Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Fischbach: Letzte Praxis im Sauertal schließt – 1100 Patienten ohne Hausarzt

Wenn die Arztpraxis in Fischbach schließt, gibt es im Sauertal keinen Hausarzt mehr.
Wenn die Arztpraxis in Fischbach schließt, gibt es im Sauertal keinen Hausarzt mehr. Foto: Petra Würth

Im Sauertal wird’s für Patienten ernst. Dort schließt nämlich im April die letzte Hausarzt-Praxis. Nachfolger für die Fischbacher Ärzte gibt es nicht. Trotz einiger Bemühungen.

Zum 1. April schließen die beiden Allgemeinärzte Beate Eisel-Lebherz und Martin Lebherz aus Alters- und Gesundheitsgründen ihre Allgemeinärztliche Gemeinschaftspraxis. Beide haben das Rentenalter erreicht, ein Nachfolger ist nicht in Sicht.

Rund 1100 Patienten, die die Praxis bisher versorgt hat, stehen damit vor einem Problem. Denn im gesamten Sauertal gibt es dann keinen Arzt mehr. Besonders hart trifft es jene Patienten, die nicht mobil sind.

Der Termin der Schließung war lange bekannt. Von kommunaler Seite sei keine Unterstützung gekommen, sagt Beate Eisel-Lebherz: „Politiker interessiert der Hausärztemangel meist nur, wenn es darum geht, Stimmen zu sammeln, aber passieren tut nichts.“ Auf Inserate im Ärzteblatt und auf der Internetplattform der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) habe es keine Reaktionen gegeben, sagt die Ärztin. Auch ein Berater, der sich in ihrem Auftrag an den Kliniken der Pfalz, des Saarlandes und Nordbadens nach einem Nachfolger umsah, blieb erfolglos.

Situation für Ärzte komplett gewandelt

Im April 1990 hatte Martin Lebherz die Praxis seines Vorgängers in der Hauptstraße übernommen, seit Oktober 1994 praktiziert das Ärztepaar in dem barrierefreien Neubau in der Daniel-Theysohn-Straße. Beide Ärzte hätten sich vorstellen können, in reduzierter Form noch zwei oder drei Jahre weiterzumachen. Lebherz hatte auch in Erwägung gezogen, bei einem Kollegen als Angestellter in Teilzeit noch eine Weile weiterzumachen, aber auch daraus wurde nichts.

„Als wir hierherkamen, war es schwierig gewesen, überhaupt eine Stelle als Arzt zu bekommen, diese Situation hat sich komplett gewandelt“, blickt Lebherz zurück. Er habe seinerzeit nur für den Arztsitz rund 100.000 D-Mark an seinen Vorgänger zahlen müssen – „das ist heute kaum noch vorstellbar“, sagt er. Damals habe die Kassenärztliche Vereinigung (KV) schon kein Interesse gehabt, die beiden vorhandenen Arztsitze in Fischbach weiterzuführen: „Die hätten lieber gesehen, wenn wir nach Rodalben oder Nünschweiler gegangen wären“, sagt Lebherz.

Ein Medizinisches Versorgungszentrum rechne sich wirtschaftlich für das Sauertal nicht, das sei nur in größeren Einheiten denkbar, stellt er fest. Aber selbst mit zwei Ärzten weniger ist das Versorgungsgebiet, das die Verbandsgemeinden Hauenstein und Dahner Felsenland beinhaltet, nach Ansicht der KV noch gut versorgt.

Mehr Bürokratie, aber freie Wochenenden

Die Bürokratie sei enorm gewachsen, sagt Beate Eisel-Lebherz, aber ansonsten habe sich das Berufsbild durchaus positiv verändert. „Wir brauchen keine Nachtdienste mehr machen, auch die Wochenenden und die Mittwochnachmittage sind frei, das ist schon eine erhebliche Erleichterung zu früher“, stellt sie fest. „Aber der Landarzt stirbt aus“, glaubt sie. Die Folge werde sein, dass die Rettungsdienste wohl mehr zu tun bekämen und vor allem „NäPas“ – nicht-ärztliche Praxisassistenten – müssten mehr zum Einsatz kommen, weil die verbliebenen Ärzte die Anzahl der Hausbesuche gar nicht leisten könnten. Auch Telemedizin sei im Gespräch sagt Lebherz. Er wisse vom Kollegen aus Bundenthal, dass die Region diesbezüglich eine Modellregion werden solle – „nur dafür bräuchte man flächendeckendes Internet; davon sind wir ja noch weit entfernt, es gibt ja nicht mal überall Handynetz“, stellt er fest.

Die Sorge um die verwaisten Patienten treibt die beiden Mediziner um und bereitet ihnen manche schlaflose Nacht. Eine gute Nachricht sei aber, dass die beiden Vollzeitkräfte eine Anstellung in einer anderen Praxis gefunden haben.

Was Betroffene sagen

Was es heißt, wenn man einen neuen Hausarzt sucht, haben Hans und Christel Heinzel aus Ludwigswinkel hautnah erlebt. Bei Hausärzten in Dahn seien sie bereits abgewiesen worden mit der Begründung, dass man schon überfüllt sei, berichten sie. In Pirmasens habe man ihnen gesagt, man nehme keine Patienten aus Ludwigswinkel. Beide fragen sich, wieso es im Sauertal nicht möglich sein sollte, ein Medizinisches Versorgungszentrum zu gründen, beispielsweise auch in kommunaler Trägerschaft. Sie verweisen auf ein entsprechendes Modell aus Katzenellenbogen. Auch ein mobiler Ärztefahrdienst wäre für sie eine Alternative für Menschen ohne Fahrzeug.

Was die Ortsbürgermeister sagen

Die Ortsbürgermeister von Fischbach und Ludwigswinkel, Michael R. Schreiber und Sebald Liesenfeld, sagten auf Nachfrage der RHEINPFALZ, dass man dabei sei, auf verschiedenen Internetplattformen Werbung für den Standort Fischbach zu machen. Das Thema wurde bereits im Gemeinderat als auch im Verbandsgemeinderat mehrmals erörtert und besprochen, eine praktikable Lösung sei derzeit aber nicht in Sicht, sagt Schreiber, der in der medizinischen Versorgung einen Schlüsselfaktor für die Zukunft der gesamten Region, speziell für das Sauertal, sieht. Ob die Sauertalgemeinden eine mobile Lösung finden, wie von Bürgern vorgeschlagen, hänge auch von der finanziellen Ausstattung der Ortsgemeinden ab, sagt Schreiber und verweist auf Land und Bund, die er in der Pflicht sieht.

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