Rheinpfalz Gemeindewald-Dilemma

Wie geht es weiter mit dem Gemeindewald? Der Eßweilerer Gemeinderat informierte sich am Donnerstagabend umfangreich über das Thema Holzvermarktung. Doch selbst nach einer zweieinhalbstündigen Mammutsitzung ist längst nicht alles besprochen. Ein weiterer Infoabend soll Klarheit schaffen.
Angestoßen durch ein Kartellverfahren der Säge-Industrie gegen das Land Baden-Württemberg, stehen nun auch alle rheinland-pfälzischen Gemeinden vor demselben Dilemma: Wie sollen Eiche, Douglasie und Co. zukünftig marktfähig gemacht werden? Denn die Forstämter müssen sich hinsichtlich des kommunalen Holzverkaufs zurückhalten. Ein Umdenken in der Holzvermarktung ist erforderlich. „Auch weiterhin werden Forstamt und Revierleiter Ansprechpartner für die Waldbewirtschaftung sein und zur Verfügung stehen“, teilte Gabi Kleinhempel, Leiterin des Forstamtes Kusel, dem Gemeinderat Eßweiler mit. Beim Brennholzverkauf an private Endverbraucher bleibe alles beim Alten. Auch sei das Forstamt weiterhin mit der Planung für Schnittmengen involviert. Nur wenn es um die Vermarktung gehe, bleibe das Amt einflusslos und melde lediglich die Verkaufsbestände an eine Holzvermarktungsorganisation. Diese befasse sich dann letztendlich mit der Vermarktung. Eine dieser fünf Gesellschaften im Land sitzt in Maikammer (Region Pfalz/Rheinhessen). Die Gründung eines Forstzweckverbandes war in dieser Sitzung ein beliebtes Thema. Bereits an einem vorangegangenen Treffen des Gemeinderates hatte sich Verbandsbürgermeister Andreas Müller positiv über diese Sonderform der Holzvermarktung, bei der sich mehrere Gemeinden zusammenschließen, ausgesprochen. Müller hob den solidarischen Gedanken hervor, beschrieb die Gründung aber auch als „steinigen Weg“. Kleinhempel sieht ebenfalls in diesem Zusammenschluss Vorteile. Sie lobte den Ressourcen-Effekt. Dadurch, dass nur ein einziger Betrieb tätig sei, könne man Personalkosten sparen. Selbst ohne die Gemeinden Kappeln und Rothselberg, die sich für eine kommunale Waldverpachtung an einen Privatunternehmer entschieden, stecke in einem Zweckverband aller anderen Kommunen enormes Potenzial, sagte Kleinhempel. In Bezug auf die Kosten, die Jahr für Jahr durch die Bewirtschaftung des Gemeindewaldes entstehen, reagierte der Rat verärgert. Karl Heinz Soyke kritisierte die bisherige defizitäre Planung des Forstamtes scharf. Hugo Spohn sprach von einem Dilemma. „Der Wald ist nur noch ein Zuschussbetrieb. Wir wissen nicht, was wir machen sollen. Das Land muss sich etwas einfallen lassen.“ Dass die Verbandsgemeindeverwaltung noch am gleichen Abend Eßweiler für den unausgeglichenen Haushalt 2018/2019 kritisierte und zum Sparen aufforderte, verbesserte die Stimmung nicht. Stagnation sei jedoch der falsche Weg, sagte Ortsbürgermeisterin Monika Riesinger. Immerhin: Gabi Kleinhempel ermutigte den Rat, dass beim Thema Wald positive Änderungen in naher Zukunft möglich seien. Dazu sollen in einer Infoveranstaltung zum Thema Forstzweckverband Vor- und Nachteile besprochen werden.