Rheinpfalz RHEINPFALZ Plus Artikel Dahn: Tierschützer streiten um Gnadenhof

Noch sieben Ziegen leben auf dem Gnadenhof bei Dahn.
Noch sieben Ziegen leben auf dem Gnadenhof bei Dahn. Foto: Kadel-Magin

Im Tierschutzverein Wasgau hängt der Haussegen schief. 13 Mitglieder sind ausgetreten. Von den einst rund 40 Nutztieren, die auf einem Gelände bei Dahn untergebracht waren, sind noch sieben Ziegen da. Erst 2018 mit Geld von der Daniel-Theysohn-Stiftung angeschaffte Zelte für den Winter sind leer. Der Verein droht unterzugehen. Doch es gibt eine neue Idee.

Wann es mit dem Streit im Verein anfing, lässt sich nicht genau sagen. Manche sehen direkt den Amtsantritt des aktuellen Vorsitzenden Rainer Treude im Jahr 2016 als Beginn der Querelen. Andere sagen, dass es erst 2019 begonnen hat. Es gibt zwei Lager. Das eine sind die ausgetretenen Mitglieder, von denen fast keiner mit seinem Namen für die Kritik in der Zeitung stehen will. Das zweite Lager ist der Vorsitzende Treude und seine noch verbliebenen Helfer, deren Namen er aber nicht nennen will.

Einig sind alle: Treude hat Verein 2016 gerettet

Einig sind sich alle, auch die ausgetretenen Mitglieder, dass Treude 2016 den Verein mit seinem finanziellen Geschick und seinem Organisationskönnen gerettet hat. Wie berichtet, hatte der Verein durch Misswirtschaft von Treudes Vorgänger Schulden in fünfstelliger Höhe. Treude schaffte es, Sponsoren und Paten für die Tiere zu finden. Heute steht der Verein schuldenfrei da. Pläne waren geschmiedet worden, einen festen Stall für die Tiere zu bauen. Dann kam der Krach mit Helfern und hier gehen die Schilderungen auseinander.

Streit mit Folgen: Spender stellen Zahlungen ein

Laut Treude will eine Gruppe von Ex-Mitgliedern ihn aus dem Verein drängen. Unter anderem habe es Differenzen um die richtige Pflege für die Tiere gegeben. Im Klartext: Treude hatte gesagt, das müsse so gemacht werden. Andere meinten, dass sei übertrieben und machten es anders. Es sei zum Streit gekommen und Helfer verließen den Verein. In der Folge sei von Ex-Mitgliedern gegen ihn gehetzt worden und weitere Mitglieder verließen den Verein, die jetzt von außerhalb eine Kampagne gegen ihn fahren würden. Diverse Anzeigen liegen bei der Dahner Polizeiinspektion vor wegen Beleidigung, Verleumdung, Nötigung. Dass die Anzeigen vorliegen, bestätigte die Dahner Polizei, ohne jedoch die angezeigten Delikte nennen zu wollen.

Treude will auf jeden Fall im Amt bleiben. Er sei für fünf Jahre gewählt worden und sehe nicht ein, jetzt zu gehen. Finanziell werde es jedoch langsam eng, da wegen der Kampagne der Ex-Mitglieder etliche Spender ihre Zahlungen einstellten, bedauert Treude.

Kritik an Umgang mit Mitgliedern

Die Gruppe der früheren Mitglieder sieht das etwas anders. Die ersten zwei Jahre habe es gut funktioniert. Der Verein sei aufgeräumt und saniert worden. Dann sei die Situation aber immer schlimmer geworden. Treude habe zwei Helferfamilien aus dem Verein geekelt. Der Tonfall von Treude sei ein Hauptproblem geworden. „Das ist ein richtiger Diktator“, moniert eines der früheren Mitglieder. So könne man nicht mit Helfern umgehen, die umsonst arbeiteten und dazu noch viel aus eigener Tasche für den Verein bezahlten, meint ein anderes Ex-Mitglied. Ein weiterer Streitpunkt sei gewesen, dass Treude Tiere ohne Absprache mit anderen Mitgliedern einfach wegbringen ließ zu Pflegestellen. Der Vorsitzende verweigere zudem die Auskunft, wo die Tiere jetzt sind. Das bestätigt Treude. „Aus Sicherheitsgründen“ könne er nicht sagen, wo die Tiere aktuell sind.

