Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Denkmalzone in Rathsweiler steht symbolisch für den Bauernhof-Bau im Kreis Kusel

Die Rathsweilerer Denkmalzone ist ein typisches Beispiel dafür, wie im Kreis Kusel bevozugt Bauernhäuser gebaut wurden. Das älte
Die Rathsweilerer Denkmalzone ist ein typisches Beispiel dafür, wie im Kreis Kusel bevozugt Bauernhäuser gebaut wurden. Das älteste Anwesen stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Neben der Straße: Das typische Bauernhaus im Kreis Kusel ist das „Quereinhaus“, in dem Wohnung, Stall und Scheune nebeneinander unter einem gemeinsamen Dachfirst untergebracht sind. Ein ungewöhnliches Beispiel für diesen Haustyp ist die Denkmalzone in Rathsweiler, wo mehrere stattliche Gebäude zu Zeilen zusammengebaut wurden.

Die Hausnummern in der Denkmalzone sind etwas irreführend, weil die Häuser heute zu drei verschiedenen Straßen gehören: zur Glanstraße (B 420), zur Dorfstraße und zur Lichtenberger Straße. Das älteste Anwesen mit der Nummer 16 (Stall und Scheune) und 18 (Wohnung) ist im 17. Jahrhundert entstanden, wie die dendrochronologische Forschung ergeben hat. Sie erlaubt, an den Wachstumsringen den Zeitpunkt abzulesen, an dem ein Baum gefällt wurde, um ihn für den Bau zu verwenden.

Im Laufe der Zeit wurde das Haus mehrfach umgebaut und modernisiert. Dabei erhielt es größere Fenster und eine neue Haustür. Aber einige Fenster mit alten Gewänden und der Schmuck an der Fassade blieben erhalten: das Traufgesims und die alternierende Eckquaderung am Wohnhaus und an der Scheune.

Ein auffälliges Wappen

Überlebt hat auch der große Torbogen, auf dessen Schlussstein ein auffälliges Wappen zu sehen ist. Der Schild wird durch die Flüsse Steinalp und Glan in drei Felder geteilt. Sie zeigen die Initialen AV, einen Halbmond und Hammer und Schlägel als Symbole des Bergbaus. Dieses Zeichen ist etwas überraschend, aber weist darauf hin, dass in der Nähe des Dorfes früher Baryt (Schwerspat) und Quecksilber abgebaut wurden. Der Name der Wüstung Erzweiler erinnert noch daran.

An dieses erste Haus wurden nach Westen weitere große Anwesen angebaut. Auch bei ihnen kann man trotz der Umbauten noch die Verzierungen der Fassade aus dem 19. Jahrhundert erkennen. Dazu gehören verschiedene Formen von Gesimsen und Haustüren, deren Dächer von Konsolen getragen werden. Auf einigen Türstürzen und auf den Torbogen haben sich die früheren Eigentümer mit Namen oder Initialen und Jahreszahlen verewigt.

Besonders vertraut mit diesen Anwesen ist Marianne Theiß, die heute in einem Bungalow wohnt. Denn das Haus in der Lichtenberger Straße Nr. 4 (Friedrich Bauer, 1853 und 1856) war ihr Elternhaus. Auch mit Friedrich Albert und Abraham Drumm, den Eigentümern der Nachbarhäuser, ist sie verwandt.

Wandernde Steinmetze am Werk

Die Lehrerin im Ruhestand erinnert sich noch an die aufwendigen Steinmetzarbeiten, die es an den Sandsteingewänden im Inneren gab. Sie stammten von wandernden Steinmetzen, wie der Historiker Ernst Schworm herausgefunden hatte. Als er vor einigen Jahren darüber einen Vortrag in Ulmet hielt, würdigte er die künstlerische Arbeit am Beispiel ihres Elternhauses, worüber sie sich sehr gefreut hat.

Die Denkmalzone setzt sich, durch die schmale Straße Schulacker getrennt, auf der Ostseite des ältesten Hauses fort. Hier weist vor allem das Haus Nr. 12 eine Besonderheit auf. Es besitzt noch einen Treppengiebel, wie er im Kreis Kusel selten geworden ist.

Heute attraktive Wohnungen

Sehenswert ist auch das erste Haus in der Dorfstraße. Die dazugehörige Scheune trägt die Jahreszahl 1776. Im Wohnhaus gibt es im Erdgeschoss je drei Fenster neben der Tür, im Obergeschoss sieben Fenster. Mit sieben „Fensterachsen“ gehört es zu den größten Bauernhäusern im Kreis Kusel.

Die Häuserzeilen verraten, dass die Landwirte im 18. und 19. Jahrhundert die Lage an der Durchgangsstraße bevorzugten und gerne ihren Wohlstand zeigten. Durch die Modernisierungen bieten sie heute attraktive Wohnungen.

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