Kultur Südpfalz Fromme Frauen auf Kölsch

„Och, ewich is so lanc!“ (Ach, ewig dauert so lang): Ars Chorals Coeln singt Gesänge vom himmlischen Leben.
»Och, ewich is so lanc!« (Ach, ewig dauert so lang): Ars Chorals Coeln singt Gesänge vom himmlischen Leben.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr war das Festival Via Mediaeval des rheinland-pfälzischen Kultursommers in der Südpfalz. Im stilvollen Raum der Klosterkirche in Eußerthal sang das renommierte Ensemble Ars Choralis Coeln Musik der Devotio Moderna des 14. Jahrhunderts.

Devotio Moderna ist eine aus den Niederlanden und dem Rheinland kommende Bewegung der „Neuen Frömmigkeit“ aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, die sich in fast schon vorreformatorischer Art als Gegenentwurf zur Kirchenpraxis der Zeit auf innere Einkehr und ein gottgefälliges Leben versteht. Manches klingt hier fast schon pietistisch – und überraschend ist der enge Bezug zur Bibel. Reformationes ist ja das Motto des Mittelalter-Festivals im Reformationsjubiläumsjahr, das christliche Erneuerungsbewegungen vor 1517 zum Gegenstand nimmt. Die acht Damen der Ars Choralis Coeln sangen zwölf Gesänge aus dem Liederbuch der Anna von Köln, dem Wienhäuser Liederbuch und der Berliner Handschrift 190. Es sind meist einstimmige Stücke mit mittelniederländischen, mittelhochdeutschen und lateinischen Texten. Maria Jonas trug ein Stück gemäß seiner Herkunft in einer Art mittelalterlichem Kölner Dialekt vor. Überhaupt fand das Ensemble in der Art des Vortrags und der instrumentalen Begleitung der Gesänge viele spannende und abwechslungsreiche Lösungen, die die knapp eineinhalb Stunden zu einem höchst aparten Hörerlebnis machten. Wie diese Musik vor 650 Jahren wirklich geklungen hat, ist heute kaum zu rekonstruieren, doch Stefanie Brijoux, Pamela Petsch, Cora Schneider, Maria Jonas, Uta Kirsten, Amanda Simmons, Lucia Mense und Susanne Ansorg sangen und spielten mit so viel Schönheit, Anmut und schlichter Empfindung, dass die Musik in köstlicher Weise zu blühen begann und ihre fromme Haltung aufs Schönste spürbar wurde. Zu Recht großer Beifall für eine faszinierende Reise in eine ferne musikalische und geistliche Welt. Als Dank gab es zwei Zugaben: Ein Gesang aus Andernach, dessen Vorlage beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs vernichtet wurde, und eine italienische Laude auf den Heiligen Franziskus, die mit mitreißendem tänzerischen Schwung musiziert wurde.

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