Kultur Südpfalz Dreimal Spätromantik vom Feinsten

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Zu Gunsten des Fördervereins „Ein Hospiz für LD-SÜW“ konzertierte das SAP-Sinfonieorchester unter Leitung von Johanna Weitkamp am Samstag in der gut besetzten Festhalle. Oberbürgermeister Hirsch lobte zudem in seiner Begrüßungsrede das Engagement weiterer Unterstützer aus Wirtschaft, die den Abend mit ermöglicht hatten.

Solist im Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur op. 83 von Johannes Brahms war Kai Adomeit, in der Region kein Unbekannter, wenn auch längst über sie hinaus reputiert. Bereits als Jungtalent international hoch dekoriert und als pianistisches „Phänomen“ gefeiert, musste sich Adomeit nach schwerer Krankheit erneut auf den Karriereweg begeben, und man darf mutmaßen, dass nicht nur sein überragendes Talent, sondern auch äußerste Disziplin ihn auf den Platz führte, den er heute unstreitig souverän behauptet. Im – vor allem im Kopfsatz – überaus anspruchsvollen Klaviersatz des B-Dur-Konzerts von Brahms überzeugte Kai Adomeit durch ungemein konzentriert präzisen Einsatz, dabei feurig brillanten Zugriff, den Spannungsfaden stetig und immer üppiger weiterknüpfend. Im Grunde waren Allegro und Scherzo ein einziges virtuos zupackendes Kraftpaket von dennoch ausnehmend blendender musikalischer Schönheit. Das Andante wiederum formte der Solist – ganz im Brahms’schen Sinne – zu einem wohltuend weichen, innigen, eher das Orchester nachdrücklich begleitenden Ruhepunkt. Das SAP-Sinfonieorchester etablierte vom ersten Moment an, dem signifikanten Einsatz des Solohorns, mit dem der Kopfsatz anhebt, den unverwechselbar satt weichen „Brahms-Ton“ und war im Folgenden makellos und mit weitem musikalischen Aktionsfeld ein sensibler Partner des Solisten. Auch der erste Teil des Abends bot populäre Spätromantik vom Feinsten. Mit Wagners „Waldweben“ aus dem „Siegfried“ der „Ring“-Tetralogie und Vyšehrad aus Bedrich Smetanas Zyklus „Mein Vaterland“ reklamierte das hochmotiviert und musikalisch uneingeschränkt souverän aufspielende SAP-Sinfonieorchester Profil und hochprofessionelles Format. Johanna Weitkamp – examinierte Dirigentin, wenn auch im Hauptberuf Software-Entwicklerin – die das (mittlerweile bei Bedarf fast zur Hundertschaft erweiterbare) Orchester gegründet hat und unüberhörbar inspirierend einstudiert, bestach durch schnörkellose Gestik, frei von jeglicher Attitüde, hingegen ungemein pointiert agierend und auf Ökonomie im Wechsel von Tempo, Emphase und Subtilität bedacht. Beide Stücke breiteten mit großem, breitgefächertem Atem einen Teppich stupend farbenreich durchwebter Nuancen zwischen samtig schwebenden Lyrismen und machtvoll aufwallender, niemals schwülstiger Klanggewalt. Gerade bei Smetana empfahl sich das Fehlen von aufgesetztem Pathos mit Tempoverzögerungen und unmäßigem Blecheinsatz zugunsten einer unprätentiösen, ausschweifende Lautstärke sehr sorgsam platzierenden Lesart als überaus nachhaltig und authentisch. Solist Kai Adomeit beschloss den fulminanten Abend mit einem stillen Stück Scarlatti. Atemberaubend im reinen Wortsinn. (gp)

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