Rheinpfalz Die wichtigen goldenen Scheine

Hat den Müll im Westpfalz-Klinikum im Blick: Edwin Buschmann ist der Abfallbeauftragte des Krankenhauses.
Hat den Müll im Westpfalz-Klinikum im Blick: Edwin Buschmann ist der Abfallbeauftragte des Krankenhauses.

„Im Westpfalz-Klinikum produzieren wir im Jahr mehr Abfall, als so manches Dorf in der Region“, sagt der Abfallbeauftragte des Hauses, Edwin Buschmann, schmunzelnd. Neben dem Krankenhausmüll gibt es dort auch gefährlichen Sondermüll, bei dessen Entsorgung einiges zu beachten ist.

Die gefährlichen Abfälle werden im Westpfalz-Klinikum in drei Bereiche geteilt, schildert Buschmann: „Es gibt infektiöse Abfälle, zytostatische Abfälle und Körperteile und Organe.“ Diese Abfälle werden in Chemo-Tonnen gesammelt. Buschmann: „Das sind blaue Kunststoffbehälter mit gelben Deckeln, die auslauf- und stichsicher sind.“ Sind die Deckel einmal eingerastet, lassen sie sich nur mit roher Gewalt noch öffnen: „Das ist so geregelt, damit mit dem Inhalt kein Schmu mehr getrieben wird.“ Die verschlossenen Boxen werden mit Aufklebern versehen, damit klar ist, was sich darin befindet, schildert Buschmann. Dann kommen die Behälter in einen verschlossenen Bereich im Wirtschaftshof des Klinikums. Dort wird gesammelt. Ist eine bestimmte Anzahl an Boxen voll, werden sie vom Dienstleister Südmüll abgeholt. „Mit eigens dafür umgerüsteten Lastwagen geht die Ladung dann zur BASF, wo die Kunststoffbehälter samt Inhalt verbrannt werden.“ Das Chemiewerk in Ludwigshafen besitze Öfen mit den geforderten Verbrennungstemperaturen für die Stoffe. „Die BASF hat dafür auch die entsprechenden Genehmigungen“, weiß Buschmann. Chemo-Tonnen aus ganz Rheinland-Pfalz würden nach Ludwigshafen zum Verbrennen gebracht. 590 Euro zahlt das Westpfalz-Klinikum an den Müllentsorger pro Tonne Chemo-Müll, außerdem fünf Euro pro Behältnis. Dazu gibt’s ein umfangreiches Nachweisverfahren, bei dem nahezu jede Bewegung des Mülls elektronisch bestätigt werden muss. Buschmann erläutert den Verwaltungsaufwand: „Noch bevor der Laster kommt, füllen wir den Begleitschein elektronisch aus, der wird von Südmüll in Heßheim gegengezeichnet, anschließend nochmal bei der Fahrt nach Ludwigshafen.“ Ist der Sondermüll vom Kaiserslauterer Krankenhaus verbrannt worden, folgt eine Rückmeldung. Buschmann: „Die Meldung von der BASF gewährleistet, dass unser Müll dort anständig und gewissenhaft entsorgt worden ist.“ Früher seien die Meldungen auf goldenen Papierscheinen zurückgekommen, heute habe die letzte Rückmeldung auch am PC einen goldenen Rahmen. Buschmann: „Bisher sind alle goldenen Scheine gekommen.“ Das werde von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd immer wieder überprüft, sagt der Abfallbeauftragte. Ebenfalls in einem eigenen Container werden die Klimaanlagen-Filter der Operationssäle gesammelt. „Da sind eventuell Bakterien oder Viren drin“, sagt Buschmann. Ein- oder zweimal im Jahr werde der Container abgeholt, und die Klimaanlagen-Filter würden verbrannt. Im Westpfalz-Klinikum fällt sogar radioaktiver Müll an. Doch Buschmann relativiert: „Dabei handelt es sich um leicht radioaktives Material, das beispielsweise von der Nuklearmedizin bei bestimmten Untersuchungen genutzt wird.“ Nach entsprechenden Untersuchungen wandert das Material, das mit dem behandelten Patienten in Berührung gekommen ist, in einen Bleibehälter. Buschmann: „Dort werden die Laken und Masken und all sowas dann gesammelt, bis der Behälter voll ist. Anschließend wandert alles in eine der Tonnen mit den gelben Deckeln.“ Der Strahlenschutzbeauftragte des Klinikums beschrifte den Deckel und prüfe die Strahlenbelastung. Die liege meistens gegen Null. Bevor die Box im regulären Krankenhausmüll entsorgt wird – der wird in der Pirmasenser Anlage verbrannt –, muss noch einmal die Strahlung gemessen werden. Anteil am Sondermüll-Aufkommen des Klinikums haben auch Altmedikamente, wie Buschmann schildert: „Die werden von der Zentralapotheke gesammelt und entsorgt – zum Teil als gefährlicher Müll, wie unter anderem Blutkonserven.“ Von Kaiserslautern aus treten auch gefährliche Abfälle aus den anderen drei Westpfalz-Klinik-Standorten Kusel, Kirchheimbolanden und Rockenhausen ihre letzte Fahrt an. Buschmann: „Die bringen ihren gefährlichen Müll zu uns, wir sammeln den hier, und Südmüll muss dann nur Kaiserslautern anfahren. Im Vergleich zu uns fallen an den anderen Standorten beim gefährlichen Müll ja nur Peanuts an.“

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