Rheinpfalz Getreide ordentlich, Raps mal gut, mal schlecht
Die Getreideernte lief gerade auf Hochtouren, da kam der Wetterwechsel. Gewitter und Hagelschauer. Die ersten Ernte-Ergebnisse beurteilen die Bauern und Mahlmühlen mit „besser als zufriedenstellend“ bis teilweise sogar „gut“. Trotzdem gibt es noch große Getreide-Areale in allen Gemarkungen, wo der Ertrag deutlich hinter den Erwartungen zurückbleibt. Die spürbare Wetterveränderung mit dramatischem Wassermangel auf den Feldern ist der Auslöser.
Landwirt Stefan Mutter aus Maßweiler hat schon Wintergerste, Triticale, Raps und Weizen geerntet. Die Wintergerste war ordentlich. Sie wird an die Schweine verfüttert – ebenso die Triticale. Dieses dem Weizen ähnliche Getreide hat einen weitgehend guten Ertrag gebracht. Beim Weizen kann der Landwirt auch nicht klagen, denn Eiweißgehalt, Feuchtigkeit und Korngröße stimmen. Es ist der gewünschte Backweizen zum Verkauf. Stefan Mutter bringt sein zu verkaufendes Getreide zur Mahlmühle Sties in Rieschweiler oder zum Raiffeisenwarenlager nach Zweibrücken. Die Annahmestelle in Zweibrücken sei mit der Anlieferung zum Erntestart nicht besonders glücklich, da alle Getreidearten auf einmal angefahren werden. Das ist ungewöhnlich. Es hängt mit der Entwicklung des Getreides innerhalb des lokalen Anbaugebietes zusammenhängen. Der Niederschlag war zwischen nur wenige Kilometer auseinanderliegenden Dörfern sehr unterschiedlich in der Menge, was sich nun so ungewöhnlich auf den Reifezeitpunkt aller Sorten ausgewirkt hat. Eigentlich ging es immer mit Wintergeste, Braugerste und Roggen los und danach kommen die weiteren Sorten. Beim Raps liegt das Ergebnis auf einer sehr unterschiedlichen Ebene. Das sei vor allem abhängig vom leichten sandigen Boden oder vom schwereren Lehmboden, je nachdem, wo der Raps gesät wurde. Im Herbst nach dem Säen hatte es schon eine Trockenphase gegeben, sodass der Raps nicht richtig und gleichmäßig aufgegangen ist, erklärt Stefan Mutter. Der Wassermangel hätte sich über die gesamte Entwicklungszeit gezogen, sodass es nur wenige Felder gibt, wo der Raps ein wirklich gutes Ergebnis bringt. In vielen Fällen hatte der Raps auch uneinheitlich geblüht, was Probleme bei der gleichmäßigen Ausreife bringt. Der Bauer hat dann große Probleme einzuschätzen, wann der beste Erntezeitpunkt ist. Läuft es richtig ungünstig, dann liegt einiges schon auf der Erde, weil der Reifezeitpunkt überschritten ist und die Schoten sich von selbst mit Unterstützung des Windes öffnen. Manche Felder waren auch vom Schneckenfraß betroffen, da nicht rechtzeitig gespritzt werden konnte, was zum Mengenverlust führt. Für Stefan Mutter gibt es aber insgesamt gesehen diesmal eine bessere Ernte als im vergangenen Jahr. Bei den Schäden durch den Regenmangel sei der Ertrag jedoch um mindestens ein Drittel geringer. Für eine genaue Einschätzung des Ertrags sei es jedoch noch zu früh, denn die heiße Erntephase beginnt erst jetzt, so Mutter. Beim Gespräch mit der RHEINPFALZ hat Kurt Schwab aus Maßweiler gerade Korn als Brotgetreide geerntet. Seine Stimmung bei der staubigen Feldarbeit war getrübt. Er sprach von einer „Notreife“ des Getreides auf dem sandigen Boden, wo die letzten Regenschauer keine Auswirkung mehr für ein besseres Ernte-Ergebnis hatten. Es fehlen ihm auf den Hektar gesehen 15 bis 20 Doppelzentner an einer