Kultur Südpfalz Die bewegte Frau

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Birgit Keil war in ihrem Leben schon vieles: Flüchtlingskind, Baby-Ballerina, Star des Stuttgarter Balletts, Choreografen-Muse, Ehefrau. Heute feiert sie ihren 70. Geburtstag. Für sie ein ganz normaler Arbeitstag. Als Direktorin des Karlsruher Balletts und als Leiterin der Mannheimer Akademie des Tanzes ist Keil so beschäftigt wie eh und je. Ein Leben ohne Tanz? Undenkbar! Nike Luber sprach mit ihr.

Frau Keil, welches waren die entscheidenden Momente in Ihrem Leben?

Der Moment, als ich geboren wurde (lacht). Meine Mutter traf eine wichtige Entscheidung für mich, als ich noch klein war. Ich sollte wegen meines schwachen Rückens Krankengymnastik machen. Meine Mutter hat mich stattdessen ins Ballett geschickt. Sie liebte Ballett. Meine Eltern mussten sich den Ballettunterricht vom Munde absparen. Aber es war das, was meine ganze Leidenschaft entfacht hat. Andere Künstlerinnen ziehen sich nach einer derart fulminanten Bühnenkarriere ins Private zurück. Warum war das für Sie keine Option? In der aktiven Karriere sah ich für mich keine Weiterentwicklung mehr. Als ich diese Erkenntnis hatte, trat ich am nächsten Tag zurück. Dieser Abschied hat mir einen Neuanfang ermöglicht. An meinem Abschiedsabend im Juli 1995 habe ich meine Tanzstiftung vorgestellt. Als ich jung war, haben wunderbare Menschen mir viel ermöglicht. Das möchte ich weiter geben. Was haben Sie aus Ihren Erfahrungen als Tänzerin in Ihre neuen Aufgaben mitgenommen? Nach Karlsruhe habe ich alles mitgenommen, was ich in Stuttgart erfahren habe: das grenzenlose Vertrauen und die Liebe, die der Stuttgarter Ballettchef John Cranko dem Ensemble entgegen brachte. Auch unter Marcia Haydee habe ich viel gelernt. Das Stuttgarter Ballett war damals wie eine Familie. Künstlerisch konnten wir mit den bedeutendsten Choreografen und mit ganz jungen Choreografen arbeiten. In Karlsruhe bemühe ich mich um dieselbe Vielseitigkeit aus traditionellen und modernen Klassikern und neuen Kreationen. Ich möchte meinen Tänzern etwas bieten. Die Karriere ist so kurz. Was haben Sie in Ihren neuen Aufgaben an Erfahrungen gewonnen? Seit ich 1997 erst eine Professur und dann die Leitung der Akademie des Tanzes in Mannheim übernommen habe, gebe ich den Tanz mit derselben Leidenschaft weiter, mit der ich selbst getanzt habe. Dass ich das kann, wusste ich vorher gar nicht. Was ist Ihnen bei der Arbeit mit jungen Tänzern wichtig? Die Konkurrenz unter Tänzern ist groß. Eine gute Ausbildung dient als solides Fundament. Da die Tanzszene vielfältig ist, müssen Tänzer klassisch und modern tanzen können. Ohne Disziplin läuft in unserem Beruf nichts, man muss Leidenschaft und Begeisterung mitbringen. Ich denke, der Tanz sucht den Menschen aus. Seit der Spielzeit 2003/04 leiten Sie die Sparte Ballett des Badischen Staatstheaters Karlsruhe. Was haben Sie mit dem Ballettensemble noch vor? Für die Karlsruher Compagnie wünsche ich mir Qualität, was die Choreografien angeht, keine Wegwerf-Ballette. Jede Spielzeit-Planung birgt Überraschungen. Ich achte darauf, dass die Stücke dem Publikum etwas Wertvolles bieten und die Tänzer voranbringen. Einmal im Jahr können Mitglieder der Compagnie sich selbst als Choreografen ausprobieren. Ohne die Bereitschaft zum Risiko kann nichts Neues entstehen. Frau Keil, wie definieren Sie Tanz? Tanz ist etwas Besonderes, weil der eigene Körper das Instrument ist. Ich halte es für ein Privileg, tanzen zu dürfen.

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