Rheinpfalz Gefährliche Fracht im schwarzen Rauch
Auch am Freitag noch züngelten die Flammen unter dem eingestürzten Dach des Holzhandels Wickert im Norden Landaus. Viel größere Sorgen bereitet den Verantwortlichen aber, dass das Feuer Asbestfasern über eine weite Fläche verteilt hat. Das 17 Hektar große Gewerbegebiet ist abgesperrt, 20 Firmen sind betroffen.
. Den Ernst der Lage spiegelten gestern bei der Pressekonferenz im Landauer Ratssaal auch die Gesichtszüge der Verantwortlichen wider. Die Gefahr ist noch nicht gebannt, zumal noch unklar war, in welchem Radius Asbestfasern verteilt wurden. Jürgen Kupper vom TÜV Kaiserslautern untersuchte gestern Abschnitt für Abschnitt. Derweil berieselt die Feuerwehr die Brandstelle und den angrenzenden Parkplatz konstant, um das Asbest zu binden und ein Auffliegen des Staubs zu verhindern. Nach dem verheerenden Brand am Donnerstagnachmittag in der über 12.000 Quadratmeter großen Halle waren die Feuerwehrkräfte gestern immer noch mit Löschen beschäftigt. Weil die Flammen im Nu auf das gesamte Gebäude übergegriffen hatten, hatte die Feuerwehr es kontrolliert abbrennen lassen. Ein Bagger entfernte gestern Nachmittag die eingestürzte Dacheindeckung, damit die Wehr das Feuer darunter löschen konnte. Das Dach, mit 175 mal 70 Meter größer als ein Fußballfeld, war zu drei Vierteln mit einer Photovoltaikanlage belegt, zu einem Viertel mit Asbestplatten. Stadtfeuerwehrinspekteur Dirk Hargesheimer sprach gestern von einer 45 mal 70 Meter großen Asbestplatten-Fläche. Durch die extreme Hitze – Hargesheimer schätzt die Temperatur auf 1400 Grad – habe sich die Zementmatrix aufgelöst, Asbestfasern seien freigesetzt worden, ergänzte Jürgen Kupper vom TÜV. Er wird auch die außerhalb der Sperrzone liegenden Straßenzüge im Nordosten, wo sich weitere Betriebe befinden, Stück für Stück nach Asbest absuchen. Sollten Bürger Bruchstücke – laut Kupper zum Teil etwa so groß wie ein Zehn-Cent-Stück – finden, wie das in einigen Orten des Landkreises Südliche Weinstraße bereits der Fall war, sollen sie sie nicht anfassen und ein extra geschaltetes Bürgertelefon unter der Nummer 06341/13 66 66 anrufen. Die Fundstücke werden abgeholt. Bis auf Weiteres ist das Gewerbegebiet gesperrt, darunter auch das Möbelhaus Ehrmann. Die Staubausbreitung soll vermieden werden. So dürfen beispielsweise die Lüftungsanlagen in den Firmengebäuden nicht angeschaltet werden. Horst Ehrmann musste gestern 100 Mitarbeiter nach Hause schicken. Niemand weiß derzeit, wie es weitergeht. Die Einsatzleitung wird sich nach Worten von Oberbürgermeister Thomas Hirsch (CDU) über das Wochenende ein Bild der Lage machen und dann einen Sanierungsplan erstellen. Sicher scheint schon jetzt: „Im Idealfall dauert es zwei Wochen, bis alles gereinigt ist.“ Die Verwaltung prüfe, ob Teilbereiche früher freigegeben werden können. Die befestigten Flächen müssten laut Kupper abgesaugt und mit einer Restfaserbindung versehen werden. Grünzüge würden zurückgeschnitten, das Erdreich zwei bis drei Zentimeter abgetragen, so der TÜV-Experte. Betroffen sei auch ein Wingert im Bereich der B 10, die nördlich verläuft. Weil der Rauch mit dem Wind nordöstlich getrieben wurde, blieben die südlich liegenden Anwohner und die Innenstadt verschont. Die dicke Rauchsäule hatte am Donnerstag zahlreiche Schaulustige angelockt, die mit gezückten Smartphones auch viele am Geschehen teilhaben ließen, die es nicht an den Unglücksort zog. OB Hirsch verurteilte diesen Katastrophentourismus als „unnötig“. Es sei zu ernsthaften Problemen bei der Anfahrt der Rettungskräfte gekommen. Erst wenn das Feuer gelöscht ist, kann ein Brandermittler der Polizei nach Anzeichen für die Brandursache suchen. Alle angrenzenden Gebäude hatte die Feuerwehr vor den Flammen schützen können, zum Teil mit einer Wasserwand. Bei der ganzen Aktion wurde niemand verletzt. |sas