Rheinpfalz Favorit und Phantom siegen
Mannheim. Ungläubiges Staunen, sogar Entsetzen war gestern vielen Besuchern der Wahlparty im Foyer der Mannheimer Abendakademie ins Gesicht geschrieben. Die AfD haben so viele Wähler im Norden der Stadt als Alternative gesehen, dass die rechtspopulistische Partei im Wahlkreis 35 das Direktmandat geholt hat. Rüdiger Klos, ein 52 Jahre alter Unternehmensberater, hat aus dem Stand 23 Prozent der Stimmen gewonnen. Dass die AfD im Norden der Stadt stark sein würde, war klar. In Stadtteilen wie Schönau oder Waldhof, wo viele sozial Schwache leben, oder Käfertal, wo Tausende Flüchtlinge in einer ehemaligen amerikanischen Kaserne untergebracht worden sind, galt ein starkes Abschneiden der AfD als wahrscheinlich. Dass ihr Kandidat aber tatsächlich direkt in den neuen Stuttgarter Landtag einziehen wird – damit hatte kaum einer gerechnet. Traditionell kommen in Mannheim am Abend einer Wahl die Landtagskandidaten aller Parteien bei einer Wahlparty zusammen. Journalisten führen Interviews, der Wahlleiter verkündet am Abend das vorläufige amtliche Ergebnis. So war das auch gestern. Im Prinzip. Einer nämlich fehlte, dem so mancher gerne viele Fragen gestellt hätte: Rüdiger Klos. Keine Fragen, keine Fotos. So redeten nur die anderen über die AfD. „Wir müssen uns hier im Mannheimer Norden zu Boden schämen“, sagte etwa Grünen-Kandidat Gerhard Fontagnier, der ebenso den Kürzeren zog wie SPD-Bewerber Stefan Fulst-Blei, der vor fünf Jahren noch das Direktmandat im einstmals roten Norden geholt hatte. Zwar holte der Sozialdemokrat noch mal auf, am Ende fehlten aber rund 400 Stimmen. Die Enttäuschung war ihm früh ins Gesicht geschrieben, die Wahlparty verließ er heimlich, still und leise, bevor alle Stimmen ausgezählt waren. Ein anderes Bild im Mannheimer Süden: Wolfgang Raufelder, der Kandidat der Grünen, schwamm voll im Trend. Seine Partei holte landesweit erstmals die meisten Stimmen. Was den Grünen im Land gelang, schaffte Raufelder im Süden seiner Heimatstadt. War er vor fünf Jahren noch der erste Grünen-Politiker, der in Mannheim ein Direktmandat gewann, ist er seit gestern der erste Grüne, der ein Direktmandat verteidigt hat. Eine weitere Premiere: Die Grünen holten erstmals bei einer Landtagswahl die meisten Stimmen in Mannheim: 27,2 Prozent. Es folgen die CDU mit 19,3, die SPD mit 19,2 und die AfD mit 18,2 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung in Mannheim war mit 62,5 Prozent höher als bei der Landtagswahl 2011 (57,4 Prozent). „Ich habe viel gearbeitet. Ich habe einen Anteil an dem Ergebnis. Die Zusammenarbeit mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist zudem toll“, so Raufelders erste Analyse. Den Triumph der AfD im anderen Wahlkreis bezeichnete er als „bitter“ und „schwer zu ertragen“. Fragen zu seiner Wunschkoalition im Stuttgarter Landtag wich er aus. „Da will ich mich heute Abend nicht festlegen.“ Fest steht, dass ein grün-rotes Bündnis im Ländle keine Zukunft hat. Dafür war die SPD zu schwach. Möglich wären ein Dreierbündnis aus Grünen, SPD und FDP oder eine grün-schwarze Koalition mit der CDU. „Die Koalitionsbildung wird schwierig“, sagte Raufelder. Kommentar