Kandel
Familienkonzert in der St. Georgskirche
Die „Kleinen Geister“ des Nürnberger Theaterpädagogen, Autors und Performers Philipp Roosz eröffneten am Samstag erfolgversprechend die neue Reihe der Familienkonzerte in der Kandeler St. Georgskirche. Auf der Orgelbank wirkte Wolfgang Heilmann.
Während rund um die Kirche der Rummel des Kräuter- und Ölmarkts tobte, schlug es drinnen – und das am helllichten Samstagnachmittag - zur Geisterstunde. Potzblitz und Donner! Aber nein, die waren ja, obwohl versprochen, gar nicht eingetroffen. Gleichwohl hätten sie gar trefflich gepasst zum musikalischen Spuk auf dem imaginären Dachboden, den Philipp Roosz, Theaterpädagoge am Staatstheater Nürnberg, für große und kleine Fans magischer Geschichten so unterhaltsam bespielte.
Auf der Orgelempore
Der Auftakt der neuen Reihe der „Familienkonzerte“ war vielversprechend, weil gut besucht und mit reichlich Beifall bedacht. Gemeinsam stieg man zu Beginn auf den „Dachboden“, sprich die Orgelempore. Da ließ sich von den bereitgestellten Stühlen und Bänkchen aus für Omas, Opas, Mamas, Papas und vor allem die Kleinen das wunderbare Panoptikum aus Kisten, zugehängten Möbeln und Regal mit Notenpapier – aha: Notenpapier – bestens einsehen. Und auch die seitliche Stelle ins Visier nehmen, von der die magischen Klänge herüberschwappten: die Orgelbank.
Es ist eine charmante musikalische Geschichte, die Philipp Roosz zusammen mit seiner Frau Irina erdacht und in Nürnberg und anderswo bereits vielfach erfolgreich auf die Bühne gestellt hat: Nach dem Umzug in das von Tante Elise geerbte alte Haus werden die Geschwister Toni und Hedda von seltsamer Musik wie magisch angezogen, beim Durchstöbern des Dachbodens entdecken sie Instrumente – Cello, Flöte, Trompete – und allmählich auch die, welche diese auf magische Weise zum Klingen bringen: die Geister Frieda, Olivia und Pierre, die zu sehen zunächst nur ihnen, den Kindern, vorbehalten ist.
Ein modernes Spielparadies
Die Geschichte nimmt Fahrt auf, als die Eltern versuchen, den Boden zu entrümpeln und ein modernes Spielparadies einzurichten, die Geister um ihre weitere „Existenz“ fürchten müssen, und am Ende – nach ein paar spannungsfördernden Verwicklungen – durch den Einsatz der Kinder doch noch eine Hausgemeinschaft entsteht, die allen, auch dem Geistervolk, gerecht wird.
Zur Geschichte hat das Staatstheater ein waschechtes Kinderbuch mit Illustrationen, allerdings nur für den Bühnengebrauch, ediert und aus dem liest Philipp Roosz seine Geschichte vor, aber natürlich: Er agiert, deklamiert mitreißend, bezieht sein (junges) Publikum ein, fragt nach Befindlichkeiten, lässt alle mitspielen; zum Beispiel beim Entrümpeln des Dachbodens: Da wechseln Berge von Sitzkissen von vorne nach hinten (und wieder zurück); und als die Geister ihre Instrumente versehentlich in die Zauberkiste eingeschlossen haben, kann nur ein gemeinsames Lied diese wieder öffnen. Und das gelingt Gottlob, weil ja alle mitschmettern.
Die Geister musizieren
Ah ja, und nicht zu vergessen – die Geister musizieren ja! Cello, Flöte, Trompete. Zu Beginn treten sie sozusagen aus ihrem Registerchor hervor und stellen sie sich vor, und zwischendrin dann musizieren sie grandios mal in Walzer-Klängen, mal mit schmachtender Melancholie, jeweils aus dem Notenbüchlein des Herrn Edward Grieg; oder auch mal ein bisschen hipster mit Ragtime und nach Vivienne Olive. Das kommt alles fabelhaft genau auf den dramatischen Punkt von ganz rechts außen, wo Bezirkskantor Wolfgang Heilmann wieder einmal demonstriert, welch vielfältig einsetzbares „Accessoire“ so eine Orgel doch ist.
Die Performance, die im Staatstheater Nürnberg nachweislich mit allerlei Licht- und Bühnentechnik unterfüttert war, musste hier schlicht auf die Kraft der Imagination und den Zauber des Moments bauen. Und das funktionierte aus sich selbst heraus prächtig. Ein dickes Lob an die beiden Gestalter, die sich noch über einen weiteren gut besuchten Durchlauf an diesem Nachmittag freuen durften. Und am Folgetag in Bad Bergzabern bei den Kindergarten-Vorschulkindern mutmaßlich nochmals auf begeisterte Resonanz stießen.
Die Reihe der Familienkonzerte wird fortgesetzt am 21. Juni, 10 Uhr, in der Marktkirche Bad Bergzabern mit dem Musical „Der verlorene Sohn“ und dem Kinderchor Bad Bergzabern, Leitung: Vera Steuerwald.