut besetzte Kirchenbänke erleben dürfen. „Davon habe ich in meiner früheren Pfarrei nur träumen können“, sagt Ulrich Nothhof, der natürlich auch erkennt, dass „sich die Welt verändert und immer säkularer, verweltlichter“ werde. Und da spiele der Gottesdienstbesuch nicht mehr wie früher eine besondere Rolle bei der Gestaltung des Sonntags.
Ein „Kirchencafé“ nach dem Gottesdienst
Was die Gottesdienste an geht, wünscht er sich, dass die Gemeinde im Anschluss noch einige Zeit verweilt: „Der Gottesdienst soll nicht das Ende der Begegnung sein“, sagt er. Und so sei vorgesehen, dass künftig einmal im Monat unter der Empore der Christkönigskirche ein „Kirchencafé“ stattfinden soll: „Nach dem Gottesdienst sollen sich die Kirchenbesucher an Stehtischen zu einem Tässchen Kaffee und zu Gespräch und Austausch – meinetwegen auch über meine Predigt – treffen.“ Mit diesem „Kirchencafé“ verbinde er viele positive Erinnerungen, die er in Schweden sammeln konnte, führt Nothhof aus.
Besondere Gottesdienstformen für junge Menschen
Für Jugendliche und junge Erwachsene, die mit der „Hochform der Eucharistie“ recht wenig verbinden können, schwebten ihm besondere Gottesdienstformen vor, die „mehr Gemeinschaft erleben lassen“. Früh- und Spätschichten, die die Katholische Junge Gemeinde regelmäßig anbietet, seien ein „guter Ansatz“. Sehr viel Wert lege er auch auf das „ökumenische Miteinander“, wie er es auch in seiner bisherigen Pfarrei mit gemeinsamen Familiengottesdiensten, mit gemeinsamen Wallfahrten oder einem ökumenischen Erntedankfest pflegen konnte. „Wir werden auf dem Gebiet der Ökumene sicher ein breites Feld beackern können.“
Aus vielen Aussagen Pfarrer Nothhofs wird deutlich, dass er „eine lebendige Gemeinde, in der christliche Gemeinschaft erlebbar ist“, anstrebt. Und daran wolle er als Person mitwirken. „Ich möchte mehr in der Mitte der Gemeinde stehen, will da sein, um mitzumachen“, sagt er und verweist darauf, dass im „Pastoralen Konzept“ der Pfarrei der Begriff „Pfarrer“ nur am Rande auftaucht. „Das Konzept muss fortgeschrieben werden, und da muss auch meine Rolle als Pfarrer intensiver verankert sein.“
Sorge wegen Seelsorger-Nachwuchs
Die gesamtkirchliche Situation sieht der Priester mit großer Sorge: Man habe in der Diözese eine Strukturreform durchgeführt und große Pfarreien geschaffen, um dem Priestermangel zu begegnen. Aber: „Ich befürchte, dass in zehn Jahren die Zahl der Seelsorger nicht ausreichen wird, um diese Pfarreien zu besetzen. Es wird wohl noch größere Pfarreien geben müssen – und dann kommt die Seelsorge erst recht zu kurz.“ Dass vor diesem Hintergrund über den Zölibat diskutiert werde, sei unvermeidlich. Und auch über die Rolle der Frauen müsse debattiert werden. „Ich halte nichts von Maria 2.0“, überrascht Nothhof im Gespräch, rückt aber sofort gerade: „Maria 2.0 geht nicht weit genug. Es müsste eigentlich Maria 4.0 heißen. Denn die Frauen sind es, die in der Kirche unsagbar viele Dienste übernehmen. Sie dürfen wir nicht verlieren.“
Erfahrungen in Schweden gesammelt
Es wurde bereits gesagt: Ulrich Nothhof hat Erfahrungen in der seelsorglichen Arbeit in der Diaspora Schwedens sammeln dürfen. Er hat während des Studiums ein halbjähriges Praktikum in Malmö abgeleistet, hat in mehreren Pfarreien – zuletzt im Rahmen eines Sabbatical in Göteborg oder Eskilstuna etwa – als Seelsorger gearbeitet: „Dort konnte ich nur Pfarrer sein, ausschließlich in der Seelsorge arbeiten und hatte nicht mit der Fülle an Verwaltungsarbeit zu tun, die uns hier bremst.“ Angenehm in Schweden findet er auch die gemächlichere und besonnene Atmosphäre, die dort den Alltag bestimmt.
Schwedisch spricht der Seelsorger ebenso wie Englisch und Französisch. Fremdsprachen nennt er denn auch neben der vertieften Beschäftigung mit der IT als Hobby. Gerne würde er noch Spanisch lernen, sucht gerade nach einem passenden Kurs.
Zur Person
Pfarrer Nothhof wurde 1959 in Rodalben geboren und legte sein Abitur am Pirmasenser Leibniz-Gymnasium ab. Nach der Bundeswehrzeit studierte er Theologie in Eichstätt und wurde nach dem Pastoralkurs in Speyer 1987 im Dom zum Priester geweiht. Er war Kaplan in Bad Dürkheim und Kaiserslautern St. Martin und Pfarrverweser in Dannstadt sowie Pfarrer in Lauterecken und zuletzt und seit 2000 in Mandelbachtal. Auf Diözesanebene war der Geistliche bei der Katholischen Arbeitnehmer Bewegung (KAB) in leitender Position tätig.