Billigheim-Ingenheim
Gregor Meyle zwischen Poesie und Partystimmung
Gregor Meyle ist Liebling von Fans und Kritikern gleichermaßen. Nachdem er 2007 bei Stefans Raab Castingshow „SSDSDSSWEMUGABRTLAD“ den zweiten Platz belegt hatte, ist der Sänger auf der Karriereleiter unaufhaltsam nach oben gestiegen und zählt zur Kaste der Neuen Deutschen Songpoeten neben Max Giesinger, Johannes Oerding, Bosse, Clueso und Max Herre. Und auch am Samstag hat der Noch-42-jährige (Geburtstag hat er am 13. Oktober) seinem Publikum eine gut zweistündige Darbietung serviert, die viele Erwartungen erfüllt hat.
Aber ist das, was Meyle macht, wirklich so neu? „Was wirklich zählt auf dieser Welt bekommst du nicht für Geld“, sang 1968 der Chansonnier Udo Jürgens. 50 Jahre später schrieb „Songpoet“ Gregor Meyle folgende Zeilen: „Die wunderschönsten Dinge auf der großen weiten Welt (…) kosten kein Geld“. Neuer Wein in alten Schläuchen. Aber vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass sich Mode, Stile und Trends ändern, die wahren Weisheiten aber auf ewig bestehen bleiben.
Am Sound lag es nicht
Die Show legte aber noch einen weiteren wunden Punkt offen – einen, in dem Meyle am eigenen Anspruch scheitert: Bei einem wie ihm, der großen Wert auf seine Texte legt, sollten diese eigentlich von jedem Zuhörer auch verstanden werden. Das war aber leider oft nicht der Fall.
Am Sound, der von der 360 Grad-Drehbühne über die Plätze unter freiem Himmel bis in die wechselnd illuminierten Pagodenzelte ringsum schallte, lag das jedoch nicht – der war toll, den Mitarbeitern der Technik gebührt hier ein extra großes Lob. Meyle war selbst daran „schuld“, dass sich nicht alle mit den Aussagen seiner Lieder beschäftigten, sondern lieber tanzen, trinken, und Party machen wollten.
Hervorragend eingespielte Musiker
Seine Musik ist eben zu verführerisch und lädt dazu ein. Sicher, die Hardcore-Fans vor der Bühne – unter ihnen viele Frauen – sangen begeistert mit und kannten jede Zeile auswendig. Hinter dieser Phalanx aber herrschte weitaus weniger Aufmerksamkeit, hier spielte in erster Linie die Unterhaltung eine Rolle. Und davon bieten Meyle und seine Bandkollegen jede Menge.
Meyle, dem man deutlich anmerkte, dass er sich gesanglich am leider viel zu früh verstorbenen deutschen Soulpionier Edo Zanki orientiert, wurde auch nie müde, seine Mitmusiker ganz unbescheiden als die besten der Welt zu rühmen. Damit hat er natürlich übertrieben, aber eine großartige Leistung haben die Mitglieder der Truppe auf alle Fälle gebracht. Die wirklich hervorragend eingespielte Kapelle scheint sich auf jedem Parkett bewegen zu können, egal ob es sich um lateinamerikanische Rhythmen wie bei „Kriegen’s schon irgendwie hin“, irischen Jig („Pack dein Scheiß“) oder um eine emotional aufgeladene Ballade wie „Stolz auf uns“ handelt.
Still wird’s bei dem Song für die Mutter
Diesen Song hat Meyle seiner verstorbenen Mutter gewidmet und ihr in einer sehr emotionalen Ansprache dafür gedankt, dass sie ihn zu Beginn seiner Laufbahn, als er noch in der Guns n’ Roses-Coverband Young Guns spielte, so tatkräftig unterstützt hat. „Heute wird es hier in Billigheim nicht regnen“, prophezeite er, „denn da oben auf einer Wolke sitzt meine Mutter und sie schiebt die anderen Wolken zur Seite, damit wir ungestört feiern können.“ Zu dem Song begleitete sich der Künstler, der sonst nur auf der Gitarre spielte, ausnahmsweise selbst am Klavier. „Stolz auf uns“ war das einzige Stück des Abends, bei dem auf dem gesamten Platz totale Ruhe herrschte und Meyle sich über absolut ungeteilte Aufmerksamkeit freuen durfte.