Rheinpfalz Ein „Kerwepfarrer“ der etwas anderen Art

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Herschberg. Präparanden? Nein, dafür waren sie zu alt. Messdiener? Nein, doch nicht bei einem protestantischen Gottesdienst. Die Straußbuwe und -mäd waren es, die bereits am Sonntag vor der Herschberger Kerwe brav die Kirchenbank drückten. Und nicht etwa ein oder zwei, die es vielleicht öfter in den Gottesdienst verschlägt – nein, gleich 15 junge Menschen lauschten der Predigt von Pfarrer Otto Müller.

So mancher Kirchgänger fragte sich wohl, was die Herschberger Straußbuwe und -mäd sonntags in der Früh zum Gottesdienst treibt, noch dazu, wo der geschmückte Straußfahrthänger zur Abfahrt bereit stand. Pfarrer Otto Müller indes war eingeweiht und hatte eine kleine Lehrstunde vorbereitet, ehe die Straußjugend zum traditionellen Werben in die umliegenden Dörfer aufbrach. Doch zunächst zurück zur Frage, was der Auslöser des gemeinsamen Kirchenganges war. Man könnte sagen, schuld war der schnöde Mammon, das Geld. Diese Erklärung würde allerdings zu kurz greifen. Schließlich ist eine Kerwe teuer und will finanziert werden. Deswegen sucht die Straußjugend Sponsoren im Ort. Volker Sprau ist einer von ihnen. Doch in diesem Jahr knüpfte er seine finanzielle Wohltat an eine Bedingung: An der Kerwe sollten die Straußbuwe und -mäd in der Kirche erscheinen. „Jetzt waren sie zwar eine Woche vorher da, aber besser früher als nie“, hieß es im Nachhinein. Der Hintergrund: Die Kerwe oder Kirchweih ist ursprünglich ein kirchliches Fest. Doch das scheint heute in Vergessenheit geraten zu sein. Und auch unabhängig davon sind die Bänke vieler Kirchen immer häufiger leer. Und hier kam nun Gemeindepfarrer Otto Müller ins Spiel. Auch wenn der Gottesmann erst nicht so recht glauben wollte, dass die Straußbuwe und -mäd tatsächlich erscheinen, willigte er ein, seine Predigt dem Anlass anzupassen. Die Kirchweih stand im Mittelpunkt. „Er hat erklärt, warum man eigentlich Kirchweih feiert. Und, dass beispielsweise auch in Dörfern Kerwe gefeiert wird, die gar keine Kirche haben“, sagt Straußmäde Larissa Anstätt. Und, liebe Leser, wer sich jetzt fragt, warum das komisch sein soll, der hätte wohl besser mal der Predigt von Pfarrer Müller gelauscht. „Im Endeffekt war’s super – und lehrreich“, zieht folglich Anstätt Bilanz. Und obwohl ihr durchaus klar war, was es mit der Kerwe so auf sich hat, wurde manchem ihrer Mitstreiter erst bei der Predigt des Pfarrers bewusst, was da über vier Tage gefeiert wird. Gelohnt hat sich der morgendliche Gottesdienstbesuch für die Straußbuwe dann auch nicht nur aus geschichtlicher Sicht. Zur versprochenen Spende gab es nämlich von Familie Sprau noch zwei Kästen Bier für die Straußfahrt obendrauf. Und im nächsten Jahr? Da plant die Straußjugend wohl einen weiteren Kirchengang. Denn dann geht auch Pfarrer Müller in den Ruhestand. Die meisten Straußbuwe und -mäd hat er einst getauft. Das wäre es also eine gute Möglichkeit, noch einmal im Gottesdienst vorbeizuschauen. Die Herschberger Straußjugend weiß also nicht nur, warum man Kerwe feiert, sondern wohl auch, was sich gehört. Und wo Pfarrer Müller doch schon die Straußbuwe und -mäd getauft hat, hoffen diese, so hört man aus Kreisen der Kirchgang-Initiatoren, dass Müller im nächsten Jahr vielleicht auch ihren Strauß taufen wird.

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