Rheinpfalz Dreimal warnen, dann geht es zur Sache
So viel Polizei ist sonst nie im Dahner Tal unterwegs. 107 Nachwuchsbeamte der Bundespolizei übten am Dienstag an der Bahnstrecke Bundenthal-Hinterweidenthal die Sicherung eines fiktiven Castortransports, inklusive Gleisblockade im Bahnhof Bundenthal-Rumbach durch 20 vermeintliche Atomkraftgegner. Zwei weitere Übungsnachmittage dieser Art wird es im März noch geben.
Bei der Fahrt zum Treffpunkt fällt die verstärkte Polizeipräsenz auf. Immer wieder taucht ein Mannschaftstransporter der Bad Bergzabener Bundespolizei auf, der entlang der Bahnstrecke das Umfeld im Auge behält. Das Einsatzszenario ist die Sicherung der Bahnstrecke für einen radioaktiven Castortransport, erklärt Benjamin Niemann, der als Hundertschaftsführer den Ausbildungsnachmittag leitet. Eventuelle Blockaden oder andere Störaktionen wie beispielsweise „Schottern“, wie im Szenejargon das Untergraben der Bahngleise bezeichnet wird, sollen verhindert werden und dafür muss die Bahnstrecke möglichst lückenlos überwacht werden. Drohnen können dazu noch nicht eingesetzt werden, bedauert Niemann. Anwendungstests liefen zwar bereits, aber die Systeme seien noch nicht ausgereift und außerdem könnten die fliegenden Kameras nur auf kurzen Strecken verwendet werden. „Da müssen immer noch unsere Hubschrauber ran“, meint Niemann.
Realistische Übungsszenarien im Dahner Tal möglich
Die gestrige Übung an der Wieslauterbahn ist für die Bundespolizei ideal. Kein regulärer Zugverkehr kann stören und die Strecke sei sehr gut gepflegt, ganz realistische Übungsszenarien seien hier möglich. Am Bundespolizei-Standort Bad Bergzabern gebe es zwar auch ein Übungsgleis mit 50 Metern Länge und einem Doppelstockwagen speziell für Übungen mit Fußballfans. Das sei aber hier was ganz anderes, schwärmt der Hundertschaftsführer am Bundenthaler Bahnhof. Gegen 14.30 Uhr trifft dann der Bus mit den „Demonstranten“ ein. Rund 30 Polizisten spielen die Atomkraftgegner und sind stilecht mit Sturmmasken, Transparenten und Kapuzenpullis ausgestattet. Hätte Niemann nicht versichert, dass es keine echten Autonomen sind, die Unterscheidung wäre kaum möglich. „Das müssen Leute von uns sein, damit das nicht aus dem Ruder läuft“, erzählt der Ausbilder. 20 „Demonstranten“ machen es sich auf dem Gleis am Bahnhof bequem und verhaken sich mit den Armen, damit ein Pulk entsteht, den die angehenden Bundespolizisten später auflösen müssen.
Nicht viel Zeit
Die lassen aber erst mal auf sich warten. Die Kräfte entlang der Strecke müssten erst zusammengezogen werden und dann ihre „Körperschutzausstattung“ anlegen, erklärt Niemann. Allzulange dürfen sich die Polizisten aber nicht Zeit lassen. Immerhin können die vermeintlichen Blockierer in dieser Zeit allerlei Unfug an den Gleisen treiben, sich richtig fest anketten, einbetonieren oder das Gleisbett entschottern, damit kein Zug mehr darüber fahren kann. „Da muss man aber viel mehr wegräumen, als die glauben“, meint Niemann wissend lächelnd. Der Hundertschaftsführer hat schon rund 20 Blockaden bei Gorleben und anderswo mitgemacht. Im Laufschritt rückt schließlich der 35 Personen starke Einsatzzug an. Der Zugführer fordert die Sitzenden zum Verlassen der Gleise auf und klärt sie über die Konsequenzen ihres Tuns auf. Das werde meist dreimal gemacht, dann geht es zur Sache. Vorher hat sich allerdings eine weitere Gruppe vermeintlicher Demonstranten genähert, die zuvor am Netto-Markt rumgelümmelt hatten. Diese werden abgedrängt und dann wird geräumt. Bis zu vier Mann greifen sich einen der Blockierer nach dem anderen und gehen auch mit den eigenen Kollegen nicht gerade zimperlich um. „Es ist unglaublich, wie schwer so eine Person sein kann, wenn der sich schlapp macht.“ Die „Demonstranten“ skandieren „Polizeigewalt“ und „Wir sind friedlich, was seid ihr“. Ein Transparent, mit dem sich ein Teil der Gruppe zudeckte, wird weggerissen und das nicht ohne Grund. „Da wurden schon die wildesten Sachen im Schutz von so einem Transparent vorbereitet“, erzählt Niemann aus Erfahrung.
Nach zehn Minuten ist der Spuk vorbei
Die Mannschaft nimmt Aufstellung und ab geht es in die Busse zur Rückfahrt nach Bad Bergzabern. Noch ein paar Feinheiten müssten verbessert werden, zeigt sich der Zugführer gestern zufrieden mit der Übung. „Das sind eben noch Berufsanfänger“, meint Niemann. Aber selbst langjährige Bereitschaftspolizisten müssten immer wieder üben. „Es darf keine Routine einkehren“, mahnt Niemann. Jeder Einsatz könne sich schnell ganz anders entwickeln als erwartet.
Termine
Weitere Übungen sind für die Dienstage 13. und 20. März im Dahner Tal geplant.