gut verlaufenden Ernte, was kein Pappenstiel sei. Sein Rapsfeld, nur wenige Meter vom Roggenfeld entfernt, macht ihn noch trauriger. Der Raps sei an sich schon eine Problemfrucht, „aber in diesem Jahr treibt er es auf die Spitze“, so Schwab. Nach der Aussaat kam der Regen zu spät, und die anhaltende Trockenheit hat den Raps auch beeinträchtigt. Hinzu kommt jetzt, dass keine einheitliche Reife im gesamten Acker abläuft – es bleibt eine Problemernte mit Nachteilen für die Menge und Qualität. Solche Verluste bei gleich zwei Nutzpflanzen sind nicht mehr auszugleichen, so der erfahrene Landwirt. Schwab spricht von einem äußerst wellenförmigen Ernte-Ergebnis, wo die Ausschläge deutlich unter den Durchschnitt gehen. Schwab gibt sein Erntegut an die Stiesmühle in Rieschweiler ab. Die Getreidefelder stehen überall sehr gut im Halm, sodass nach dem Dreschvorgang viel leuchtend gelbes Stroh auf den Äckern liegt. Es werden sofort große Ballen gerollt oder Wickel gepresst, um die gute Qualität der Streu zu bewahren. Die Bauern lagern in diesem Jahr viel Streugut sofort ein, damit es nicht mehr von einem Wetterwechsel beeinträchtigt wird. Wegen der Trockenheit wird Vorratswirtschaft betrieben, denn die Bauern möchten auf eine mögliche Futterknappheit zum Winterende vorbereitet sein. Am Pfarrhöfchen auf der Kalkhöhe hat Rudi Becker aus Reifenberg vor dem Gewitterregen Raps geerntet. Er nannte den Ertrag „durchschnittlich“. Der Weizen hätte eine sehr ordentliche Qualität, sodass es für den Verkauf keine Probleme gibt. Auf trockenen Äckern sei der Ertragsausfall natürlich spürbar. Von diesen Feldern würde es diesmal zu viele geben, glaubt Becker. Während der Mähdrescher mit dem Enkel am Steuer seine Runden dreht kommt der Jagdpächter Ferdi Hüther noch auf den Rapsacker, wo der Traktor mit dem Hänger steht, um die geerntete Ölfrucht im Silo des Mähdreschers entladen zu können. Hüther interessiert, wann der Landwirt seine Rapsfelder in Waldnähe aberntet, denn hier möchte er auf ausbrechende Wildschweine warten. Bei geeignetem Schussfeld will er die eine oder andere Sau erlegen, um somit Wildschäden vorzubeugen. Landwirt und Jäger wollen dabei zusammenarbeiten. Am Tag zuvor sei dies auf Maßweiler Gemarkung nicht gelungen, die Wildschweine haben den Jägern ein Schnippchen geschlagen. Sie sind dort aus der Deckung des Rapsfeldes ausgebrochen, wo die Jäger keine Schussmöglichkeit hatten. Ein starker Keiler würde eine Rotte von bis zu 15 Schweinen führen. Raps- und Weizenfelder bieten den Sauen einen herrlichen Schlafplatz, wo sie vor der Kugel des Weidmannes sicher wären. Auf der Getreidemühle Isemann in Rieschweiler-Mühlbach ist man auf die Erntephase der Bauern vorbereitet, erzählt Müllermeister Hans Isemann. Das bisher angelieferte Getreide sei von ordentlicher Qualität. Manche Partien seien sogar richtig gut, was die Mahlmühle und später den Bäcker freuen wird. Natürlich ist dies auch im Sinne der Landwirte, die die heftigen Wetterprobleme über die Vegetationszeit in Atem gehalten hat. Jetzt bleibt nur zu hoffen, dass keine Regenphase mehr das Ernteglück vermiest, meint Isemann. „Die Bauern werden immer von einem großen Berufsrisiko, dem Wetter, begleitet“, so der Müllermeister. Deshalb gilt schon seit den Zeiten seiner Urahnen auf der Mühle der Spruch: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“