Rheinpfalz Die Laien sollen’s richten

Zum ersten Advent greift die so genannte „Gemeindepastoral 2015“, die größte Umstrukturierung im Bistum Speyer der Nachkriegszeit. Über Ängste und Chancen diskutierten am Montagabend auf Einladung der Kolpingsfamilie Dahn Katholiken aus Dahn und Umgebung mit Pfarrer Erich Schmitt.
Dabei wurde deutlich: Es wird mehr denn je an den Laien liegen, ihre Gemeinden mit Leben zu erfüllen. Pfarrer Schmitt klärte dabei einige Begriffe: Ein „Laie“ bezeichnet in diesem Zusammenhang nicht den Nicht-Fachmann, sondern – vom griechischen Begriff „Laós“ abgeleitet – eine „zum Volk (Gottes) gehörende“ Person, sprich: die Gemeindemitglieder. Und „Gemeinde“ ist künftig ein Unterschied zum bislang synonym benutzten Begriff „Pfarrei“. Denn zum ersten Advent dieses Jahres werden alle 346 Pfarreien im Bistum aufgelöst und 70 deutlich größere Pfarreien neu gebildet. So umfasst künftig die neue Pfarrei St. Petrus Dahn (der Apostel Petrus, laut Bibel der Fels, auf den die Kirche gebaut ist, stellt dabei die Verbindung zum Dahner Felsenland her) alle Orte dieser Verbandsgemeinde plus Hinterweidenthal, das bisher schon Filialgemeinde von Dahn war. Innerhalb dieser neuen Pfarreien gibt es dann die örtlichen „Gemeinden“, wo das kirchliche Leben stattfinden soll. Die Unterscheidung zwischen bisherigen Pfarreien und bisherigen Filialen entfällt. Pfarrer Schmitt wies darauf hin, dass künftig Gemeinden nicht nur auf Orte bezogen sind, sondern sich auch Personen zu einer neuen Gemeinde zusammenschließen können. Laut Pfarrer Schmitt, bereits jetzt Kooperator (unterstützender Pfarrer) in der Pfarrei, rührt die Reform zum einen vom Priestermangel, viel mehr jedoch vom „dramatischen Schwund an Kirchenmitgliedern“ her. So habe das Bistum Speyer zwischen 1980 und 2011 fast ein Viertel seiner einst 730.000 Mitglieder verloren. Kirchenaustritte seien dabei nur „Peanuts“, so Schmitt. Die meisten seien gestorben. „Früher waren wochentags 50 Leute in der Kirche. Heute sind es noch fünf. Aber ich habe den Eindruck, die Leute nehmen überhaupt nicht wahr, was sich vor ihren Augen abspielt“, bedauerte er. Insbesondere die kleinen Gemeinden seien daher „in zunehmendem Maß nicht mehr lebensfähig“, die Bildung der neuen Pfarreien ein „radikaler, aber konsequenter Schritt“. Dass in der größeren Struktur der Pfarrer nicht mehr überall präsent sein kann, war den 15 Anwesenden bewusst. Pfarrer Schmitt sprach von „ganz gewaltigen Veränderungen in der pastoralen Arbeit“, die „ganz neue Konzepte“ erforderlich mache, wo aber auch mit Kreativität durch die Katholiken vor Ort „sehr viel möglich“ sei. Er bedauerte in diesem Zusammenhang, dass viele der über 11.000 Katholiken im Dahner Felsenland sehr an ihren Traditionen hingen und man insgesamt bei den Diskussionen um die Reform zu sehr an der Frage nach dem Zeitpunkt der Messfeier festhalte. Insgesamt, fand Pfarrer Schmitt, seien in den Gemeinden des Dahner Felsenlandes die Ansätze einer Kirche der Zukunft durch engagierte Christen oder eine fast überall vorhandene gut funktionierende Jugendarbeit gegeben. Und auch die Anwesenden erkannten die Chance, dass sich eine kleiner werdende Kirche auf ihre ureigensten Inhalte und Aussagen besinnen und daraus neue Kraft schöpfen kann. „Das ist keine Verwaltungsreform“, betonte Pfarrer Schmitt. Vielmehr gehe es darum, dass die Kirche ihre äußere Gestalt verändere, um ihr „Innenleben“ – die Botschaft Jesu Christi – ins 21. Jahrhundert zu tragen. Dabei sparte er auch nicht mit Kritik am eigenen Haus. Denn den Eindruck einer bloßen Verwaltungsreform habe auch „ein kalter Managerton, der zum Teil aus Speyer gekommen ist“, erweckt. Die herrschende Skepsis konnte die Veranstaltung nicht zerstreuen. „Wenn wir eine Kirche der Laien werden sollen: Worüber dürfen die Laien denn bestimmen?“, lautete eine der Fragen. In die gleiche Richtung zielte ein anderer Einwand: Obwohl unter den engagierten Gemeindemitgliedern auch Fachleute zu den verschiedensten Themen seien, müsse der Pfarrer über alles entscheiden – vom Personal für den Kindergarten bis zu Baumaßnahmen an der Kirche. Hier sollten die Laien mehr Kompetenzen erhalten, so die Forderung. Das würde auch den Pfarrer entlasten. In anderen Bistümern – etwa Rottenburg-Stuttgart – hätten Laien auch jetzt schon sehr viel mehr Entscheidungsbefugnisse. „Als ich hier ins Bistum Speyer kam, fühlte ich mich um 100 Jahre zurückversetzt“, so ein zugezogenes Gemeindemitglied. Eine Zuhörerin warf ein, dass viele der berufstätigen Gemeindemitglieder überhaupt nicht die Zeit aufbringen können, um sich zu engagieren. Und wenn, würden sie von den hauptamtlichen Kirchenmitarbeitern im Stich gelassen. Hier fehle es an Unterstützung, fand sie. Ein weiterer Einwand war, dass die besten Konzepte und Angebote nichts brächten, wenn die übrigen Gemeindemitglieder sie nicht annähmen. (hll)