Kultur Südpfalz Ein Abend mit Suzanne und Marianne
Der kanadische Sänger Leonhard Cohen zieht: Bei einem Konzert der Coverband Field Commander C. platzte die Mehrzweckhalle in Hayna aus allen Nähten, und das begeisterte Publikum bedankte sich am Ende mit Ovationen im Stehen. Zu dem Benefizkonzert eingeladen hatte der Lions Club Herxheim/Landau. Der Erlös des Abends geht an den Verein „Silberstreif – gegen Altersarmut in Landau“.
Die legendären Konzerte des kanadischen Singer-Songwriters sind im 2001 erschienenen Album „Field Commander Cohen“ eindrucksvoll veröffentlicht. Daraus erklärt sich der Name der zehnköpfigen Coverband um Frontmann Rolf Ableiter, die sich erst vor zwei Jahren gründete. Die Musiker sind alte Hasen im Musikgeschäft, alle spielen und singen schon seit vielen Jahre in verschiedenen Formationen. Der Anlass der Bandgründung war ein trauriger: Cohens Tod im November 2016. Aber Field Commander C. lässt ihn und seine Musik auf der Bühne wieder aufleben und setzt ihm damit ein Denkmal. In Hayna trat die Gruppe in kleiner Besetzung mit nur fünf Mitgliedern auf, was aber vollkommen ausreichte, das Publikum für Cohens Songs zu begeistern. Rolf Ableiter, Ira Diehr und Esther Oberle sind zuständig für den Gesang, Jörg Dudys an der E-Gitarre und Klaus Eichberger an Piano, Orgel und Tasten sorgen für den passenden Sound. Bandleader Ableiter, der auch mit kleinen Anekdoten durchs Programm führt, schlüpft überzeugend in die Rolle des Leonard Cohen. Schließt man die Augen und hört ihm zu, meint man dem Original zu lauschen. So perfekt führt er das Publikum in die 1970-er Jahre, in denen die großen Hits Cohens entstanden. Bereits die ersten Songs „The Guests“ und „Famous Blue Raincoat“ verströmen die für Cohen typische, der jüdischen Folklore entlehnte Melancholie. Die Texte sind pure Lyrik und selbst in deutscher Übersetzung nicht leicht zugänglich, denn das Multitalent Cohen war auch Poet und Romancier. „Suzanne“, „Sisters of Mercy“, „So Long, Marianne“, allesamt Welterfolge, behandeln die Themen Liebe, Religion, menschliches Leid und Tod. Und das alles mit der Stimme eines alten Bluessängers, der sich nicht an die hohen Töne traut. Da kann leicht eine gewisse Monotonie aufkommen. Der Meister selbst soll ja in einem Interview zugegeben haben, dass ihn seine eigene Stimme depressiv mache, wie Ableiter dem Publikum erzählt. Diese Gefahr besteht für ihn nicht, denn mit Ira Diehr und Esther Oberle hat er zwei Sängerinnen an seiner Seite, die den morbiden Klang Cohens mit ihren ausdrucksstarken Stimmen neutralisieren. Mit Ira Diehr singt er im Duett „The Smokey Life“, als Solistin singt sie das herzergreifende „For Bernadette“. Vor Esther Oberle geht der Bandleader sogar in die Knie, so sehr hat ihn ihre Interpretation von „Coming Back to You“ berührt. „First We Take Manhattan“ gestalten beide Frauen gemeinsam. Dank der Spitzenleistung Jörg Dudys an der E-Gitarre kommt dieser Song genial jazzig daher und unterscheidet sich dadurch stark von dem ansonsten vorherrschenden Weltschmerz Cohens. Das von ihm als Gebet bezeichnete „If It Be Your Will“ singen die beiden mit warmen, bluesigen Stimmen. Apropos Gebet. Natürlich durfte das „Halleluja“ nach 13 Liedern und zwei Zugaben am Ende des Abends nicht fehlen. Bei vielen Beerdigungen erklingt es, unzählige Sängerkollegen haben es gecovert. Leonard Cohen hat die Bühne für immer verlassen, seine Songs aber leben weiter.