Rheinpfalz Der singende Verkehrserzieher

„Die Kinder haben mir stapelweise Bilder geschenkt“ erzählt Winfried Eckstein nach elf Jahren als Verkehrserzieher.
»Die Kinder haben mir stapelweise Bilder geschenkt« erzählt Winfried Eckstein nach elf Jahren als Verkehrserzieher.

Am Montag wurde die kreisweit beste Klasse bei der Fahrradausbildung 2017 in der Grundschule Jettenbach von den Verkehrssicherheitsberatern Winfried Eckstein und Klaus-Jürgen Lerner geehrt. Lerner hatte jedoch noch eine geheime Mission, denn er verabschiedete seinen langjährigen Partner. Seit 1978 war Eckstein im Polizeidienst und seit 2007 als Verkehrssicherheitsberater in allen Schulen im Kreis tätig. Er feiert im Juni seinen 60. Geburtstag und scheidet zum 30. Juni aus dem aktiven Dienst aus.

Polizisten haben unbestritten einen gewissen Spürsinn. Werden sie jedoch von Kollegen hinters Licht geführt, sind echte Überraschungen möglich, wie sich am Montag bei Ecksteins inoffizieller Verabschiedung zeigte. Während er im Lehrerzimmer frühstückte und offiziell nur die kreisweit beste Fahrradklasse ehren sollte, bereitete Lerner für seinen „verlässlichen Kollegen, der in seinem Beruf seine Berufung gefunden hat, mit Humor und der notwendigen Ernsthaftigkeit zu Werke ging und schnell den Draht zu Kindern gefunden hat“ die Verabschiedung vor. Zunächst erschien es für Eckstein auch so, als dürfe er einzig seine letzte beschulte Klasse, die vierte der Königslandschule Jettenbach für besonders herausragende Ergebnisse ehren. Von 80 möglichen Punkten hatten die Schüler im Durchschnitt 78,25 Punkte erreicht. „Ich hatte viel Spaß mit euch“, bekannte Eckstein und die Kinder offenbar auch. Denn sie hatten ein selbstgetextetes Lied für den Polizisten vorbereitet, und Eckstein erkannte, was tatsächlich vor sich ging. Der Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Kusel wohnt in St. Wendel und erklärt lachend, dass er in die Pfalz gekommen sei, „um Entwicklungshilfe zu betreiben“. Sein Dienstantritt war 1987. Richtig prägend sei die erste Dienststelle in Kirchheimbolanden gewesen. Dort lernte er auch schon 1981 seinen langjährigen Kollegen Lerner kennen. Später zog es ihn etwas näher zur Heimat und über die Dienststelle in Lauterecken ging es nach Kusel. 2007 wechselte Eckstein zur Jugendverkehrsschule und war für alle Schulen und Kindergärten im Kreis tätig. Mit seinen Programmen hat er gute Erfahrungen gesammelt und nicht nur von Lehrern, Eltern und Erziehern positive Rückmeldungen erhalten. „Die Kinder schenkten mir stapelweise Bilder. Damit könnte ich ein Zimmer tapezieren“, berichtet er lächelnd. Fast legendär sind die sportlichen Bestrafungen nach Eckstein-Art. Unterteilt in Frauen- und Männergefängnisse mussten dort Liegestütze und Kniebeugen absolviert werden – was den meisten Kindern jedoch richtig Spaß gemacht habe. Die Arbeit mit Kindern biete immer wieder Überraschungen, weiß er aus seiner elfjährigen Tätigkeit zu berichten. Manche brauchten eine Einzelbehandlung zur Motivation, andere benötigten wegen Behinderungen individuelle Lösungen. So nahm in Meisenheim ein Schüler im Rollstuhl teil, „den mussten wir sogar bremsen“, erinnert sich Eckstein an dessen rasante Fahrweise. Besonders in Erinnerung blieb ihm ein kleinwüchsiger Junge, dessen Rad der technikaffine Polizist umgebaut hat. „Dem Jungen konnte ich echte Lebensfreude schenken“, weiß Eckstein, da er diesen auch in den Folgejahren immer wieder traf. Getroffen hat Eckstein auch vor rund einem halben Jahr in St. Wendel einen ehemaligen Schüler, wohl einer seiner ersten, der in Brücken den Fahrradführerschein gemacht hatte und zwischenzeitlich schon Auto fährt. Polizist wollte Eckstein schon immer werden, doch zunächst absolvierte er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker. Sein Ziel im Fuhrpark der Polizei zu arbeiten, habe zwar nicht geklappt, aber auch der Einzeldienst hatte seinen Reiz. Dazu hat Eckstein zahlreiche Weiterbildungen im Verkehrsbereich, absolviert, sodass er doch in seinem technischen Metier arbeiten konnte. Die Vorliebe zur Prävention, also der Vermeidung von Unfällen, entdeckte er bei Unfallaufnahmen und nahm bereits 1996 erste Präventionsarbeiten bei der deutschen Verkehrswacht als Moderator an. Für die Verkehrssicherheit wird er als Moderator auch weiterhin für die Verkehrswachten in Kusel und St. Wendel tätig sein. Daneben wird er aber auch noch mehr Zeit zum Musizieren und Motorradfahren finden. Wobei das Singen auch im Dienst oft genug möglich war, denn Geburtstagsständchen „waren mein Speziteil“, berichtet er schmunzelnd, nachdem er der kleinen Mia zum zehnten Geburtstag wohl das letzte Ständchen in Polizeiuniform gesungen hat. „Eine schöne Zeit geht zu Ende, eine neue schöne Zeit beginnt“, ist sich Eckstein sicher. Der Kontakt zu einigen Kollegen wird auch weiterhin bestehen bleiben und durch seine Mitgliedschaft in der International Police Association wird er die Polizei auch nicht völlig aus den Augen verlieren.

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