Kultur Südpfalz Die Welt als „digitaler Wurstkessel“

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Es gab viel zu lachen bei der bissig-scharfsinnigen, frech-frivolen und temporeich-sprachwitzigen Unterhaltungskunst des Kabarettisten Alfred Mittermeier in der proppenvollen Südpfalzhalle Kapsweyer. Dort servierte der für seine satirischen Programme preisgekrönte Bayer vor 240 begeisterten Besuchern mit seinem Programm „Extrawurst ist aus!“ eine breitgefächerte, globale Wurstplatte.

Es war pikante, gut gewürzte Kost, die der Schnelldenker und sarkastische Humorist in der Rolle des galanten Oberkellners bot. Serviert mit viel Schalk und Nonchalance, mitnichten aber leicht verdaulich, war das, was Mittermeier da zubereitet hatte. Aufs Korn genommen wurden alle Bürgerschichten und Parteienlandschaften, das grenzfreie Europa und die Welt als „digitaler Wurstkessel“. Wer es noch nicht wusste, erfuhr, „dass Amerika liest, was der Deutsche schreibt, der Deutsche zahlt, was der Grieche isst und der Italiener wählt, was kein Mensch braucht“. Nicht nur die Rohstoffe würden knapp im immer enger werdenden Dorf Europa, auch Parkplätze und Hirn zum Beispiel, machte Mittermeier klar. Eines, das Parkplatzproblem, habe er inzwischen gelöst. Sein Auto stelle er, in Mutters Begleitung, nun auf dem „Mutter-Kind-Parkplatz“ ab. Beim Thema Wurst holte er bis in die eigene Vergangenheit aus. So habe man sich früher beim Metzger mit einer Handvoll Hirnwurst (Gelbwurst) „schlau essen“ können, so der Kabarettist. Wie viele Kinder, sei er damit regelrecht „angefüttert“ worden. Was heute in den Frankfurter-, Wiener- oder Regensburger (Ratzinger)würsten so alles drin sei, wer wisse das schon, oder wolle das überhaupt wissen. Wo es doch schon reiche, nicht verdrängen zu können, sich mit der Hühnersuppe eine Ration Antibiotika einzulöffeln. Einblicke gab der Wortjongleur auch ins Krankenhaus Europa, das sich frei nach „Oberschwester Angela“ gesundsparen müsse, vornehmlich durch wuchernden Konsum. Man erfuhr von der „Eurodermitis am Währungstisch“ und dem Innenleben eines Euro, der in Berlin aus dem Fenster geschmissen und in Liechtenstein gewaschen werde. Nie ganz konsequent sei die sprachliche Gleichberechtigung, unkte er und wollte wissen, wem denn jemals ernsthaft eine „Radlerinnenmaß“ oder eine „Doppelzentnerin“ über die Lippen käme. Schon die geläufige „Frauenmannschaft“ sei so ein Zwitter. Ihr Fett weg bekamen auch die Sportwelt und die Fifa, anspielend auf Katar, wo 2022 die Welt „zu Gast am Hochofen“ sein wird. Auf seiner globalen Wurstplatte gebe es „keine Extrawurst“, wetterte Mittermeier auch gegen alle Formen von Bestechung. Und statt Waffenlieferungen empfiehlt der Bayer „Hirnwurst zu exportieren“. Ob urkomisch – „wenn ich mal allein sein will, fahr ich in ein Funkloch“ – , oder bitterernst, wie beim Räsonieren über „frisch gesprengte Attentäter“, stets balancierte Alfred Mittermeier sicher auf seinem Drahtseil, bewies scharfsinnige Beobachtungsgabe und bot funkelnden Esprit. Über zwei Stunden lang hatte er mit Tiefsinn, hinterfotzigem Sprachwitz, trockenen Pointen und bittersüßen Bonmots das Publikum im Griff, das sich krümmte vor Lachen. Besonders, wenn er derb-frivol aus vollem Rohr schoss, wie etwa beim abschließenden, den Überwachungsstaat geißelnden, „Shitstorming“. Der mit zehn Kabarett- und Kleinkunstpreisen ausgezeichnete Schauspieler und Ex-Manager, 1964 in Dorfen geboren, ist der ältere Bruder von Michael Mittermeier und begeistert seit 2004 mit seinen Soloprogrammen. In Kapsweyer, wohin Musikantebuckl-Chef Alfons Getto eingeladen hatte, war er zum zweiten Mal. Mit „Extrawurst ist aus!“ gastiert der exzellente Kabarettist auch am Freitag, 13. März, 20 Uhr, im Audimax der Uni Landau. (hima)

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