WÖRTH Es gibt noch Hoffnung für ein friedliches Zusammenleben

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Nur drei Tage nach dem terroristischen Attentat in Nizza führte ein Ensemble des a.gon Theaters München in der Wörther Festhalle das erschreckend aktuelle Stück „Nathan der Weise“ unter strengen Corona-Bedingungen auf. Mit lang anhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum stehend bei den Schauspielern, nur zwei Tage vor der neuerlichen Pandemie-Pause für Kunst und Kultur.

Das Ideendrama „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing aus dem Jahr 1779 hat mit seiner Hauptforderung nach Toleranz der Religionen an Aussagekraft nichts verloren.

Leise Musik, städtische Hintergrundgeräusche und der Blick auf steinerne Mauern eröffneten den Abend, der nach Jerusalem in die Zeit des dritten Kreuzzuges versetzt, als gerade ein Waffenstillstand die Menschen zur Ruhe kommen lässt. In der quirligen Stadt leben Christen, Juden und Muslime, und gehen ihren Geschäften nach.

Der reiche jüdische Händler Nathan, der ob seiner humanistischen Lebenseinstellung „der Weise“ genannt wird, lässt jeden seinen Glauben leben. Er beurteilt Menschen nach ihren inneren Werten und hat ein christlich getauftes Mädchen als Säugling adoptiert. Diese, seine Tochter Recha wird ausgerechnet von einem christlichen Kreuzritter aus dem brennenden Haus gerettet.

Die Liebenden sind Bruder und Schwester

Der Tempelherr verdankt sein Leben der Gnade des Sultans. Er ließ ihn nicht hinrichten, weil der junge Deutsche dem verstorbenen Bruder des Sultans ähnelt. Die beiden jungen Menschen, sie als angebliche Jüdin, er als angeblicher Franke aus dem Hause Stauffen, verlieben sich ineinander. Ihre Liebe als Paar können sie jedoch nicht ausleben, denn nach einigen Wirren stellt sich heraus, dass der Ritter und Nathans Adoptivtochter leibliche Geschwister sind. Ihre Eltern sind Saladins verstorbener Bruder Assad und seine ebenfalls verstorbene Frau, eine Christin aus Franken.

Die überragende Hauptrolle in dem Stück spielte Peter Kremer. Er verkörperte den Nathan wunderbar vielseitig und mit großer Bühnenpräsenz den besonnenen, aufrechten Ruhepol zwischen all den verwirrten und bisweilen fehl geleiteten Mitmenschen.

Tod auf dem Scheiterhaufen?

Dazu gehört die Ziehmutter von Nathans Tochter, die Christin Daja (gespielt von Angelika Auer). Sie achtet Nathan, will aber dessen Tochter und damit sich selbst mit allen Mitteln wieder in das christliche Europa bringen. Noch extremer agiert der Patriarch von Jerusalem (Georg Luibl in einer Doppelrolle auch als Derwisch). Als oberster Führer der Christen in der Stadt verurteilt er Nathans Vorgehen, eine Christin als Jüdin zu erziehen, scharf und droht ihm mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen.

Michel Guillaume als Sultan Saladin mimte den eher bequemen, leicht beeinflussbaren Herrscher und Lebemenschen, der sich, zum Glück besonders für seinen wieder gewonnenen Neffen, gerne von seinen Gefühlen leiten lässt. Saladin zeigt sich so beeindruckt von Nathan, dass er ihm seine Freundschaft anbietet, die dieser gerne annimmt. Nicht nur als gewiefte Schachpartnerin, sondern als Frau mit Blick für die Finanzen, agierte Heike Ternes in der Rolle als des Sultans Schwester Sittah.

Es gibt nicht nur Gut und Böse

Laura Antonella Rauch verkörperte die unschuldige, naive und viel zu leichtgläubige Tochter Recha. Der Tempelherr (jugendlich ungestüm von Alexander Mattheis dargestellt), versteht wie sie im Laufe der Handlung, dass die Welt und die Menschen nicht einfach in Schwarz und Weiß, in Gut und Böse aufgeteilt werden können. Gerade rechtzeitig kann der Klosterbruder (Christian Buse) dank eines Tagebuches von Assad das verwandtschaftliche Geflecht zwischen Christin und Muslimen entwirren.

Stefan Zimmermann, der das seit 2017 laufende Stück inszeniert hat, hielt sich nicht genau an die historische Vorlage. Er strich einige Abschnitte, machte das Stück dadurch schlanker, und ließ Nathan die letzten, versöhnlichen Sätze sprechen. Als ein Symbol dafür, dass es noch Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben der Religionen gibt.

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