Zu viel gefordert von Helfern?

Öfter habe es Streit gegeben, weil Treude zu große Anforderungen an die Helfer gestellt habe. „Der hatte vielleicht Vorstellungen. Ich wusste nicht, wie ich das neben meiner normalen Arbeit leisten soll“, moniert ein Ex-Mitglied. Es könne durchaus passiert sein, dass nicht alles so glatt gelaufen ist, wie es sein sollte. Aber sie hätten immer nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet, betont das Mitglied weiter. Und immer wird der Tonfall von Treude bemängelt, der eher an Kasernenhof erinnere denn an einen gemeinnützigen Verein. „Sein Leitton war nicht immer kollegial“, formuliert es Paul Grunwald, dem das Gelände zu großen Teilen gehört, auf dem der Verein den Gnadenhof betreibt. Treude habe einen vollberuflichen Einsatz gefordert, so die Einschätzung von Grundwald, der allerdings auch betont, dass Treude den Verein damals wieder auf Vordermann gebracht habe.

Streitpunkt Transparenz

Wer sich schriftlich bei Treude beschwerte, sei mitunter mit kostenpflichtigen Unterlassungserklärungen per Anwalt bedroht worden, schildert ein weiteres Ex-Mitglied und zeigt als Beleg eine E-Mail von Treude. „Mit ihm geht es nicht, das kann man niemand zumuten. Wenn er geht, kommen alle wieder“, meint ein anderes früheres Mitglied, das zudem bemängelt, Treude lege keine Jahresabschlüsse vor, die Kasse werde seit 2016 nicht mehr geprüft und es gebe auch keine Informationen, wie es tatsächlich um die Finanzen aussieht.

Das werde alles bei der nächsten regulären Jahreshauptversammlung im Februar getan, versichert Treude. Nur dürfen dort die ausgetretenen Mitglieder nicht teilnehmen und haben auch nichts mehr im Verein zu sagen. Die Ex-Mitglieder bedauern inzwischen, ausgetreten zu sein und sich damit der Möglichkeiten beraubt zu haben, im Verein noch eingreifen zu können.

Künftig Auffangstation statt Gnadenhof?

Wie es mit dem Gnadenhof weitergehen soll, ist offen. Treude versichert, dass der Hof nicht aufgegeben werden solle. „Ich bin ja nicht angetreten, um den Verein plattzumachen.“ Ein Vorfall in der vergangenen Woche lieferte ihm nun die Idee für die Zukunft des Gnadenhofs. Ein Schaf sei von der Polizei beschlagnahmt und für ein paar Tage auf dem Gelände untergestellt worden. Dann fand sich eine Pflegestelle. Das könnte die Zukunft des Hofs sein. Als Auffangstation, bis eine Pflegestelle gefunden ist.

Den verbliebenen Tieren geht es gut

Den verbliebenen sieben Ziegen geht es im übrigen gut. Ex-Mitglieder behaupten zwar, es mangele an Futter. Das Veterinäramt hat allerdings in der vergangenen Woche die Situation vor Ort überprüft und für ausreichend befunden. „Bis auf kleine Mängel in der Tierhaltung war alles okay“, versichert Thorsten Höh, Pressesprecher der Kreisverwaltung. Die Versorgung der Tiere sei dem Anschein nach gewährleistet, so Höh, der betont, dass wegen der auch bei der Kreisverwaltung bekannten Querelen im Verein das Veterinäramt ein besonderes Auge auf die Lage am Gnadenhof habe.

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