Rheinpfalz Die Wasgau-Löwen, eine besondere Spezies
Dass es im Biosphärenreservat allerlei Getier gibt, erfreut Bewohner und Gäste gleichermaßen. Darunter finden sich sogar ganz seltene Arten, wie die kürzlich ausgewilderten Luchse. Tief im Pfälzerwald, unweit der Burg Drachenfels, soll es sogar Löwen geben. Es ist eine ganz besondere Spezies dieser „Könige“: die Wasgau-Löwen Busenberg.
Die Mitglieder des Fanclub TSV 1860 München haben wir in Busenberg tatsächlich angetroffen. Aber, Sechziger-Fans in der Pfalz, wie geht denn sowas? Ist nicht die ganze Pfalz im Betze-Fieber? Diese Frage muss sich Achim Bettler öfters anhören. Er ist der Vorsitzende des Vereins. Stolz verweist er jedoch auf seine Mitgliederzahlen: 177 Anhänger – was beweist, dass es auch hier viele 1860er-Fans gibt. Anfang der 1990er Jahre, so Bettler, seien Löwen-Fans aus dem Wasgau zwei- bis dreimal im Jahr mit dem Kleinbus nach München gefahren, um die Sechziger-Spiele zu verfolgen. Um die Interessen zu bündeln, habe man sich zur Vereinsgründung entschlossen. Am 21. September 1996 wurden so im Sportheim des SC Busenberg von zwölf Fans die „Wasgau-Löwen Busenberg“ gegründet. Man setzte sich zum Ziel, die Spiele des TSV 1860 München zu besuchen, gesellige Feste zu feiern und soziale Tätigkeiten zu unterstützen. In der ersten Euphorie wurden Pläne geschmiedet, welche sich in den verschiedenen Aktivitäten bis heute widerspiegeln. Treibende Kräfte waren Achim Bettler, Siegfried Köhler und Hartmut Weis. Bettler wurde zum „Oberlöwen“ des Vereins gewählt und ist es bis heute geblieben. Noch im Gründungsjahr starteten die Wasgau-Löwen mit einem Reisebus zum ersten Spiel, es war ein Heimspiel des TSV im Olympiastadion gegen Arminia Bielefeld. Bettler: „Jedes Jahr werden mehrere Fahrten zu diversen Spielen der Löwen durchgeführt.“ Aber der Verein hat auch eine eigene Stammtischmannschaft gebildet, welche mehrmals im Jahr antritt. Bei einer Fahrt 1998 nach Köln ins Müngersdorfer Stadion schlossen sich ihnen die „Üsenberger Löwen“ aus Kenzingen an. Dabei wurde von dessen Vorsitzendem die legendäre „Löwentaufe“ vorgenommen: Große Löwen-Maskottchen wurden getauft. Im gleichen Jahr organisierte der Verein anlässlich des Sportfestes des SC Busenberg ein Löwen-Turnier, bei dem Löwen-Fanclubs aus Monheim, Rottenburg und Donauwörth am Start waren. Zu den weiteren Aktivitäten zählen natürlich die Grillfeste im Sommer oder die Fantreffen, bei welchen Männer und Frauen obligatorisch in Tracht erscheinen. Im Frühjahr wird jeweils ein „Pälzer Owend“, im Oktober im Sportheim Busenberg ein „Bayrischer Abend“ mit bayrischem Bier und Essen veranstaltet. Höhepunkt der Spielbesuche seien die Begegnungen der Sechziger mit Bayern München gewesen, welche die Sechziger damals gewonnen haben, so Bettler. Im Uefa-Cup 2000/2001 charterten die Busenberger einen Bus nach Parma in Italien. Die 60er spielten in der dritten Runde zwar 2:2, verloren dann aber ihr Heimspiel 0:2. Ein besonderes Glanzlicht sei die Eröffnungsfeier der Allianz-Arena 2005 gewesen. „Da sind wir mit 50 Personen hingefahren.“ Warum, wollen wir vom Ober-Löwen wissen, fahren so viele mit dem Verein denn nach München, statt beispielsweise nach Kaiserslautern? „Das Persönliche ist auf dem Betzenberg zurückgegangen. In München verbinden wir die Fahrt immer mit einem Besuch von Festen oder Biergärten. Das Flair der Stadt hat einfach etwas. Die 1860er sind für uns ein Arbeiterverein und bodenständig geblieben, das liegt mehr als der FC Bayern München“, erklärt er. „Die Mitglieder waren zudem fasziniert von Tradition und Grünwalder Stadion. Natürlich sind unsere Mitglieder aber auch vom FCK angetan.