Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Ersthelfer-System in der Südwestpfalz aufbauen

Bis professionelle Rettungskräfte zur Stelle sind, können bei einem Notfall wertvolle Minuten vergehen. Die Ersthelfer sollen di
Bis professionelle Rettungskräfte zur Stelle sind, können bei einem Notfall wertvolle Minuten vergehen. Die Ersthelfer sollen diese Lücke schließen. Foto: dpa

Der Kreis will ein System von Ersthelfern aufbauen, die in Notfällen schnell vor Ort sind. Eine App soll prüfen, welcher registrierte Freiwillige am nächsten ist, und diesen gezielt alarmieren. Das soll Leben retten – etwa im Fall eines Herz-Kreislauf-Stillstands, bei dem jede Sekunde zählt.

Wer beruflich eine Ersthelferausbildung hat, soll sich in dem System Katretter registrieren und im Notfall zu Hilfe eilen. Das Alarmierungssystem basiert auf einer automatisierten Positionserkennung der Helfer. Um deren Privatsphäre zu schützen, werden die Daten im Normalbetrieb mit „einer künstlich eingebauten Ungenauigkeit versehen“, so die Verwaltung. Erst wenn es ernst wird, prüfe die App Katretter, wer sich wo befindet und welcher Ersthelfer am nächsten ist.

Der Helfer erhält zunächst nur einen Alarm ohne personenbezogene Daten. Erst wenn er den Auftrag annimmt, kann er Einsatzstelle und Patientendaten einsehen. Die App soll dem Helfer dann den schnellsten Weg zum Einsatzort zeigen. Zum Datenschutz gab es am Montag im Kreistag keine Bedenken. Anderes regte zur Diskussion an. So wollte Heino Schuck (SPD) aus Rieschweiler-Mühlbach wissen, wie die Ehrenamtlichen ausgerüstet werden.

Im Grunde gar nicht, lautete die Antwort von Walter Schwartz, der sich in der Verwaltung um den Katastrophenschutz kümmert. Die Helfer seien für ganz grundsätzliche Erste-Hilfe-Maßnahmen bestimmt, wie Herzmassage, Beatmung oder dafür, den Verletzten in die stabile Seitenlage zu bringen. Sie sollen mit der Rettung anfangen, bis Rettungsdienst und Notarzt da sind. Laut Landrätin Susanne Ganster werden die Ersthelfer ein kleines Täschchen bekommen, in dem sich etwa ein Mundschutz befindet. Mehr Ausrüstung werden sie nicht haben.

Ärzte betreuen Projekt

Zwei Ärzte – Steffen Nirmaier, Chefarzt des St. Elisabeth-Krankenhauses in Rodalben, und Wolfgang Leidecker, Facharzt und Gesellschafter der Hausärztlichen Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) Waldfischbach-Burgalben – übernehmen die medizinische Betreuung des Projekts. Beide sind in der Notfallmedizin erfahren, wie sie im Kreistag berichteten. Sie sollen die Ersthelfer ins System einführen und ihre Qualifikation überprüfen, bevor die Ehrenamtlichen für die App freigeschaltet werden. Dabei geht es zum Beispiel um den Nachweis, dass der Ehrenamtliche vor Kurzem einen Auffrischungskurs in Erster Hilfe absolviert hat.

Als Ersthelfer kommen Ärzte und Arzthelfer, Pfleger, Feuerwehrleute, Rettungsschwimmer und Mitarbeiter des THW infrage. Jemand in dieser Personengruppe sei fast immer näher an einem Notfall als Rettungswagen und Notarzt. Das gelte besonders für die ländliche Südwestpfalz. Auf Nachfrage berichtete Ganster, dass engmaschig überprüft werde, wie schnell der Rettungsdienst bei einem Alarm zur Stelle ist. Gesetzliche Vorgaben würden eingehalten, dennoch komme es in Einzelfällen zur Überschreitung der Rettungsfrist. Auch deshalb seien die Ersthelfer in der Südwestpfalz so wichtig. Eine frühere Reanimation erhöhe die Lebenschancen deutlich.

„Das läuft über Katwarn“

Der Kreistag hat sich einstimmig für das Ersthelfersystem Katretter entschieden, ein Produkt der nicht gewinnorientierten Firma Combi-Risk aus München. Das Fraunhofer-Institut übernimmt die Entwicklung und technische Umsetzung. Das sieht Walter Schwartz als Vorteil: Bei der Arbeit des Fraunhofer-Instituts am System beobachte man „gute Entwicklungsfortschritte“. Geprüft wurde auch der Einsatz des Konzepts Mobile Retter. Die Verwaltung empfahl aber Katretter, das für die Südwestpfalz Vorteile biete. „Das läuft über Katwarn“, erklärte Ganster, die App, die die Bevölkerung bei Katastrophen warnt und im Landkreis bereits verwendet wird. Das macht die Sache auch billiger: Weil der Kreis Katwarn bereits benutzt, halbieren sich die einmaligen Kosten für die Einführung von Katretter auf knapp 9000 Euro. An jährlichen Betriebskosten fallen knapp 1800 Euro an. Das System passe zudem zur Technik der Leitstelle.

Andreas Wilde (SPD), der hauptberuflich Notfallsanitäter ist, drängte auf die schnelle Umsetzung: „Wir müssen da viel mehr Gas geben.“ Immerhin seien anderthalb Jahre vergangen, seit der Kreis grundsätzlich beschlossen hatte, ein Ersthelfersystem aufzubauen. Bis zum Startschuss dürfte es Sommer werden, berichtete Schwartz. Anfang des Jahres soll der Vertrag mit Combi-Risk abgeschlossen werden. Im März und April solle es Infoveranstaltungen unter anderem für Hilfsorganisationen geben, wo der Kreis um Ersthelfer wirbt, die in der Folge geschult werden.

Keine Konkurrenz für Profis

Dem Kreis zufolge hat auch die Stadt Pirmasens signalisiert, dass sie Katretter einsetzen will. Die Einführung bei der Leitstelle Ludwigshafen, die auch Frankenthal, Speyer, Neustadt sowie die Landkreise Bad Dürkheim und Rhein-Pfalz abdeckt, stehe ebenfalls bevor. In Zweibrücken ist die Zustimmung Ganster zufolge noch verhalten: Man sei noch dabei, das System zu prüfen.

Ganster betonte mehrfach, dass die freiwilligen Ersthelfer „eine Ergänzung zur bestehenden Rettungskette“ seien und weder den professionellen Rettungskräften noch den First Respondern Konkurrenz machen sollen. Zudem sei der Einsatz „beschränkt auf wenige, aber medizinisch wichtige Notfälle“ – ein eingeklemmter Finger rufe noch keine Ersthelfer auf den Plan.

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