Rheinpfalz Feuerkörbe erfüllen doppelten Zweck

Mittelalter zum Anfassen. Zahlreiche Besucher statteten am Wochenende der Burg Lichtenberg einen Besuch ab. Dort fand der mittelalterliche Weihnachtsmarkt im historischen Gemäuer statt. Während die Gäste auf der Oberburg einen traditionellen Weihnachtsmarkt erlebten, konnten sie auf der Unterburg eine kleine Zeitreise unternehmen und sich über das Leben im Mittelalter informieren.
„Darf ich ein Foto mit euch machen“, fragte ein amerikanischer Besucher auf Burg Lichtenberg einen der Ritter der Sprengelburger Ritterschaft. Diese hatten in ihren authentischen Gewändern, aber auch in Kettenhemd und Rüstung am Eingangstor der Burg Posten bezogen, um die mehreren hundert Gäste des mittelalterlichen Weihnachtsmarktes am Samstagnachmittag zu begrüßen. Die Veranstaltung der TSG Burglichtenberg fand auch in diesem Jahr wieder große Resonanz – weit über die Kreisgrenzen hinaus, wie beim Blick auf die Nummernschilder auf dem Parkplatz deutlich wurde. „Es ist viel los. Die Leute zeigen großes Interesse am Leben im Mittelalter“, sagte Ritter Andreas Rauch. Gegenwart trifft Vergangenheit. Es ist die Kombination aus traditionellem Weihnachtsmarkt, der wie gewohnt auf der Oberburg stattfand, und dem mittelalterlichen Treiben auf der Unterburg, die den Reiz ausmacht. „Das gibt es in Amerika so nicht“, freute sich ein US-Ehepaar. Dessen Kinder fanden vor allem am Ritterlager von „Fidem servare“ Gefallen. Dieses stellte eine Kreuzfahrergruppe des 13. Jahrhunderts dar. Dort konnten Besucher Helme aufsetzen, Schwerter halten und vieles über das Leben in einem Mittelalterlager erfahren – Mittelalter zum Anfassen. Seit einigen Tagen bereits hatten „Fidem servare“ ihr Lager auf der Burg bezogen. „Das offene Feuer und Felle nutzen wir als Heizung“, erläuterte ein Bruder des Hospitalerordens (Daniel Faust) auf Nachfrage. Die zahlreichen Feuerkörbe wurden auch von den Marktbesuchern allzu gerne aufgesucht, um sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt etwas aufzuwärmen. Natürlich sorgte auch der eine oder andere Glühwein dafür, dass der Körper etwas aufgewärmt wurde – für die jüngeren Besucher heißer Apfelsaft oder Kinderpunsch. Darüber hinaus dienten die Feuerkörbe als Lichtquelle und sorgten für Gemütlichkeit auf dem Marktgelände. Der Name des mittelalterlichen Weihnachtsmarktes war Programm. So wurde das Kinderkarussell auf dem Gelände nicht mit Strom, sondern mit Muskelkraft angetrieben, und an einigen Ständen ersetzte der Taler den Euro als Zahlungsmittel. Plötzlich hallten Trommeln durch das historische Gemäuer. Von der Oberburg her näherte sich das Trio „Furore Nodanin“ dem Lager auf der Unterburg. Während die drei jungen Männer mit Trommel und Sackpfeifen – diese ähneln im Klang einem Dudelsack – vor den Augen zahlreicher Besucher ihre Lieder spielten, tanzten vor den Zelten die Frauen von der saarländischen Gruppe „Shabanna Atesh“ im Rhythmus der Musik. Insgesamt war beim Rahmenprogramm für jeden Geschmack etwas dabei. So konnten sich die Besucher an beiden Tagen im Bogenschießen versuchen, die lebende Krippe besuchen oder Schmiedevorführungen und den Fossilienpräparationen im Geoskop beiwohnen. Und auch lange nach Einbruch der Dunkelheit ging das bunte Markttreiben weiter. So fand am Samstagabend ein Fackelumzug mit Herold und musikalischer Begleitung statt und am Abend sorgte der Chor Singtonic für Stimmung. Mit großem Beifall wurde auch der Flammentanz von „Shabanna Atesh“ (Feuer der Nacht) bedacht. (hlr)