Kultur Südpfalz Einbrüche bei Jugend musiziert

Fritz Grimm (Klavier) und Linda Orschel (Querflöte) aus Germersheim holen einen ersten Preis.
Fritz Grimm (Klavier) und Linda Orschel (Querflöte) aus Germersheim holen einen ersten Preis.

Die neunjährige Paulina Martin hat für ihre erste Teilnahme am Wettbewerb Jugend musiziert ihr Lieblingskleid mit viel Tüll angezogen. Das Mädchen aus Waldhambach, das seit ihrem vierten Lebensjahr Violine lernt, ist mit ihren Eltern Sandra und Michael und ihrer Schwester Luna am Sonntag schon früh nach Germersheim gekommen: zum Regionalentscheid, der in der Städtischen Musikschule ausgetragen wird. Jedes Jahr kommen andere Instrumentengruppen an die Reihe. Die Disziplinen diesmal: Streicher-Solisten, Gesang, Duos aus Klavier und Blasinstrument und Gesangsensembles. Paulina tritt als zweite Violinistin kurz nach 9 Uhr vor die vierköpfige Jury und einige Zuhörer. Mit ihren beiden Stücken, dem Marsch D-Dur Allegro moderato von Bach und Auszügen aus dem Konzert h-Moll op. 35 von Oskar Rieding, begeistert sie das Auditorium. Die Jury belohnt sie mit 25 Punkten: der höchsten Punktzahl. Da sie noch so jung ist, wird sie dennoch nicht zum Landeswettbewerb weitergeleitet. Organisiert wird der Germersheimer Wettbewerb von Gisela Krieg-Hildebrand. Am Rande des ruhigen, aber dennoch quirligen Treibens im Hufeisen, begleitet von Musik, die aus dem Konzertsaal klingt, berichtet sie von schwindenden Teilnehmerzahlen bei dem Wettbewerb, den es seit Jahrzehnten gibt. „Es wird tatsächlich weniger“, in diesem Jahr hätten sich nur knapp 60 Nachwuchsmusiker angemeldet. Deshalb findet der Wettbewerb nur noch an einem Tag statt. In den vergangenen Jahren mussten die Vorspiele angesichts des riesigen Einzugsgebiets auf zwei Tage verteilt werden. „Wir in Germersheim stehen noch relativ gut da. In Städten wie Kaiserslautern und Ludwigshafen gehen die Teilnehmerzahlen noch viel stärker zurück“, sagt Krieg-Hildebrand. Grund dafür sei sicherlich die Zunahme vom Ganztagsangeboten in Kitas und Schulen. Den Kindern bleibe weniger Zeit für Unterricht und das nötige Üben. Sie sieht auch die strengen Abholzeiten kritisch. Ohne Eltern, die sich für den Instrumentenunterricht ihrer Kinder extrem engagierten, gehe es nicht mehr. Wenn aber immer weniger Kinder ein Instrument oder Gesang lernen, werde die Auswahl an guten Musikern immer kleiner. „Das sind düstere Aussichten für die Kultur in unserem Land!“, ist Krieg-Hildebrand besorgt. Sie freue sich deshalb umso mehr, dass sie „heute schon Kinder gehört habe, die irre gut spielen“. Sinn des Wettbewerbs sei, dass die jungen Menschen lernen, sich und die Musik öffentlich zu präsentieren und sich davor mit Disziplin und Ausdauer auf den Tag vorbereiten. Matthias Wöschler, diplomierter Klavierlehrer aus Steinweiler, stimmt ein. Er kenne Schulen, an denen musische Fächer an den Rand gedrängt würden. Es kämen angeblich wegen zu geringer Nachfrage keine Musikleistungskurse zustande. Und Schülern, die außerhalb der Schule ein Instrument lernen, werde wenig Verständnis entgegengebracht. Vera Schweizer aus Neustadt will sich heute mit der Violine präsentierten. Lange bevor sie an der Reihe ist, spielt sie sich in einem Übungsraum warm. Konzentriert geht sie mit ihrer Lehrerin und der Klavier-Begleiterin schwierige Abschnitte durch. Im Prüfungsraum beginnt sie sofort ohne Ansage ihren Vortrag, für den sie auch „Die hungrige Katze“ von Isang Yun ausgesucht hat. Sie meistert alle schnellen Läufe. Am Ende des beeindruckenden Vorspiels, das die Jury mit 24 Punkten und der Teilnahme am Landeswettbewerb belohnt, zeigt Vera ein zaghaftes Lächeln. Während noch die Instrumentalvorspiele laufen, erklingen zwischen den Gewölben des Hufeisens die ersten Töne der Sänger, die nachmittags an der Reihe sind. Spät, nach 20 Uhr, werden alle Ergebnisse veröffentlicht. Nur wenige Teilnehmer sind geblieben, die meisten rufen die Ergebnisse lieber daheim im Internet ab. Erste Preise —Violine solo: Paulina Martin (aus Waldhambach), Leander Hennes Resch (Barbelroth), Charlotte Dreißigacker (Landau, zugelassen zum Landeswettbewerb), Franziska Kammann (Steinweiler), Océane Ratcliffe (Oberhausen), Alyssa Sophie Knoll (Wörth-Büchelberg, Landeswettbewerb). —Cello solo: Vincenza Strack (Edesheim), Hans Schröck (Lingenfeld, Landeswettbewerb). —Kontrabass solo: Jonathan Oesterling (Westheim, Landeswettbewerb). —Gesang (Pop): Annika Becker (Ottersheim, Landeswettbewerb), Sena Engin (Germersheim, Landeswettbewerb), Leoni Redmann (Germersheim, Landeswettbewerb), Magali Pascucci (Germersheim, Landeswettbewerb), Clara Schardt (Leimersheim, Landeswettbewerb), Janina Steinbach (Schwegenheim, Landeswettbewerb), Viktoria Urich (Germersheim, Landeswettbewerb), Naomi Voß (Lustadt, Landeswettbewerb), Luisa-Marie Gsell (Knittelsheim, Landeswettbewerb). —Duo Klavier mit Holzblasinstrument: Anastasia Pihureac (Querflöte, Annweiler) mit Ferdinand Daum (Klavier, Landau), Linda Orschel (Querflöte, Germersheim) mit Fritz Grimm (Klavier, Germersheim), Alina Geißert (Querflöte) mit Marlene Antoni (Klavier, beide Landau), Lotte Klempt (Querflöte) mit Leo Klempt (Klavier, beide Landau), Silke Becker (Querflöte) mit Johanna Klocke (Klavier, beide Landau, Landeswettbewerb), Cosima Pietraß (Querflöte) mit Moritz Pietraß (Klavier beide Landau, Landeswettbewerb), Lea Schumacher (Querflöte) mit Sophia Loos (Klavier, beide Landau, Landeswettbewerb). —Gesangsduo: Eliana Schmidt (Westheim) mit Katharina Finger (Mannheim, Landeswettbewerb). —Begleitung: Jacob Klocke (Klavier, Landau).

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