Rheinpfalz Der letzte Glockenschlag

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Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) haben am Samstag drei Glocken aus dem Turm der evangelischen Kirche im St. Wendeler Stadtteil Oberlinxweiler geborgen. Wie berichtet, soll die Kirche soll im August gesprengt werden. Die Glocken wurden zu ihrem neuen Bestimmungsort nach Illingen-Uchtelfangen gebracht.

20 Einsatzkräfte der THW-Ortsverbände St. Wendel und Nohfelden waren am Samstag im Einsatz. Kirchengebäude und Glockenturm sind bereits seit einiger Zeit entwidmet und sollen im Sommer neuen Wohnhäusern weichen. Experten des THW werden zuvor den Turm und den Saal der Kirche sprengen. 32 Millimeter pro Hub schwebte die bronzene Glocke am Stahlseil dem Erdboden entgegen, erklärte THW-Ortsbeauftragter Markus Tröster. Am schweren, blauen THW-Lastkraftwagen war ein so genannter Greifzug angebracht, mit dem die Einsatzkräfte die Glocke über eine Rolle am Kopf des Turms ganz langsam ablassen konnten. Einige dutzend Anwohner und Zuschauer waren gekommen, um dem ungewöhnlichen Schauspiel beizuwohnen. Es habe auch Wehmut in der Luft gelegen, so Tröster. Einige Bürger haben den Bau der Kirche in den 1960er Jahren miterlebt und wurden dort konfirmiert. Auch dem Gemeindepfarrer Wolfgang Meyer war wehmütig zu Mute. Aber die Glocken werden nicht für immer schweigen. In Uchtelfangen (Gemeinde Illingen) werden sie irgendwann zu neuem Leben erweckt werden. Nach 20 Minuten war die erste Glocke auf dem Boden angekommen. Spontanen Applaus spendeten die Zuschauer für die erfolgreiche Bergung. Pfarrer Meyer und St. Wendels Bürgermeister Peter Klär nutzten die Gelegenheit, die Glocke mit drei gezielten Schlägen ein letztes Mal in Oberlinxweiler erklingen zu lassen. Es herrschte eine gespannte Stimmung, bevor sie endgültig verladen wurde. Im Halbstundentakt folgten die beiden weiteren Glocken. Zusammen wiegen sie fast eine Tonne. Mehr als zwei Monate hatten THW-Helfer die Bergung vorbereitet. Unter der Leitung des St. Wendeler Fachberaters Werner Roth wurden Statiken berechnet, die Antriebsmotoren abmontiert, Klöppel ausgebaut und eine Konstruktion aus Stahl zum Ablassen in den Glockenstuhl eingebaut. „Für unsere Einsatzkräfte war diese Bergung eine ganz besondere und nicht alltägliche Herausforderung. Wer die Gelegenheit bekommt, an einem solchen Objekt üben zu dürfen, hat die Motivation der Helfer auf seiner Seite“, sagte Tröster. Um Glocken aus dem 23 Meter hohen Turm herabzulassen, brauchte das THW keinen Kran. „Wir haben Experten, welche die Materialien und das Wissen besitzen. Dafür sind wir da, und diese Arbeit macht uns Spaß.“ In den Sommermonaten wird das THW wieder im Einsatz sein. Derzeit laufen die Vorbereitungen für die Sprengung von Kirche und Turm. Sprengexperten aus ganz Deutschland werden dazu nach St. Wendel kommen und beim Kirchenabriss eine Aus- und Fortbildung absolvieren, so Tröster. Zehn neue Bauplätze sollen auf dem Grundstück der Kirche entstehen. Die Kreisstadt hatte das Kirchengelände im vergangenen Jahr gekauft, nachdem der Sakralbau im November 2014 außer Dienst gestellt worden war. Die Kirchengemeinde musste das Gotteshaus aus Kostengründen aufgeben. Die Kirche in Oberlinxweiler diente den Protestanten seitmehr als fünf Jahrzehnte als Gotteshaus. Der Grundstein wurde 1961 gelegt.

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