Rheinpfalz Fast zwei Stunden gezofft
Nach sechs Jahren Inaktivität ist einiges aufzuarbeiten, und eine Mitgliederversammlung kann schnell ins Chaos abgleiten. Das mussten Vorstand und Mitglieder des Reitervereins Sickingerhöhe am Mittwoch erfahren. Anstatt die Tagesordnung abzuarbeiten und einen neuen Vorstand zu wählen, fraß sich die Versammlung an der Frage fest, wer überhaupt noch Mitglied und damit stimmberechtigt ist. Am Ende wurde die Versammlung nach heftigen Diskussionen und Konfrontationen abgebrochen.
„Wir drehen uns hier im Kreis. Gemäß Satzung werde ich alle 79 Mitglieder anschreiben, die Sache mit den Beiträgen klären und dann erneut einladen. Etwas anderes bleibt mir nicht übrig“, erklärte Geschäftsführer Berthold Martin am Ende der Versammlung im Gasthaus „Roseneck“ in Schmitshausen. Da hatten sich Vorstand und Mitglieder bereits fast zwei Stunden teilweise regelrecht gezofft, ohne von der Stelle zu kommen. Nach einer Gedenkminute für die verstorbenen Mitglieder zu Beginn gingen die Auseinandersetzung zwischen Vorstand und Mitgliedern gleich los. Vor allem Martin und Vereinspräsident Günter Schwab mussten sich kritische Fragen gefallen lassen. Denn nach sechs Jahren ohne Mitgliederversammlung ist gar nicht mehr klar, wer eigentlich noch im Verein ist. 79 Namen stehen auf der sechs Jahre alten Mitgliederliste, 15 davon sind in der Zwischenzeit verstorben. Wirklich verzwickt wurde das Thema, weil einige Mitglieder aus Frust über die Inaktivität der letzten Jahre ihren Mitgliedsbeitrag zurückgebucht hatten. Aus Sicht des Vorstandes hatten sie damit ihre Mitgliedschaft beendet, so dass noch 23 Personen als Mitglieder geführt wurden. Doch laut Vereinssatzung ist das nicht der Fall. Gemäß dieser müssen Mitglieder, die ihren Beitrag nicht zahlen, vom Vorstand angeschrieben werden, erst dann kann die Mitgliedschaft beendet werden. Doch das ist nicht geschehen. Damit war unklar, wer am Tisch überhaupt abstimmen darf. „Wir haben Leute, die haben bewusst zurückgebucht, damit sind die für mich keine Mitglieder mehr“, machte Martin seinen Standpunkt klar. Doch mehr als einer der Anwesenden bezweifelte, dass dies satzungskonform ist. Mit der formellen Einladung ging es nahtlos weiter. Die offizielle Mitteilung im Amtsblatt der Verbandsgemeinde unter Herschberg erreichte nicht alle Mitglieder, die teils in Pirmasens und anderen Orten wohnen. Aus Sicht des Vorstandes ist mit der Mitteilung im Amtsblatt die Einladung ausgesprochen, die zusätzliche schriftliche Einladung eigentlich nicht nötig. Das brachte jene auf die Palme, die nicht in Herschberg wohnen und das Blatt daher nicht bekommen. Einer der Anwesenden beschwerte sich, er habe von der Versammlung erst aus der Zeitung erfahren und sei nicht angeschrieben worden. Dabei stellte sich nebenbei heraus, dass er seit 15 oder 20 Jahren keinen Beitrag gezahlt hatte, weil die Einzugsermächtigung verloren ging. Dass die Einladungen zudem mit „An die Mitglieder des Vorstandes“ begannen, vergrößerte die Verwirrung zusätzlich. Ebenso konnten sich die Anwesenden nicht darüber einigen, ob nur noch ein oder doch zwei Kassenprüfer im Amt sind. Denn einer davon gehört zu denen, die ihren Beitrag zurückbuchten. Die Kassenprüfung durch nur einen Prüfer, der zudem nicht anwesend war, sei wiederum nicht zulässig. Daher könne kein Kassenprüfungsbericht gemacht werden und keine Entlastung stattfinden. Zumal dabei wieder die Frage nach dem Stimmrecht aufkam, um die sich die Diskussionen wieder und wieder drehten. Schließlich kam noch zur Sprache, ob der auf drei Jahre gewählte Vorstand nach nunmehr sechs Jahren überhaupt noch im Amt ist. An dem Punkt war klar, dass man an diesem Abend zu keinem Ergebnis kommen wird und Geschäftsführer Martin schloss die Sitzung praktisch ergebnislos. Er wird sich nun mit dem Rechtspfleger des Amtsgerichts treffen und das weitere Vorgehen klären. Sobald klar ist, wer noch im Verein ist, will Martin eine neue Mitgliederversammlung einberufen. Das kann jedoch noch mal einige Zeit dauern. |sach