Rheinpfalz Gibt es einen Nord-Süd-Konflikt?

Die beiden Direktmandate gingen an die Grünen und die AfD. Im Süden holte – wie gestern berichtet – Wolfgang Raufelder (Grüne) die meisten Stimmen, im Norden Rüdiger Klos (AfD). Über das Zweitmandat ziehen die beiden SPD-Politiker Stefan Fulst-Blei und Boris Weirauch in den Stuttgarter Landtag ein. Was sind die wichtigsten Entwicklungen aus Mannheimer Sicht? Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren war die wohl wichtigste Botschaft: Die Grünen sind in Mannheim jetzt auf Augenhöhe mit den beiden großen Parteien. Stadtweit erreichten die Grünen damals 26 Prozent der Stimmen. SPD und CDU kamen auf 30,6 beziehungsweise 27,9 Prozent. 2011 sei die Ausgangslage für Wolfgang Raufelder und seine Partei einfach sehr günstig gewesen, sagten damals viele. Der Wirbel um „Stuttgart 21“ und die Debatte um den Atomausstieg habe den Grünen in die Karten gespielt, das Ergebnis sei ihnen in den Schoß gefallen. Gestern nun hat sich gezeigt, dass das Ergebnis damals keine Eintagsfliege war. Die Grünen sind in Mannheim noch ein bisschen stärker geworden (plus 1,2 Prozent), CDU (minus 8,6) und SPD (minus 11,4) haben enorme Verluste eingefahren. Die Grünen sind plötzlich mit Abstand die stärkste Partei. Und dann gibt es da ja noch die AfD. Sie kommt aus dem Stand auf 18,2 Prozent und liegt damit nur knapp hinter der SPD. Und das in einer Stadt wie Mannheim, wo noch immer viele Schornsteine einen Teil des Stadtbilds prägen. Gibt es die FDP eigentlich noch? Ja, auch wenn für die großen Schlagzeilen andere gesorgt haben, die Liberalen sind wieder da. Stadtweit ging es für sie 3,4 Prozentpunkte nach oben. Den Gewinn von 7,3 Prozent der Wählerstimmen darf die FDP als Erfolg verbuchen. Und schwuppdiwupp: Weil das Mannheimer Ergebnis dem Landestrend entspricht, könnten die Liberalen in Stuttgart plötzlich sogar ganz unverhofft als Partner eines Dreierbündnisses interessant werden. Was genau ist im Mannheimer Norden passiert? Der Mannheimer Norden – das ist Schönau, Waldhof, Käfertal oder Vogelstang. All diese Gebiete waren einst rote Hochburgen. SPD-Kandidat Stefan Fulst-Blei hat dort im Vergleich zu 2011 im Durchschnitt satte zwölf Prozentpunkte verloren. Dass der 47-Jährige damit noch das beste Ergebnis seiner Partei im ganzen Land erzielte, zeigt, wie schlimm es um die Sozialdemokraten bestellt ist. Der CDU mit ihrem Landtagsbewerber Chris Rihm erging es kaum besser: Für sie ging um fast zehn Prozentpunkte abwärts. Gerhard Fontagnier von den Grünen dagegen konnte sein schon 2011 starkes Ergebnis (21,2 Prozent) noch leicht verbessern (21,9). In den Stadtteilen mit den meisten Arbeitslosen ist aber in erster Linie die AfD zum neuen Hoffnungsträger aufgestiegen. Im Stadtteil Schönau erreichte Rüdiger Klos sein bestes Ergebnis: 30,1 Prozent. Freilich hat das seltsame Bild, das CDU und SPD auf Bundesebene bei der Flüchtlingsfrage abgeben, den Boden für den Triumph der AfD bereitet. Rüdiger Klos aber will seinen Erfolg nicht nur daraus abgeleitet wissen. Er betont die Anstrengungen, die er und seine Mitstreiter in einen intensiven Straßenwahlkampf gelegt hätten. „Die Leute wollten nicht nur über das Thema Flüchtlinge mit uns reden, sondern über innere Sicherheit, eine verfehlte Polizeireform oder Bildungspolitik“, sagte er gestern. Wie ist die Situation im Süden? Das Ergebnis von CDU und SPD ist auch in den südlichen Stadtteilen desaströs. Weil diese beiden Parteien auch hier viele Wähler an die AfD verloren haben, feierte Wolfgang Raufelder einen souveränen Erfolg mit dem Direktmandat als Belohnung. Welche Rückschlüsse erlaubt das Wahlergebnis auf den Zustand der Mannheimer Stadtgesellschaft? Soziale Unterschiede werden in Mannheim immer stärker sichtbar. Keine Arbeit oder schlecht bezahlte Jobs, große Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt – immer mehr Menschen fühlen sich abgehängt, fühlen sich nicht mehr als Teil des Systems. Hinzu kommen Ängste, dass die Zuwandererflut nach Deutschland die persönliche Situation weiter verschlechtert. In Stadtteilen wie Feudenheim, Wallstadt, Neuostheim, dem Lindenhof oder der Oststadt , wo die gut situierten Menschen in Mannheim leben, sind solche Probleme kaum ein Thema.