“ Die Wasgau-Löwen schätzen zudem den Kontakt zu 1860, der rege gepflegt wird. Freundschaften mit dem Verein und anderen Fanclubs haben sich zwischenzeitlich ergeben. Beim Spiel der 60er 2006 gegen den FKP organisierten die Drachenfelser ein freundschaftliches Treffen mit den Spielern am Weißensteinerhof. Da man den Busfahrer der 60er ebenfalls gut kennt, gab es für die Kinder eine kurze Fahrt mit dem 1860er Vereinsbus, was eine Riesengaudi war. „Mit dem dortigen Zeugwart und Betreuer des Leistungszentrums, Wolfgang Sendt, und seiner Frau Christel haben wir guten Kontakt.“ 2005 und 2006 fanden die Fahrten und das Grillfest auch unter einem sozialen Gesichtspunkt statt. Durch Verlosungen, Versteigerungen und Beteiligung des TSV 1860 München wurden Spenden gesammelt, wodurch jeweils 1000 Euro an zwei Kranke im Wasgau übergeben werden konnten. Die 1860er-Fanclubs seien in Regionen aufgeteilt, erläutert Bettler. „Wir sind die Region 14, in welcher Clubs aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen zusammengeschlossen sind.“ Insgesamt gebe es 580 Fanclubs bei den 60ern. Aber in der Pfalz sind die Busenberger schon eine Rarität. Die nächsten 60er-Clubs seien erst in Waldsee und Weinheim/Alzey angesiedelt. Dass das Interesse am Münchener Club trotzdem erstaunlich hoch ist, zeigen die Mitgliederzahlen. Die Wasgau-Löwen zählen derzeit 177 Anhänger aus der ganzen Region, vier Mitglieder kommen aus dem Saarland und, man staune, sieben sogar aus Bayern! „Für die 1860er-Spiele erhalten wir natürlich bevorzugt Karten, welche auch vergünstigt sind“, lobt Bettler. Wichtig seien jedoch die zwischenmenschlichen Kontakte nach München. „2002 haben wir dem damaligen 60er-Präsidenten Wildmoser in Donauwörth einen Saumagen überreicht. Seine Worte: ,Wenn ich den Namen eueres Fanclubs höre, stelle ich mir immer ein Dorf vor, in dem Frauen mit großer Oberweite leben’.“ Das ganze Zelt habe sich darüber amüsiert. Auch sonst sind den Mitgliedern persönliche Kontakte wichtig. In den Jahren um 2000 hatten die Wasgau-Fans mehrmals die Gelegenheit, bei den 60er-Spielern im Hotel in München zu übernachten. „Da haben wir ganz zwanglos zusammen mit den Spielern gespeist, ob das Thomas Häßler und Davor Suker waren oder Martin Max, Abédi Pelé, Harald Cerny, Thomas Miller oder Martin Stenzel. Trainer Werner Lorant saß natürlich mit bei uns am Tisch.“ Durch den Kontakt wurde es auch ermöglicht, dass 2009 bis 2012 teilweise acht Busenberger Jugendspieler am Ferien-Camp der 60er in Garmisch teilnehmen konnten. „Die Allianz-Arena haben wir schon mehrfach besichtigt. Ich schätze, ich war schon gut 40-mal dort“, sagt Bettler. Zu erleben gebe es bei jeder der meist ausgebuchten Fahrten etwas, und sogleich erzählt er schmunzelnd: „Zu einem Spiel in Köln wurde unser Bus sogar von der Polizei eskortiert, weil unser Fahrer sich vertan hatte und uns bei den falschen Fans absetzen wollte. Wir sind gerade rechtzeitig eingetroffen.“ „Ich hätte nie gedacht, dass unser Verein einmal so groß wird“, staunt Bettler noch heute. Erst kürzlich hat der Verein intern sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Schon ist die nächste Fahrt geplant, diesmal zur Begegnung 1860 gegen den FCK in München im November. Wer interessiert ist, kann mit Bettler Kontakt aufnehmen, Telefon 06391/5308, oder in die Homepage des Vereins schauen unter wasgau-loewen.de.