Edenkoben
Der Speyerer Theaterautor Stefan Hornbach ist unter den Stipendiaten des Künstlerhauses
Für Stefan Hornbach ist das Aufenthaltsstipendium im Künstlerhaus fast ein Heimspiel. Denn der rührige Theaterautor und Bühnenakteur, der heute in Berlin lebt, kam 1986 in Speyer zur Welt und ist in Böhl-Iggelheim groß geworden. Als Student der Theaterwissenschaft und Psychologie sowie der Neueren deutschen Literatur, des Schauspiels und des Literarischen Schreibens zog es ihn nach München, Ludwigsburg und Leipzig.
Letzter Schliff für Manuskript
Das Masterstudium, das er dort draufsattelte, verband er mit dem Burgschreiber-Auftrag im Brandenburgischen Besko, wo sein erster Roman entstand. Das Manuskript hat er nun mit nach Edenkoben gebracht. Hier soll es den letzten Schliff und eine Fortsetzung erhalten. Denn der Ich-Erzähler, der mit dem Autor manche Gemeinsamkeit hat, weiß über sein junges Leben mit all dem Streben nach Freundschaft, Anerkennung und Liebe, aber auch der Bewältigung einer schweren Krankheit, so viel Tiefgründiges zu erzählen, dass es einen einzigen Band gesprengt hätte.
Wie seine witzig-satirischen Theaterstücke, darunter „Der Schwalbenkönig“, der bereits im Badischen Staatstheater Karlsruhe inszeniert wurde, verstehen sich auch Hornbachs Prosatexte als „Coming of Age“-Geschichten mit allen Facetten des „schambehafteten Erwachsenwerdens“. Dabei will der Autor „nichts verharmlosen“, dem ernsten Sachverhalten, der sich unter anderem auch um das Verhältnis junger Menschen zum Leistungssport dreht, aber durchaus „eine heitere Note“ geben. Weil Hornbach seine Story ganz bewusst in Pfälzer Lokalkolorit taucht, ist das Stipendium in Edenkoben für ihn geradewegs ein Volltreffer.
Gewinnerin des Kammweg-Literaturwettbewerbs
Zur gleichen Autorengeneration gehört Marit Heuß, die 1984 in Bad Schlema geboren wurde, in Dresden Germanistik, Kunstgeschichte und Kunstpädagogik studierte und heute als promovierte Germanistin und vielversprechende Lyriker in Leipzig lebt. Ihre Gedichte finden sich in vielen Zeitschriften und Anthologien, ihre Lesungen führen sie quer durch Deutschland, die Türkei und Portugal.
Die fünfmonatige Abgeschiedenheit inmitten der Südpfälzer Weinberge will sie nutzen, um an ihrem aktuellen Gedichtband zu arbeiten, an „bereits Vorhandenem“ zu feilen und Neues anzugehen. Für ihre Lesung am Freitag hat die frisch gekürte Preisträgerin des Kammweg-Literaturwettbewerbs Gedichte ausgewählt, die unter dem Titel „Palacio invisivel“ (unsichtbarer Palast) im Frühjahrsheft der Literaturzeitschrift „manuskripte“ erschienen.
„Welt voller uneinlösbarer Versprechen“
Den weitesten Anfahrtsweg nach Edenkoben hat Hinrich von Haaren, der 1964 in Bremerhaven geboren wurde und heute in London lebt. Das Reisen ist der vielseitige Schriftsteller, der in Berlin Sinologie und Germanistik studierte, auch durch längere Aufenthalte in Asien gewohnt. Seine Bücher und Theaterstücke schreibt der Kosmopolit auf Deutsch und Englisch. Beliebt sind auch seine Hörspiele, die bei Radio Bremen und im Ostdeutschen Rundfunk gesendet und mit zahlreichen Preisen bedacht wurden.
Noch druckfrisch ist sein Roman „Blaues Reich. Winterstadt“, der gerade im Residenz Verlag, Wien erschien. Darin spiegelt sich die Weltläufigkeit des Autors, denn es geht um Berlin vor dem Fall der Mauer und China vor dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Es geht in diesem politisch aufgeladenen Spannungsfeld aber auch um das Zurückgeworfen werden auf sich selbst angesichts einer „Welt voller uneinlösbarer Versprechen und um eine Generation, die sich treiben lässt auf der Suche nach einem anderen Leben“.
Kleine Anekdote am Rande: Auf der Verlagshomepage wird von Haarens Aufenthalt im Künstlerhaus schon der Vergangenheit zugerechnet. Dabei hat sein Leben in der Südpfälzer Enklave gerade erst begonnen.