Rheinpfalz Das Ehrenamt an seinen Grenzen

Waldfischbach-Burgalben ist eine klassische Kommune im ländlichen Raum, die die Menschen mit allem versorgt, was sie zum täglichen Leben brauchen. „Als Unterzentrum haben wir eine hervorragende Infrastruktur aufzuweisen. Andere Kommunen wären froh, nur einen Bruchteil davon zu haben“, stellte Ortsbürgermeisterin Anna Silvia Henne gestern beim Neujahrsempfang der Gemeinde fest. Aber etwas fehle, wenn man mit offenen Augen durch die Gemeinde gehe: Geld.
„Geld, um all das zu erhalten, was wir haben“, sagte Henne. Von 100 Euro, die die Gemeinde vereinnahme, bleiben 17 Euro in der Gemeinde. „Es wird niemand überraschen, dass das Geld nie reichen wird“, konstatierte sie. Lösungsvorschläge aus der Mottenkiste, die den Kommunen unterbreitet würden, wie Steuern rauf, sparen oder den Einsatz ehrenamtlicher Bürgerbeteiligung zu stärken, würden nicht helfen. Freiwillige Helfer sorgten mit ihrem Engagement dafür, dass es Feste oder Adventsfenster gebe – den Neujahrsempfang begleitete der Volkschor musikalisch mit poppigen Melodien –, seien in der Feuerwehr tätig oder ehrenamtlich in den Räten. Dass sie noch mehr leisten sollten, um die Defizite der kommunalen Haushalte auszugleichen, sei keine innovative Idee. In diesem Land, das über riesige Geldmengen verfüge, sei die Entschuldung der Kommunen gefordert. In Waldfischbach-Burgalben, wo 67 Straßen, 28 Treppenwege, 100.000 Quadratmeter Grünanlagen zu unterhalten seien, könnten Ehrenamtliche, die schon Rasen mähten, Geländer anstreichen, für die Kommune kaum mehr tun, würdigte Henne. Sie dankte exemplarisch zwei Helfern: Horst Weidler, der gemeinsam mit Fachleuten und freiwilligen Helfern dem Heimatmuseum einen neuen Putz und Farbe verpassen wird. Statt 120.000 Euro kostet die Sanierung der Außenfassade noch 40.000 Euro. Die ersten 1000 Euro für die Sanierung sind gesammelt, hatte Norbert Schnauber, der Vorsitzende des Heimatvereins, bei der Begrüßung gesagt. Weitere Spenden sind erwünscht. Für Henne ist das Haus, das für den Ort eine große Bedeutung habe, die Geschichte des Ortes beinhalte, ein Symbol für den offensichtlichen Mangel beim Unterhalt von kommunalem Eigentum. Dieses Haus mit Leben zu erfüllen sei mehr als eine haushaltsrechtlich „freiwillige Leistung“. Beate Grünewald war die zweite Bürgerin, bei der sich Henne stellvertretend bedankte. Sie sammelt bei ihren Wanderungen durch den Ort und rund um die Gemeinde auch immer Müll ein, trägt zur Ortsverschönerung bei. Künftig kann sie das mit einem Müllgreifer tun, den ihr Henne schmunzelnd überreichte. Trotz Geldmangels werde in die Zukunft investiert. Ein großes Thema wird die Wassernotversorgung für Burgalben. Entschieden werde die Frage, in welcher betrieblichen Form die Gemeindewerke künftig regional Strom anbieten werden. Die Breitbandversorgung im Ort wird aktuell ausgebaut, eine Einwohnerversammlung ist geplant. Weiterer Schwerpunkt wird der Ausbau der kommunalen Kindertagesstätte. In Sachen Straßenausbau stehen die Helle-Röder-Straße und die Höhstraße auf dem Plan. Der Ausbau der Schloß- und Ringstraße sowie der Kappesdelle werden Thema. Ein städtebauliches Entwicklungskonzept soll Impulse für die Ortsentwicklung bringen. Die Bürger sollen sich aktiv einbringen. Energiesparen soll für alle ein Thema werden. Ein energetisches Quartierskonzept soll dabei unterstützen. Ganz wichtig für den Ort ist die Wirtschaft, lobte Henne unternehmerisches Handeln, das Veränderungen im Ort ermögliche, wie mit Hubers Markthalle neue Treffpunkte im Ort schaffe. Die regionale Wirtschaft „ist das Rückgrat der Gemeinde“, lobte die Bürgermeisterin. Das unterstrich Gepa Lorenz, die Vorsitzende des Wirtschaftsförderkreises der Verbandsgemeinde Waldfischbach-Burgalben. Niemand wolle in einem Ort ohne attraktives Angebot leben, das Waldfischbach-Burgalben noch zu bieten hat. Bei ihrer Schaufenster-Verhüllungsaktion im September hatten die Mitgliedsbetriebe gezeigt, was ohne regionale Wirtschaft fehlen würde. Ein Miteinander von Verwaltung und Wirtschaft sei wichtig, sagte Lorenz. Deshalb wünsche sich die Wirtschaft bei Anliegen an die Verwaltung die Reaktion „Wir schauen mal, was geht“ und nicht: „Das geht nicht“, bat sie. Den Empfang nutzten die Gemeindewerke, um unter Aufsicht von Notar Benedikt Kühle die Gewinner der Verlosungsaktion zu ziehen, die im Herbst gestartet war. Diese werden schriftlich benachrichtigt.