Rheinpfalz Das närrische Zepter regiert
Mit dem Beginn des neuen Jahres haben die Narren in Waldfischbach-Burgalben die Macht übernommen. Zum 46. Mal stellte der Karnevalverein Waldfischbach seinen politischen Jahresorden vor. Gleich zwei Personen wurden zur Zierde für das Narrenblech auserkoren: die Landtagsabgeordnete Susanne Ganster und der Kreisbeigeordnete Peter Spitzer, die 2017 beide für das Amt des Landrats kandidieren.
Elf gewaltige Böllerschüsse verkündeten am Neujahrsmorgen die Machtübernahme in Waldfischbach-Burgalben durch die närrische Fraktion: Erfolgreich hatte zuvor der Karnevalverein das Rathaus gestürmt und die bislang Herrschenden abgesetzt. „Damit endlich mal Ruhe herrscht im Gemeinderat“, brachte Präsident Albert Zimmermann in seiner letzten Kampagne ein schlagkräftiges Argument mit, um Punkt 11 Uhr 11 gemeinsam mit Prinzessin Eden I. und viel KVW-Fußvolk den Wechsel an der Ortsspitze einzuleiten. Bis dahin konnten sich Ortsbürgermeisterin Anna Silvia Henne und ihr Beigeordneter Roland Schumm noch im Haus verschanzen, gaben aber angesichts der Übermacht, die immer näher rückte, schnell auf, hissten die weiße Fahne und ließen den Rathausschlüssel hinunter. Fix stürmten die Narren das Haus, machten sich über den Tresor her, in dem „flüssiges Gold“, aber keine Geldschätze auf sie warteten. „Ich würde mich freuen, am Aschermittwoch im Tresor etwas zu finden“, flachste die Ortschefin und kündigte an: „Unser Rathaus wird jetzt ein lustiger Ort, die Sorgen schunkelt ihr einfach fort. Die Schlüssel wir euch übergeben – auch euch wird Waldfischbach-Burgalben überleben!“ Vorgestellt wurde auch der neue Orden. Das Narrenblech zierten im Laufe der Jahre immer Politiker aus dem Zeitgeschehen mit jährlich wechselndem Motiv. Sie alle mussten für eine Karikatur herhalten. Das Besondere an dem Orden ist auch, dass er persönlich überreicht wird. So auch in diesem Jahr. Susanne Ganster wird ihn persönlich bei der KVW-Prunksitzung am 14. Januar im Bürgerhaus Schuhfabrik in Empfang nehmen. Spitzer, der selbst im Karneval tätig ist, bekommt ihn früher. Es sei jedes Jahr schwierig, einen Ordensträger zu finden, meinte KVW-Präsident Albert Zimmermann. Zu einen solle der Orden ja etwas zum Ausdruck bringen, schön aussehen, alles streifen, jedem gefallen, aber auch niemand persönlich angreifen oder diffamieren, fuhr er fort. Besonders wichtig sei auch, dass das Thema zeichnerisch dargestellt werden könne. Der diesjährige Orden hat eine besondere Form erhalten, erläuterte KVW-Präsident Albert Zimmermann. Zum ersten Mal bildet das Narrenblech die Umrisse des Landkreises Südwestpfalz ab. Darauf zu sehen sind zwei Personen in Boxhandschuhen. Als Ordensträgerin hat sich der KVW in diesem Jahr für eine Dame entschieden, denn sie ist als Mitglied des Landtags höher angesiedelt: Susanne Ganster aus Erfweiler. Sie zieht in den Wahlkampf, um den Part der Landrätin auszufüllen. Daher ist im Hintergrund das Landtagsgebäude in Mainz zu sehen, wo sie arbeitet. Ihr Mitbewerber um das Amt steht neben dem „Hinkelstein“ und der Musikantenbronze, die beide in Donsieders, dem Heimatort von Peter Spitzer, zu finden sind. Er hat neben den beiden Wahrzeichen seiner Gemeinde Aufstellung bezogen, um vielleicht den Handschuh in den Ring zu werfen. Wichtig für den KVW soll es sein, dass der Orden keine Kampfstellung aufzeigt und es in einem fairen Verfahren dann zu einem Wahlergebnis kommen soll. Zwischen den beiden Konkurrenten ist eine Wahlurne mit dem Wappen des Landkreises abgebildet. Der Wahlzettel, der gerade in die Urne flattert, könnte ob der Größe auch ein Taschentuch sein, mit dem sich der „Verlierer“ die Tränen trocknen kann. Mehrere Anläufe wurden in diesem Jahr benötigt, bis die Zeichnung für den Orden feststand. Nachdem man sich auf den Umriss des Landkreises geeinigt hatte, wurden noch zwei Passbilder der Personen, die auf dem Orden abgebildet sind, gesucht. Beim ersten Entwurf waren die Boxershorts von Susanne Ganster (CDU) rot, was natürlich in schwarz abgeändert werden musste. Bei einem weiteren Entwurf war Spitzer (SPD) in Siegerpose abgebildet – das ging ebenso wenig wie jener Entwurf, bei dem Spitzer die Handschuhe direkt vor der Brust hatte und es so aussah, als ob er einen übergroßen roten Büstenhalter anhätte. Letztendlich ist es dem Verein aber wieder gelungen, den Orden mit einem aktuellen Thema zu gestalten. Zeichnerisch umgesetzt hat die Idee wie schon in den Jahren zuvor Matthias Schmidt. |mar/jn