Rheinpfalz Für das Mitwirken am Frieden sensibilisieren

Wer Zeitzeugen zum Zweiten Weltkrieg und den Jahren davor befragen will, muss sich beeilen. Sie sind alt geworden und werden immer weniger. Deshalb war das Treffen im Seniorenpark Hinterweidenthal ein ganz besonderes und darüber hinaus die Fortsetzung einer spannenden Geschichte, in der Gustav Jacob Feyock junior aus Wilgartswiesen die Hauptrolle spielt.
Die Verwaltung des Seniorenparks hatte extra einen ruhigen Raum und einen Vorrat an Getränken vorbereitet. Die fast 85-jährige Elfriede Jung aus Wilgartswiesen, die seit einigen Wochen im Seniorenheim wohnt, war pünktlich und gut aufgelegt dort zur Stelle. Allerdings auch ein wenig aufgeregt, ob sie als Zeitzeugin die Fragen ihrer Besucher auch alle beantworten könne. Damian Ligier war er extra aus Bolandoz (Frankreich) angereist und hatte zur Unterstützung seine Schwester Celine Ligier-Guerin aus Metz (Frankreich) mitgebracht. Im Gepäck hatten sie zahlreiche Fotos aus den Jahren 1920 bis 1945 – und große Hoffnungen, dass ihnen Elfriede Jung Näheres zu den Personen sagen könnte, denn sie ist darauf zusammen mit Gustav Jacob Feyock junior zu sehen. Elfriede Jung ist seine Cousine und hat damals in enger Nachbarschaft zu ihm gelebt. Ligier arbeitet als Geschichtslehrer am Lycée LaSalle in Levier in der Nähe von Besancon in Frankreich und unterrichtet dort die Mittel- und Oberstufenklassen. Der 31-Jährige begleitet ein Schulprojekt zum Thema Krieg und versucht, seine Schüler dabei in besonderer Weise zu aktivem Mitwirken für den Frieden zu sensibilisieren. Dafür wendet er sehr viel Mühe und Zeit auf. Denn weit über das Wissen um Kriegsschauplätze, Zahlen und Namen hinaus erforschen sie dafür auch, wie nachhaltig die Geschichte der Menschen und deren Leben davon betroffen waren. Indem sie diesen gewissermaßen ihr Gesicht zurückgeben, wollen sie an ihrem Schicksal die Tragweite und die Folgen des Krieges hautnah erfahrbarer machen. „Kriege kennen keine Sieger“, sagt Damian Ligier. Die Geschichte zeige, dass sie den Menschen immer Leid bringen. Den Angegriffenen ebenso wie den Angreifern. Auf der Suche nach entsprechenden Dokumenten dafür hatte Ligier ein altes Fotoalbum der Familie Gustav Jacob Feyock aus Wilgartswiesen erworben, das ihm – so unglaublich es klingt – auf einem Flohmarkt in Kanada angeboten wurde. Die aus den Bildern erkennbare Geschichte des Vaters Gustav Jacob Feyock, der Mutter Anna Maria, besonders aber ihres offensichtlich einzigen Kindes, des 1922 geborenen Gustav Jacob Feyock junior, der 1943 im Krieg in Russland gefallen war, hatte die Schulklasse so tief berührt, dass sie unbedingt mehr über ihn erfahren wollte. Sie möchte ein kleines Buch über ihn schreiben. Für ihre Nachforschungen haben die jungen Leute schon eine Klassenfahrt nach Wilgartswiesen unternommen, die wiederholt werden soll, berichtete Isabella Vidal, die die Kontakte eingefädelt hatte. Auf der Suche nach Gustavs Spuren hatten sie anhand der Bilder dort auch Erfolg. Nachdem sich ihre Suche nach Zeitzeugen jedoch sehr schwierig gestaltet, weil die meisten von ihnen wohl inzwischen verstorben sind, hatte Vidal sich hilfesuchend an den Altbürgermeister von Wilgartswiesen, Robert Brödel, gewandt. So sei der Kontakt zu Elfriede Jung zustande gekommen. Mit ihrer Hilfe konnten nun viele offene Fragen geklärt werden. Mit der deutsch-französischen Verständigung gab es dabei dank der Vermittlung des Hauensteiners Willy Schächter keine Probleme. Zumal er diese mit einer Vielzahl an Erinnerungen aus seiner eigenen Kindheit untermalen konnte. Auch wenn vor lauter Eifer während der Arbeit niemand bemerkt hatte, wie schnell die Zeit vergangen war, sollte die alte Dame davon dann doch nicht zu sehr angestrengt werden. Ein besonderer Tag, war man sich beim Abschied einig.