Kultur Südpfalz Der Blick auf die Frau
Das alte Rathaus in Wörth mit seinen lichten, über drei Etagen verteilten Räumen ist wie geschaffen für eine bildgewaltige, vielschichtige Gruppenausstellung. Denn Malerei, Skulptur, Objekt, Zeichnung, Holzschnitt, Lithographie und Radierung sind die gezeigten Genres, mit denen die Künstler abstrahierte, reduzierte oder realitätsnahe Momente von Frauenleben festhalten. Sie bannen ihre Motive zurückhaltend als reine Schwarz-Weiß-Zeichnung oder voller Farbintensität auf die Leinwand. Dazu kommen die Arbeiten der Bildhauer, die den Materialien Holz und Stein weibliche Formen und Gesichter gegeben haben. Wie eine plötzliche, gewaltige, energiegeladene Explosion wirken die Gemälde von Bettina Mauel. Die Künstlerin aus Köln, so erzählt sie beim Aufbau der Ausstellung, sei in Wuppertal mit dem Tanztheater von Pina Bausch groß geworden. Diese Lebensfreude, diese Energie, die von den Tänzern auf der Bühne ausgeht, überträgt sie mit kräftigem Pinselstrich auf die große Leinwand. Der tänzerische Schwung fliegt über alle Konturen hinaus, die farbstrotzenden Bilder wirken wie Langzeitbelichtungen von Tanzfiguren. Sie berauschen. Uta Faber aus Berlin liebt ebenfalls die Farbe. Dick trägt sie die Schichten für jeden Holzschnitt auf die Druckplatte auf, verwandelt ihre nackten „Weiberleiber“ in Lebensfreude versprühende Wesen. Julia Belot aus Wiesbaden stellt schon zum zweiten Mal in Wörth aus. Nein, sie male nicht nur Frauen, sondern auch Tiere, Schweine oder Hirsche, erzählt sie. Diese Tierbilder waren vor einigen Jahren in Wörth zu sehen. Derzeit stellt sie an drei Orten insgesamt rund 80 Werke gleichzeitig aus. In Wörth zeigt sie leichte, fast pastös wirkende Ölbilder. Zwei davon sind klassische Porträts. „Dafür hatte ich nur Schwarz-Weiß-Fotos als Vorlage, ich habe die beiden Frauen nie selbst gesehen. Dadurch, dass ich sie jetzt farbig gemalt habe, habe ich sie ins Leben geholt“, beschreibt Belot ihre Intention. Gabi Klinger aus Ludwigshafen, ebenfalls zum zweiten Mal in Wörth dabei, kennt ihr Mal-Sujet sehr genau. Denn schließlich sind all ihre gezeigten Frauenbilder Selbstporträts. Ihre älteren Arbeiten mit Tuschestiften sind faszinierend filigran gezeichnet, wirken narrativ, bisweilen surreal. Ihre neueren Arbeiten sind mit Farbstiften gemalt. Sie bewegen sich in die Richtung eines klassischen Porträts und wirken dabei tief, melancholisch und fast rätselhaft. Einer der männlichen Künstler ist Frantisek Batka aus Karlsruhe. Er steuert Frauenakte bei, die mal gezeichnet, mal als Gouache gemalt sind. „Ich schaue mir Frauen auf der Straße an, verfolgte ihre Bewegung und ihren Körperschwung. Dieses visuelle Erlebnis setze ich im Kopf um, stelle mir vor, wie sich die Frauen anfühlen würden, und daraus leite ich meine Motive ab.“ Drei Bildhauer sind in der Ausstellung vertreten. Maria Hill aus Burg an der Mosel reibt bei unserem Besuch mit viel Hingabe gerade eine ihre Skulpturen aus Serpentin mit einem Bienenwachspräparat ein, um der Figur noch mehr Glanz zu verleihen. Dabei erzählt sie, dass sie neben Serpentin, einem Stein, der in sich strukturiert ist und sich gut polieren lässt, auch rauen Kalkstein oder weißen Alabaster verwende. All ihre stilisierten Frauenkörper haben runde Formen, wirken ausgesprochen weiblich, verschlungen und geheimnisvoll. „Ich freue mich, dass ich diesmal im Süden des Landes ausstellen kann, denn normalerweise bin ich eher im Raum Köln zu sehen.“ Begeistert ist Hill auch von dem Standplatz, den drei ihrer Exponate bekommen haben. Mit Holzarbeiten sind die beiden männlichen Skulpturschaffenden in Wörth präsent. Hans-Günther Obermaier aus Köln zeigt eine Gruppen von Frauenfiguren, die zu seiner Serie mit Künstler-Musen gehören. Roger Löcherbach aus Essen zeigt lebensgroße, grob bearbeitete und dezent bemalte Frauenfiguren, die schon allein ihrer Größe wegen beeindrucken. Weitere beteiligte Künstler aus der Region sind Florian Simon Eiler aus Leimersheim und Christina Hinrichs aus Rheinzabern, von weiter her kommen Martina Czeran, Kathrin Edwards, Patrizia Casagranda, Gloria Keller und Rolf Mallat. Info Vernissage heute, 20 Uhr, Einführung: Evelyn Hoffmann, Musik von Lluvia, Öffnungszeiten sonntags 14 bis 18 Uhr und donnerstags von 16 bis 19 Uhr, bis 18. März.