Eisenberg
Eisenberg: Und plötzlich war das Wäldchen weg
Ordentlich aufgereiht liegen die Stämme auf einem Gelände hinter dem Eisenberger Bahnhof. Kahlschlag zwischen Oerlikon und EKW, ein ganzes Gelände wurde gerodet. „In Zeiten, in denen von Klimaschutz gesprochen wird, wird ein ganzer Wald abgeholzt“, empören sich Leser der RHEINPFALZ. Verantwortlich für die Aktion: die Deutsche Bahn AG, der das Gelände auch gehört.
Die Verwaltung sei mehrfach von Bürgern, die sich über die Abholzung beschweren wollten, angerufen worden, informiert Bauamtsleiter Lothar Görg von der Verbandsgemeinde Eisenberg. „Wir waren nicht involviert und wussten im Vorfeld nicht, dass die Bahn hier aktiv werden will“, sagt er auf Anfrage der RHEINPFALZ und verweist an die Kreisverwaltung, wo die Untere Landespflegebehörde sich mit der Sachlage beschäftigt hat. Dort ist Susanne Faust zuständig. „Über die Abholzung wurden wir auch erst in Kenntnis gesetzt, als die Maßnahme schon gelaufen war. Die Bahn hat auf einem Gelände von rund 4500 Quadratmetern, das ihr Eigentum ist, alle Bäume fällen lassen.“ Wenn eine Fläche, die weniger als 5000 Quadratmeter umfasst, gerodet werde, dann sei das zunächst erst einmal genehmigungsfrei, so die Behördenvertreterin.
Dennoch hält Faust das Vorgehen der Bahn für unsensibel. „Die Maßnahme wurde vom sogenannten Fahrwegsdienst der Bahn ausgeführt“, gibt Faust zu Protokoll. Sie habe mit der Bahn Kontakt hergestellt und darum gebeten, dass das Unternehmen künftig bei solchen Rodungen die Kreisverwaltung – bei der auch zahlreiche Beschwerden von Bürgern aufgelaufen sind – ins Boot nimmt, um Ärger zu vermeiden. Faust erläutert auch, dass im Landeswaldgesetz vorgeschrieben ist, nach Kahlschlägen dieser Art eine Wiederaufforstung vorzunehmen.
Die Bahn nimmt Stellung
Die RHEINPFALZ hat – nachdem Leser sie über den Kahlschlag in Kenntnis gesetzt hatten – bei der Bahn nachgefragt, warum das Gelände gerodet wurde und wollte auch wissen, ob das Unternehmen plant, das Areal zu vermarkten oder sogar zu bebauen. Ein Sprecher des Unternehmens hat jetzt schriftlich Stellung genommen: Im Rahmen gesetzlicher Vorgaben trage die Deutsche Bahn Sorge, dass Zugfahrten auf der Schiene verlässlich durchgeführt werden können. Deshalb gelte es, die Vegetation im direkten und weiteren Umfeld der Gleise im Blick zu behalten und bei Bedarf tätig zu werden, wird die Stellungnahme eingeleitet.
Der Vegetationsrückschnitt sei nach guten forstwirtschaftlichen Vorgaben erfolgt, so die Bahn weiter, wobei auch in Eisenberg Belange des Natur- und Umweltschutzes berücksichtigt worden seien. Der Baumbestand am Bahnhof sei von Weichlaubhölzern dominiert gewesen, deren Löwenanteil sich bereits am Ende der biologischen Altersgrenze befand. Darüber hinaus seien einzelne Bäume bereits zusammengebrochen. Eine Fällung sei deshalb notwendig gewesen. Die Bahn habe sich an den gesetzlich vorgegebenen Zeitraum außerhalb der Brutzeiten gehalten.
Eine Wiederbewaldung finde, wie durchs Landeswaldgesetz Rheinland-Pfalz geregelt, im Rahmen der natürlichen Sukzession statt. Will heißen, dass die Bahn zwar nicht aufforsten wird, aber auf dem Gelände einen natürlichen Bewuchs zulassen wird. Ein Verkauf des Geländes oder eine anderweitige bauliche Nutzung seien aktuell übrigens nicht geplant, schreibt der Unternehmenssprecher in seiner Stellungnahme.