Rheinpfalz Ein Berufsbild mit hoher Dynamik

Die Auswahl an Ausbildungsberufen – auch in der Pfalz – ist sehr groß. Die Serie Beruf mit Zukunft gibt einmal pro Monat Einblicke in einige dieser Berufsbilder: Auszubildende berichten dabei aus der täglichen Praxis. Im Vordergrund stehen relativ neue Berufsbilder, solche, deren Tätigkeitsfeld und Name mehrfach geändert wurden, sowie eher außergewöhnliche Berufe.
Rund 40 Ausbildungsberufe hat die BASF am Standort Ludwigshafen und im BASF Ausbildungsverbund in ihrem Portfolio. Die Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik sind dabei etwas ganz Besonderes. „Die bilden wir nach einer direkten Abfrage in unseren Betrieben aus“, erklärt Ausbilder Michael Haas. Nur vier der Auszubildenden, die im September ihre Ausbildung beim Chemie-Weltmarktführer in Ludwigshafen begonnen haben, lernen den Umgang mit Kunststoffen kennen, fertigen Bauteile, rüsten Spitzgußmaschinen mit Spezialwerkzeugen aus. Dann werden aus winzigen Granulatkörnern ganze Kunststoffteile gefertigt, die noch geprüft und veredelt werden müssen. Sergio Medronheira ist einer dieser fünf „Exoten“ aus dem Jahrgang 2013, die darin ausgebildet werden, die technische Arbeit eines Verfahrensmechanikers in der Bedienung der Maschinen mit den Fertigkeiten eines Kochs bei der Mischung von Kunststoffrezepturen zu vereinen. Und das sogar gleich im doppelten Sinne, denn mit seinen 28 Jahren ist der Neustadter den Ausbildern im Alter manchmal näher, als seinen Mit-Lehrlingen. „Ich habe zunächst einmal Maurer gelernt und auch in diesem Beruf gearbeitet. Anschließend habe ich mein Fachabitur nachgeholt und mich erst nach ein paar Semestern an der Hochschule für diesen Beruf entschieden“, erklärte der Neustadter. Und er sagt auch: „Wenn ich den Beruf des Verfahrensmechanikers für Kunststoff- und Kautschuktechnik schon vor zwölf Jahren gekannt hätte, dann hätte ich die Ausbildung gleich nach meiner Mittleren Reife begonnen.“ Mit gutem Grund: „Ich arbeite gerne handwerklich und Kunststoff ist als Werkstoff unheimlich vielseitig“, erklärte Medronheira die Vorzüge seines Wunschberufs, den er erst über Umwege kennenlernte. „Aber dann habe ich mich informiert und habe spätestens nach meinem Betriebspraktikum festgestellt, dass ich hier richtig bin.“ Gefallen habe ihm in seinen beiden ersten Lehrjahren alles. Auch der Blockunterricht an der Berufsbildenden Schule in Ludwigshafen, wo immerhin 17 weitere Verfahrensmechaniker in seiner Klasse sind. Eine Spezialisten-Klasse, wie in Pirmasens gebe es in Ludwigshafen allerdings nicht. „Aber am meisten Spaß macht der Apparatebau. Das ist die kreativste Tätigkeit.“ Schon in seinem zweiten Lehrjahr stellt Mendronheira hierfür in der Werkstatt Bauteile her, die er dann später in den Betrieben montiert. Dies gehört zur Ausbildungsphilosophie: „Wir vermitteln in der Lehrwerkstatt in drei Monaten die Grundlagen, und dann müssen die Leute raus auf die Baustellen in den Betrieben“, erklärt Ausbilder Michael Haas. Vor Ort sei die Verbindung der Grundvoraussetzungen: handwerkliches Geschick, räumliches Vorstellungsvermögen und Teamfähigkeit, und Improvisationsvermögen, am besten lernbar. Diese gelten im Übrigen für alle der sieben Fachrichtungen, vom „Bauteiler“, der – bis auf den Unterschied im Werkstoff – dem Berufsbild des Schreiners ähnelt, über den „Formteiler“, der eher in der Bedienung der Maschinen benötigt wird, bis hin zur „Compound- und Masterbatchherstellung“. Dies ist der Bereich der „Kochkünste“. Hier werden Verbundstoffe und Farbgranulate nach den Kundenwünschen zusammengestellt. Doch auch die Aufstiegsmöglichkeiten für die gefragten Fachleute für Kunststoff- und Kautschuktechnik haben es dem 28-Jährigen angetan: „Zunächst einmal gibt es, bei entsprechender Leistung, die Möglichkeit, die Ausbildung zu verkürzen. Anschließend kann man sich zum Industriemeister weiterbilden, oder auch auf der Technikerschule studieren“, zählt Ausbilder Michael Haas auf. Fast so viele Möglichkeiten, wie der Werkstoff selbst. „Ich würde schon gerne weitermachen, wenn es ein entsprechendes Angebot gibt“, sagt der Neustadter, und freut sich über die Möglichkeit der Weiterentwicklung.