Kurzkritik RHEINPFALZ Plus Artikel „Der Gott des Gemetzels“ in der Wörther Festhalle

Leidenschaftlich kratzen die vier Darsteller den Lack der Zivilisation ab.
Leidenschaftlich kratzen die vier Darsteller den Lack der Zivilisation ab.

In ein veritables Schlachtfeld verwandelte sich am Sonntag die Bühne der Festhalle Wörth. Grund war nicht der Ausgang der just an diesem Tag stattfindenden Bürgermeisterwahl, sondern die Theatervorstellung „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza.

Vier hervorragende Schauspieler des Ensemble Persona aus München in Kooperation mit dem Kleinen Theater Haar lieferten sich auf der Bühne heftige verbale Schlachten, veranstalteten ein maßloses Wetttrinken, es wurde gekotzt, geheult, cholerisch geschrien. Gläser gingen zu Bruch, ein Blumenstrauß wurde zerlegt und Teile davon bis ins Publikum geschleudert. Und das alles durch vier Erwachsene, die sich eigentlich getroffen hatten, um zivilisiert und in einem bürgerlich moderaten Umfeld einen Streit zwischen den Söhnen der beiden Paare aufzuarbeiten.

Veronique und Michel Houillé (Anja Neukamm und Tobias Maehler) empfingen mit den besten Vorsätzen ihre Gäste Annette und Alain Reille, denen das Gespräch über die beiden Elfjährigen im Grunde genauso lästig war. Schon als in den ersten, eher zurückhaltenden Dialogen, deren Peinlichkeit fast mit Händen greifbar war, Wörter wie Petze und Denunziant, fielen, ahnte man, dass die Paare die bourgeoise Fassade nicht lange würden aufrecht erhalten können. Es entstand eine Dynamik, die immer neue Allianzen entstehen ließ, Paar gegen Paar, Frauen gegen Männer oder kreuzweise Allianzen. An der Stellschraube des sinkenden Toleranzpegels wirkte das ständig klingende Handy von Alain und das Haustelefon der Houillé. Als dann der Hausherr nach einer Übelkeitsattacke Annette starken Rum offerierte, gab es kein Halten mehr.

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