Landau
„Die Verwaltung des Internets“ beim Kurzfilm-Festival La.Meko
„Mit Dokus ist das ja so eine Sache“, meint Simon Schares, der zur Zeit an der Filmakademie Ludwigsburg das Fach „Dokumentarfilm“ studiert und bald mit dem Master abschließen wird. Was ist real, und was sieht nur so aus, als ob? Und was passiert mit dem wirklich Wahren, wenn es total unrealistisch wiedergegeben wird?
Der 1994 in Wiesbaden geborene und in Mainz aufgewachsene Filmemacher hat Spaß an diesen Grenzgängen. „Ich nehme die klassische Doku gerne aufs Korn und spiele mit Mitteln der Fake-Doku oder der Mockumentary.“ Wie witzig und auch wie verwirrend das mitunter rüberkommt, kann man sich an einigen Kurzfilmbeispielen auf seiner Internetseite anschauen.
Bachelorarbeit in Mediendesign
Noch witziger aber ist der Film „Die Verwaltung des Internets“, der heute beim Landauer Kurzfilm-Festival La.Meko im Gloria läuft. Eine Komödie, die Echtheit und Ernsthaftigkeit vortäuscht, dabei vor Klamauk nur so strotzt und dennoch zum Nachdenken über reale Handlungen und ihre Konsequenzen anregt. Schares hat mit dem Streifen seinen Bachelorabschluss in Mediendesign an der Internationalen Hochschule in Mainz gemacht.
Der Fünf-Minuten-Streifen gibt Einblick in die Büroräume der Sachbearbeiter, bei denen all die Suchanfragen via Google & Co zusammenlaufen. Auf Hochtouren arbeitende Frauen und Männer lesen die Eingaben, die durch komplexe Rohrsysteme laufen, drucken sie aus, tippen Antworten und stecken die erklärenden Zettel zurück in lange Rohrleitungen, die angesichts der Flut von Anfragen zu verstopfen drohen. Wie soll man das geforderte Akkordtempo auch einhalten, wenn man sich bei der Problemlösung gegen ein „juckendes Ohrläppchen“ automatisch selbst am Ohr kratzen muss?
Ein Bürohaus war die Inspiration
Der Jungregisseur hat die Handlung in den 1970er-Jahre angesiedelt, als es noch kein Internet gab. Das raffinierte Leitungssystem, mit dem er das Büro ausstattete, besteht aus Abflussrohren aus dem Baumarkt. „Das war am Billigsten“, erzählt der Filmemacher und lacht. Auf die Idee mit der Internet-Verwaltung kam Schares an einem geselligen Abend mit Freunden am Neubrunnenmarkt in Mainz. Da steht nämlich tatsächlich ein altes Haus mit der Aufschrift „WWW“, das er zuvor noch nie wahrgenommen hatte, das nun, nach ein paar Bier, aber seine Fantasie anregte. „Was, wenn da nun wirklich das Internet drin wäre?“
Der Plot wurde fast zum Selbstläufer, angespornt von einem Funken Nostalgie und einem leicht verklärten Blick auf die Realität, die in den Anfragen ja durchaus auch vorkommt. Und die ist, wie Schares ganz nebenbei deutlich machen will, nicht immer lustig. Bei aller Hightech beschäftigen die sogenannten sozialen Medien ja wirklich Menschen, sogenannte Cleaner, die perverse oder gefährliche Inhalte löschen müssen, und niemand hält diesen physisch extrem belastenden Job lange durch. Außerdem, so sinniert der junge Regisseur, „färbt doch vieles, was aus dem Internet kommt, direkt auf die Leute ab“. Und schließlich müsse man genau überlegen, was man von sich im Internet preisgebe und was besser nicht.
Für neuen Film ins eigene Grab gelegt
„Ich habe das Gefühl, dass die total tollen Möglichkeiten des Internets gerade ein bisschen vor die Hunde gehen, weil es ja an uns liegt, wie wir es benutzen. Und da läuft manches falsch.“ Die aktuelle Entwicklung bei Twitter bestärkt Schares in seinem Wunsch, „mehr Aufmerksamkeit zu wecken“. Gerne hätte er seinen Film in Landau persönlich vorgestellt, aber ausgerechnet jetzt ist er mit der Filmakademie beim International Documentary Film Festival in Amsterdam.
Weil sein nächster Streifen jetzt aber auch schon im Kasten ist, hofft er auf eine zweite Chance beim La.Meko. Der neue Film heißt „Tschüss, war schön“ und hat beim Bundesfestival junger Film in St. Ingbert gerade den SR-Innovationspreis 2022 abgesahnt. Es geht um einen unaufgeregten Einblick in das Bestattungswesen, der bei den Dreharbeiten doch recht aufregend und sogar ein bisschen makaber wurde. Weil es wegen der strengen Corona-Vorschriften nicht möglich war, eine echte Leiche vom Abholen in der Wohnung über das Waschen und Ankleiden beim Bestatter bis hin zum Einsenken in das Grab zu begleiten, musste Schares persönlich als Protagonist herhalten und seine „komplette Beerdigung“ über sich ergehen lassen.
Termin
„Die Verwaltung des Internets“, Komödie von Simon Schares, läuft Dienstag beim Landauer Kurzfilm-Festival La.Meko im Gloria im ersten Block, der um 19 Uhr startet.