Rheinpfalz Der neue Abgeordnete will intensiv zuhören

Seit 1. Oktober Mitglied des Landtags: Christof Reichert.
Seit 1. Oktober Mitglied des Landtags: Christof Reichert.

Als „Kümmerer für die Region“ versteht sich der Hauensteiner Christof Reichert, der seit dem 1. Oktober als Nachrücker für die neue Landrätin Susanne Ganster im Mainzer Landtag sitzt. „Wichtigste Motivation in meinem Amt ist es, dazu beizutragen, dass es unserer Region gut geht, dass sie lebens- und liebenswert bleibt“, sagte er im Gespräch mit der RHEINPFALZ.

Seit gut 100 Tagen zählt er nun zur CDU-Fraktion, die ihn, wie er berichtet, „sehr gut aufgenommen“ habe. Kein Wunder: Die meisten Mandatsträger habe der südwestpfälzische CDU-Kreisvorsitzende durch seine Parteiarbeit in der Region und auf Bezirks- und Landesebene bereits gekannt: „Daher hatte ich ja schon Kontakte quer durchs Land.“ Bereits als 16-Jähriger war er der CDU beigetreten, war seit 1983 auch politisch aktiv. „Die Kommunalpolitik war immer mein Steckenpferd. Von daher bin ich mit den Spielregeln der Politik vertraut“, kann er auf dreieinhalb Jahrzehnte politischer Erfahrung verweisen. „Bisher war ich aber immer Teil einer Mehrheitskoalition. Die Oppositionsrolle, die die CDU im Mainzer Landtag spielen muss – das ist etwas Neues für mich“, sagt der 50-jährige Diplomverwaltungswirt. In Mainz ist er Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur sowie im Petitionsausschuss, als Stellvertreter fungiert er für den Haushalts- und Finanzausschuss, für den Gesundheits- und den Gleichstellungsausschuss. „In den Ausschüssen und in den Arbeitskreisen der Fraktion wird die eigentliche Politik gemacht“, berichtet der Neu-Parlamentarier, der im Landesparlament auch ab und zu als Schriftführer agiert. In der Regel dienstags bis donnerstags läuft die politische Arbeit in Mainz: mit Fraktionssitzungen, mit Ausschusssitzungen und mit der Arbeit im Plenum, die jeweils mittwochs und donnerstags stattfindet. Den Abgeordneten steht im Abgeordnetenhaus ein kleines Appartement als Büro zur Verfügung, ein Schrankbett ermöglicht dort auch Übernachtungen, wenn sich die Heimfahrt nicht mehr lohnt. „Ich bin in ein sehr spannendes Umfeld gekommen, in dem die Arbeit sowohl Spaß macht, als auch den Horizont erweitert“, wertet er die ersten Monate in der Landeshauptstadt. „Die Erfahrungen aus der Kommunalpolitik haben mich geprägt“, stellt Reichert fest. Und folglich sehe er auch einen Schwerpunkt seiner Arbeit im Landtag „in der Vertretung der Interessen der ländlichen Regionen“. Er nennt die Grundversorgung mit Breitband, den öffentlichen Personennahverkehr und die Erhaltung und Verbesserung der Infrastruktur. Dazu gehöre auch der Ausbau der B 10. Zu dessen verschiedenen Aspekten hatte der Hauensteiner eine kleine Anfrage an die Landesregierung gerichtet. Unter anderem hatte Reichert wissen wollen, ob der Landesbetrieb Mobilität personell überhaupt in der Lage sei, um die Planung für den vierspurigen Ausbau der Ost-West-Achse mit der notwendigen Power voranzutreiben (die RHEINPFALZ berichtete am 16. Dezember). „Das Land hat ganz einfach nicht rechtzeitig reagiert, um entsprechende Personalressourcen vorzuhalten“, moniert der Christdemokrat. Ihm missfällt auch, dass das Land im Besoldungsniveau für seine Beamten deutschlandweit Schlusslicht ist, mit dem Ergebnis, dass qualifizierte Ingenieure oder Lehrer besser dotierte Stellen im Dienst anderer Bundesländern annähmen und unter anderem dadurch die Personalsituation im Land prekär werde. Insgesamt meint Reichert, dass die Politiker „das Zuhören intensivieren“ müssten. Und sie müssten die Sorgen und Ängste nicht nur hören, sondern „Ängste und Probleme der Menschen wahrnehmen und Lösungen anbieten“. Dazu zähle die „gefühlte Ungleichheit zwischen Stadt und Land“: Die Digitalisierung biete dabei eine große Chance, das Gefälle zwischen Stadt und Land einzuebnen. Reichert nennt die Möglichkeiten des Home-Office und der digitalen Medizin als Beispiele und verweist auf ein Pfund, mit dem die ländlichen Regionen wuchern können: „Wo ist das soziale Umfeld noch so intakt wie auf dem Land?“

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