Kultur Südpfalz Die Frau vom Ordnungsamt

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„N’Abend zusammen. Ich bin vom Ordnungsamt und mach Kontrollen zum reibungslosen Verlauf.“ Mit diesen Worten betritt eine Frau in blauer Jacke alias Kabarettistin Eva Eiselt die Bühne im Audimax der Uni Landau. Mit ihrem Programm „Neurosen und andere Blumen“ begeisterte die Künstlerin das Publikum. Bereits zum neunten Mal hatten der Lions-Club Leinsweiler-Südliche Weinstraße Max Slevogt und die Uni zum Kabarett an der Uni eingeladen.

Das Smartphone ist das wichtigste Hilfsmittel der Frau vom Ordnungsamt. Mit der Luftfeuchtigkeits-App stellt sie fest: „Fast zu trocken hier.“ Auf die Messung des Abstands zwischen Bühne und Publikum folgt die Ermittlung des Intelligenzquotienten des Publikums durch das Gerät. Das dauert. Umso mehr Zeit bleibt der rheinischen Frohnatur, um den Menschen im Saal mit flotten Sprüchen und der unterhaltsamen Schilderung der nervenaufreibenden Pizzabestellung von Eva Eiselt vor der Veranstaltung den einen oder anderen Lacher zu entlocken. Im Laufe des Abends schlüpft Eva Eiselt in unterschiedliche Rollen. Mit ihrer ausdrucksstarken, variablen Mimik und Gestik schafft sie es, ihre Figuren authentisch auftreten zu lassen. Dem Publikum bietet sie so zahlreiche Identifikationsmöglichkeiten. Besonders raffiniert konzipiert ist die Rolle ihrer Assistentin Siegrid. Deren Markenzeichen: Hornbrille und brauner Blazer. Sie hält das Publikum über den Verbleib der überraschend außer Gefecht gesetzten Künstlerin auf dem aktuellen Stand und versucht, den Ausfall ihrer Chefin zu kompensieren. Während Siegrid verschwindet, um nach Eva Eiselt zu schauen, findet sich das Publikum plötzlich bei „Elitepartner“ wieder: „Traumpartner in fünf Schritten“ heißt es. Unglaublich schnell hat die Dame mit der Rose in der Hand die Distanz zwischen der Bühne und den Herren in der ersten Reihe überwunden. Leider muss sie auf der Suche nach ihrem Traummann nach kurzer Umfrage nüchtern feststellen: „Wisst ihr was, ihr seid mir hier irgendwie alle zu echt.“ Es folgt ein Ausflug ins anglisierte Deutsch. „Ich, hoffe, ihr versteht mich.“ E-Reader war gestern. „Heute gibt es das Real-Book – ein neues High-Definition-Endgerät in Hardcover-Optik mit Grip.“ Assistentin Siegrid kehrt zurück und berichtet, dass der Ausfall ihrer Chefin auf die ungünstige Kombination aus übermäßigem Alkoholkonsum, dem Verzehr einer Pizza und Übelkeit zurückgeht. Da helfen schließlich nur noch der herbeigerufene Notarzt und sein „portables Magenauspumpgerät“. Mit Hut und Schnurrbart mimt die Kabarettistin gekonnt einen Herrn und schildert mit unterhaltsamer Situationskomik die Aquagymnastik mit Rentnern. Der Ausflug ins Schwimmbad endete für den Herrn allerdings in der Zelle, da er zuvor beim Googeln einer „Gartenbank“ aus Versehen die europäische Zentralbank gehackt hatte und die dortigen Gelder zu seinem eigenen Vorteil mal großzügig umverteilte. „Glaubt ihr mir?“, lautet seine Frage am Ende dieser amüsanten Geschichte. Dann gehört die Bühne „Angie“ im roten Blazer und ihrem riesigen knallbunten Telefon mit Gesicht. Eva Eiselt spricht mit verzerrter Stimme. Die Ähnlichkeit mit der Tonlage von Angela Merkel ist nicht zu überhören. In Landau ist „Tag der offenen Kanzlerin“. Am anderen Ende der Leitung steht Altmaier ihr in dieser unangenehm direkten Situation mit Rat und Tat zur Seite. „Altmaier, wann wird das Volk denn wieder abgeholt?“ Dann übernimmt nochmals Assistentin Siegrid. Es folgt eine wunderbar befreiende und uneitle Tanzeinlage zur Musik von Mireille Mathieu: „Wenn ich mich blamier, ist es eh egal, ich existier ja eh nicht.“ Am Ende gehört die Bühne wieder der Dame vom Ordnungsamt. Sie macht den Abschlusscheck: Luftfeuchtigkeit, Abstand zwischen Bühne und Publikum sowie Intelligenzquotient. „Der IQ hat sich verändert. In welche Richtung überlass ich euch.“ Eva Eiselt hat ihr Ziel, „kein Fast-Food-Kabarett, sondern nachhaltiges Kabarett“, erreicht. Der Erlös der Veranstaltung fließt in ein Projekt des Präventionsrates der Stadt Landau. Mit der Kampagne „Crash-Kurs“ für die Zielgruppe der 17- bis 19-Jährigen sollen schwere Verkehrsunfälle von Fahranfängern verringert werden. (inaz)

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