Rheinpfalz Einbahnstraße? Egal!
Seit Anfang September ist die Durchfahrt in der Hauptstraße von Busenberg wegen der dortigen Straßenbauarbeiten voll gesperrt. Für den Durchgangsverkehr ist eine Umleitungsstrecke über Niederschlettenbach eingerichtet. Doch im Ort wächst der Unmut über uneinsichtige Fahrer, die Tempolimit und Verbotsschilder nicht beachten.
Aus Richtung Erlenbach passiert man bereits vier Schilder mit „Verbot für Fahrzeuge aller Art“, dazu zwei Absperrbaken auf der Fahrbahn. Die gleichen Verkehrszeichen sind aus Richtung Dahn aufgestellt. Auch der Hinweis auf die Umleitung ist klar ausgeschildert. In der Hauptstraße in Busenberg stehen wir an der Einmündung Talstraße vor einer Absperrung über die ganze Straßenbreite. Ab hier geht nichts mehr. Gleich hinter der Sperre arbeitet ein Bagger – die Bauarbeiten sind in vollem Gange. Bei der Einmündung hat die Bäckerei Busch ihr Café. Wie kommen die Mitarbeiter mit der Baustelle klar? Die Damen berichten, dass viele auswärtige Fahrzeuge in die Baustelle fahren. „Die fahren bis an die Absperrung, sehen dann, dass es tatsächlich nicht mehr weitergeht, und wenden. Von zehn Fahrzeugen sind bestimmt acht von außerhalb“, schätzen sie. Da versuchen manche, durch die Baustelle zu fahren. „Nicht wenige fahren entgegen der Einbahnstraße weiter. Manchmal stehen sogar Lkws vor der Absperrung, dann wird es eng. Schon zweimal musste die Polizei feststeckende Lastwagen herauslotsen.“ „In unserer Wohnstraße hat der Verkehr stark zugenommen“, berichtet eine Dame an einem Tisch. „Das Hauptübel: Die meisten fahren zu schnell. Ich befürchte, dass es nicht lange dauert, bis es dort mal kracht.“ Sie habe auch mitbekommen, dass ein verirrter Lkw beim Wenden einen Zaun nahe der Feuerwehr beschädigt habe. Am schlimmsten sei das Verkehrsaufkommen nach Feierabend. „In der Eichelbergstraße parken mache Anwohner schon bewusst ihre Autos auf der Straße, um die Geschwindigkeit zu bremsen.“ Das mit der Einbahnstraße scheint unglaublich. Aber auch hier ist die Beschilderung eindeutig. Eine Stunde lang beobachte ich den Verkehr. Zunächst läuft der normale Baustellen-Wahnsinn ab: Fahrzeuge fahren widerrechtlich in die Baustelle, stellen fest, „da ist tatsächlich kein Durchkommen“, und wenden wieder. 15.50 Uhr: Ein weißer Lkw mit Kreuznacher Kennzeichen fährt in die Baustelle. Fast in einem Zuge fährt er in die Talstraße durch, entgegen der Einbahnstraße, und ignoriert sämtliche Schilder. Dann kommen ihm vier Pkws entgegen, mit auswärtigem Kennzeichen. Mit deren Rücksicht gelingt dem Lkw die komplette Durchfahrt. 15.55 Uhr: Ein dunkler Pkw mit Berliner Kennzeichen fährt entgegen der Einbahnstraße. 16.02 Uhr: Ein roter Lkw mit HOM-Kennzeichen benutzt ebenfalls die Einbahnstraße in falscher Richtung. 16.08 Uhr: Ein Krad-Fahrer mit PS-Kennzeichen fährt zielstrebig in falscher Richtung durch die Talstraße. 16.16 Uhr: Ein Pkw mit PS-Kennzeichen fährt erst verbotenerweise gegen die Einbahnstraße ein, biegt dann in der Talstraße entgegen der Verbote auf den Bäckerei-Parkplatz, um gleich darauf entgegen der dortigen Einbahnstraßenregelung wieder auf die Hauptstraße zu fahren. Wir gehen die Talstraße lang und treffen Anwohner Siegfried Köhler. Auch er kreidet an, dass viel zu schnell gefahren werde. „In der Talstraße wohnen schließlich auch Kinder, das ist ganz gefährlich“, stellt er fest. Und: „Wenn ich rückwärts aus der engen Hofeinfahrt fahre, muss ich jetzt trotz Einbahnstraße und wegen der Verkehrssünder nun beide Richtungen im Auge behalten. Dadurch ist es schon dreimal zu brenzligen Situationen gekommen.“ Weil die Talstraße auch von schweren Lkws benutzt werde, befürchtet Köhler, dass die erst vor einem Jahr neu gebaute Straße bald beschädigt sein könnte. Wir haben das Gespräch noch nicht beendet, als um 16.37 Uhr ein Mercedes mit SÜW-Kennzeichen entgegen der Einbahnstraße angefahren kommt. Verlegen hält der Herr an und fragt nach dem Weg nach Schindhard. Wir verweisen ihn auf die beschilderte Umleitung – und er fährt weiter. Zwei Häuser weiter wohnt Karin Burkhart in der Talstraße. Sie bestätigt den Eindruck, dass viel gegen die Einbahnstraße gefahren und „gerast“ werde. Ihre Garage stößt direkt an den Straßenrand, die Sicht ist eingeschränkt. Auch sie muss nun noch die Verkehrssünder bedenken. „Das war manchmal schon gefährlich“, sagt sie. In der Eichelbergstraße treffen wir Anliegerin Brigitta Geiger-Spieß. Auch sie prangert die zu hohe Geschwindigkeit und den Durchgangsverkehr an. Da es keinen Bordstein gebe, würden viele über den Gehweg fahren. Zwar gebe es eine Tempo-30-Zone, aber dort müsste ein Wiederholungsschild darauf hinweisen. Die lange gerade Straße verleite zum schnellen Fahren. Zu gefährlichen Situationen sei es bereits gekommen. Da die Einmündung zur Hauptstraße im spitzen Winkel verlaufe, werde dort oft die Kurve geschnitten. Ortschef Christof Müller kennt die Lage genau. „Wir haben durch die Baustelle ein erhöhtes Verkehrsaufkommen im Ort.“ Möglicherweise trage die Nutzung von Navi-Geräten dazu bei. Ein großes Problem sei die zu hohe Geschwindigkeit in der Eichelbergstraße und bei der Grundschule. Die Beeinträchtigungen durch die Baustelle ließen sich jedoch nicht vermeiden. „Die Polizei ist sehr oft präsent und ich bin dankbar darum. Ich kann auch verstehen, dass Anwohner ihr Fahrzeug auf der Straße parken. Man sollte jedoch bedenken, dass es an diesen Stellen zu Problemen mit den Bussen kommen kann, und die Feuerwehr muss ebenfalls durch. Deshalb prüfen wir derzeit dort ein einseitiges Haltverbot.“ Wegen des Durchgangsverkehrs bittet er die Anwohner, nicht überzureagieren, und verweist darauf, dass auch Geschäftsleute und Gäste mit fremdem Kennzeichen im Ort wohnen.