Klingenmünster RHEINPFALZ Plus Artikel Erstaufführung: Brigitte Urhausen als unheilige Johanna

Schauspielerische Extremleistung: Brigitte Urhausen als unheilige Johanna.
Schauspielerische Extremleistung: Brigitte Urhausen als unheilige Johanna.

Das Stück „Die unheilige Johanna von Orléans“, eine deutsche Erstaufführung, hängt von der Kunst einer Frau ab: Brigitte Urhausen. Auf Burg Landeck geht sie an ihre Grenzen.

Oberflächlich gesehen ist die „unheilige Johanna“ die Geschichte einer Hochstaplerin. Sie wird in manchen alten Überlieferungen erzählt. Der luxemburgische Autor Rafael David Kohn hat die Legende aufgegriffen und zu einer Parabel von Macht und Krieg, von Mut und weiblicher Selbstbehauptung fortgeschrieben. Nach der Uraufführung in Luxemburg bekam die Kulturinitiative Winzergasse Gleiszellen die Chance, das Stück unter der Regie von Sara Görres auch auf die Bühne zu bringen. Die Beteiligten kennen sich und haben schon oft hochrangige Theaterkultur in die Südpfalz geholt.

Darum geht es in dem Drama: Drei Jahre nachdem Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden ist, taucht eine Frau auf, die ihr ähnlich sieht. Jeannes Brüder, die von dem Renommee und dem Adelstitel ihrer berühmten Schwester profitieren wollen, bestätigen ihre angebliche Identität. Die „Unheilige“ wird schnell zu einem Machtfaktor, sie trägt Männerkleidung, mischt sich politisch ein, führt selbst ein Söldnerheer. Inquisitoren interessieren sich für sie, wollen sie in ihrem Sinn benutzen.

„Nur, wenn er mich bestätigt, bin ich wahr“

Sie wohnt bei der Herzogin von Luxemburg, heiratet und bekommt Kinder. Doch dann will der französische König Karl VII., den Jeanne d’Arc einst krönte, die Wiedergängerin sehen. Wird er sie durchschauen? „Nur wenn er mich bestätigt, bin ich wirklich wahr“, bangt sie. Hier setzt der einstündige Monolog an, den man auf der Landeck miterleben kann.

Eindrücke von der Generalprobe, die bei kühlem Wind unter grauen Wolken ablief: Brigitte Urhausen als unheilige Johanna vollbringt auf der großen Bühne im Burghof eine schauspielerische Extremleistung. Das gesamte Gefühlsspektrum der legendären Gestalt ist zu erleben – von Stolz auf die Freiheiten, die sie sich nimmt, über Verachtung für die Mächtigen bis hin zu tiefster Verzweiflung wegen ihrer doppelten Identität. Johanna, die eigentlich Claude heißt, wirkt mal selbstbewusst, mal wahnhaft. Sie ist Herrscherin und Opfer. Sie hasst den Krieg, den sie selbst befeuert.

Unglaubliche schauspielerische Intensität

Die Darstellerin spielt mit einer unglaublichen Intensität. Ihr Blick ist durchdringend und scheint zu sagen: Auch du bist gemeint. Aber auch körperlich ist Brigitte Urhausen gefordert, vermutlich bis zur Erschöpfung. Das Bühnenbild, entworfen von ihrem Mann Jörg Brombacher, zeigt einen hohen stilisierten Scheiterhaufen auf Rebknorzen, teilweise verhängt mit weißen Stoffbahnen. Im ebenen Bereich ein Wasserlauf. Ringsherum stehen Benzinkanister. Urhausen im dünnen, gegen Ende blutverschmierten Hemdchen wälzt sich im Wasser, erklimmt schreiend den Scheiterhaufen, steht zitternd im Wind. Man leidet mit ihr, auch in dieser Hinsicht.

Eine sensible Beleuchtung mit starken Hell-Dunkel-Effekten und einem blutroten Schlusspunkt scheint den Monolog der Unheiligen zu kommentieren. Zurückhaltend, kaum mehr als ein Hauch, ist die musikalische Begleitung durch das Jazztrio von Pianist Adrian Rinck, Bassist Jan Kappes und Schlagzeuger Julian Losigkeit.

Wer in Geschichte kein Einserkandidat war, hat zeitweise etwas Schwierigkeiten, die historischen Zusammenhänge im Frankreich des 15. Jahrhunderts einzuordnen. Das beeinträchtigt das Theatererlebnis aber nicht, denn der intensive Monolog der unheiligen Johanna, die Erzählung von weiblicher Freiheit und Abhängigkeit, fesselt bis zuletzt.

Termine

„Die unheilige Johanna von Orléans“ ist Freitag und Samstag auf Burg Landeck zu sehen. Einlass ab 17.30 Uhr. Ab 18 Uhr gibt es Essen aus der Burgküche und Wein von den Winzerbetrieben Frank Meyer und Porzelt. Die Band spielt ab 20 Uhr und das Stück beginnt gegen 21.30 Uhr. Die Zufahrt zur Burg ist gesperrt, ein Shuttle-Service bringt Besucher hinauf. Es sind noch einige Karten zu haben, die man – inklusive oder ohne Essen – bei Reservix bestellen oder an der Abendkasse erhalten kann.

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