Rheinpfalz Ein Stück persönliche Freiheit gewonnen

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HÖHEINÖD. Wenn im November der neue Heimatkalender erscheint, ermöglicht dieser einen Blick zurück in die westpfälzische Sportgeschichte. Der Handball hat es Klaus Anstätt aus Höheinöd angetan. Früher selbst aktiv, in erster Linie als Feldhandballer, hat er die Zeit genutzt, die er zwischenzeitlich als Rentner hat, und sich näher mit der Geschichte des Handballs in der Westpfalz befasst. Eine Zusammenfassung seiner Ergebnisse wird im Heimatkalender nachzulesen sein.

Geschichte interessiert den 65-Jährigen grundsätzlich. Dass er die Geschichte mit dem Sport, den er ausgeübt hat, zu einem sportgeschichtlichen Thema verbinden konnte, hat ihm umso mehr Spaß gemacht. Auch weil der ein oder andere Kontakt zu früheren Handballern wiederbelebt wurde. „Ich erinnere mich ja gerne an die Zeit, als wir sonntags unterwegs waren, um Handball zu spielen“, sagt Anstätt. Der Sport an sich habe ihm viel Spaß gemacht, „aber es war ja für uns auch eine gute Gelegenheit, mal von zu Hause wegzukommen. Man kam aus dem Dorf raus. Das war ja früher ganz anders als heute“, verrät er, dass Handball spielen für ihn und viele seiner Handballkameraden ein Stück persönliche Freiheit war. 1960 wurde er Mitglied des TV Höheinöd, betrieb Leichtathletik und spielte Feldhandball. Auf dem Großfeld, wie es damals üblich war. Aber auch in Deutschland, wo Feldhandball-Länderspiele in den 1950er- Jahren schon mal bis zu 40.000 Zuschauer ins Stadion gelockt hatten, wurde immer öfter Hallenhandball gespielt. Diesen Wandel hat Anstätt miterlebt. Als es in Waldfischbach-Burgalben noch nicht die Bruchwiesenhalle gab, deren Bau etliche Handballerfolge in der Region ermöglichte, „durften wir vom TV Höheinöd in Zweibrücken bei der VT Zweibrücken trainieren“, erinnert sich Anstätt. Gute Beziehungen zum früheren Amtsgerichtsdirektor Ernst Anstett, der damals VTZ-Vorsitzender war, ursprünglich aus Höheinöd stammte, machten es möglich. An Klaus Anstätt hätte die VTZ auch Interesse als Spieler gehabt. Fahrtechnisch für ihn kein Thema. Einmal wechselte er allerdings zum TV Pirmasens. Bis 1982 spielte er Handball. „Das war eine super Zeit“, erinnert er sich. In der Folge erlebte er den schleichenden Niedergang des Handballs in der Westpfalz mit, der immer drastischere Ausmaße annahm. Die offenbart der Blick auf Anstätts Aufzeichnungen, die er mit „Handball damals …“ überschrieb. „In erster Linie habe ich mich auf die Zeit konzentriert, als noch Feldhandball gespielt wurde“, sagt er. Immerhin 21 Vereine – der SV 64 Zweibrücken ist nicht aufgeführt, da er von Beginn an zum saarländischen Handballverband gehörte – unterhielten in den Hochzeiten Handballabteilungen. Es spielten Herren-, später auch Damen- und Jugendteams. Von Kusel über Hütschenhausen bis Kaiserslautern und Landstuhl, rüber nach Zweibrücken und runter bis Dahn wurde in der Westpfalz Handball gespielt. Diese Tatsache wurde aus seiner Sicht in dem Buch von Günter Flohn, „Volkssport Handball – die Chronik des Pfälzer Handballs“ nicht ausreichend gewürdigt. Bei einem Telefonat mit Flohn erfuhr Anstätt, dass das unter anderem daran gelegen habe, dass es wenig Material über den westpfälzischen Handball gegeben habe. „Das war für mich der Auslöser, mich mal genauer damit zu befassen“, sagt der Höheinöder. Er reaktivierte alte Kontakte, schrieb Vereine an, bat um Material. Das wurde ihm reichlicher als erwartet überlassen. Bilder aus den 1930er-Jahren, teils ganze Orts- und Vereinschroniken bekam er, als er sein Anliegen bei den Vereinen publik gemacht hatte. Die Materiallage war höchst unterschiedlich. Was er an Informationen bekam, fasste Anstätt zusammen, für jeden einzelnen Verein. Nicht selten musste er die Aufzählung von Erfolgen, kurzen Einblicken in die Handballgeschichte der Vereine mit Sätzen schließen wie: „Aus heutiger Sicht ist es mehr als unwahrscheinlich, dass diese Sportart nochmals aufleben wird.“ Das gilt zum Beispiel für den TV Höheinöd, wo die Handballabteilung, viele Jahre die mitgliederstärkste Abteilung im Verein, 1998 aufgelöst wurde. „Schade“, bedauert Anstätt die Entwicklung. Wenn er sich heute Handballspiele anschaut, dann meist beim TV Thaleischweiler, einem der westpfälzischen Traditionsvereine. Auch weil dort seine Neffen Dominik und Jens Schweizer spielen. (add)

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