Rheinpfalz Da liegt was in der Luft
Mannheim. Die Lilli-Gräber-Halle in Mannheim-Friedrichsfeld glich am Wochenende einem Flugzeughanger. Denn dort trafen sich die besten Piloten Europas mit ihren Maschinen. Letztere allerdings en miniature. Grund: die internationale Deutsche Meisterschaft im Hallenkunstflug, ausgerichtet vom Badisch-Pfälzischen Modellflugsportverein Mannheim (BPMV).
Ganz langsam, fast im Zeitlupentempo fliegt der Pilot die Halbe Kubanische Acht, eines von 13 geforderten Pflichtelementen. In der Halle kann man eine Stecknadel fallen hören, während die rund 50 Gramm leichten Flugmodelle selbst kaum hörbar ihre Loopings vollführen. Die Zuschauer beobachten das Geschehen von der Tribüne aus, um die Konzentration der Piloten nicht zu stören. Gerade ist Gernot Bruckmann an der Reihe. Der Weltmeister aus Österreich, der an diesem Samstag seinen 25. Geburtstag feiert, zeigt eine exzellente Leistung. Die anderen, darunter der letztjährige Titelgewinner Erwin Baumgärtner, ebenfalls aus Österreich, sind ihm dicht auf den Fersen. Bruckmanns Führung muss laut Dietrich Lausberg vom ausrichtenden BPMV noch nichts heißen. „Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Wenn die Piloten beispielsweise Boden, Decke oder die Hallenwände touchieren, gibt das eine 0“, erklärt Lausberg kurz das Wertungssystem. Die Preisrichter sortieren die Ausführung der Pflichtelemente auf einer Skala von 0 bis 10 ein. Wer sieht, wie nahe die Piloten dabei die Außenbegrenzungen der Halle ansteuern, kann sich vorstellen, dass es leicht zu Berührungen kommen kann. So wie bei Gerhard Balzarek. Der stellvertretende BPMV-Vorsitzende nimmt als einziger Mannheimer Pilot am Wettbewerb teil. Für ihn beginnt jetzt die Aufholjagd. Doch Balzarek nimmt’s gelassen. „Ich bin einer der ältesten hier“, erzählt er mit Blick auf die vielen jungen Piloten. 38 Teilnehmer aus neun Nationen im Alter von neun bis 61 Jahren, darunter Spitzenpiloten aus Schweden, Litauen und Russland. Pilotinnen sucht man vergebens. „Hallenkunstflug ist zu unserem Bedauern ein Männersport“, sagt Lausberg. Der in Limburgerhof lebende BPMV-Vorsitzende kann zu den vom Verein regelmäßig angebotenen Modellbaukursen zwar immer auch Mädchen begrüßen. Doch wenn’s ans Fliegen geht, sind die Männer letztlich unter sich. Vielleicht, weil es sich um eine technische Sportart handelt. Vielleicht, weil Hallenflug noch eine relativ junge Sportart ist und es die Internationalen Deutschen Meisterschaften im Indoor-Flug überhaupt erst seit 2001 gibt? „Darüber kann man letztlich nur spekulieren“, meint Jürgen Heilig. Dem Sportreferenten des Deutschen Modellfliegerverbands kommt eine besondere Aufgabe zu: Nach dem Pflichtprogramm vom Samstag erhalten die zehn besten Piloten am Sonntagmorgen ein von ihm ausgearbeitetes, den Wettbewerbsteilnehmer vorher nicht bekanntes Programm, dessen Figuren sie zwei Stunden später fliegen müssen. „Da hat die Jugend durchaus einen Vorteil, da sie in der Regel leichter und schneller auswendig lernt“, nennt Lausberg einen Grund, warum nicht in Altersklassen eingeteilt angetreten wird. Die älteren Teilnehmer hätten dafür mehr Erfahrung. So gleicht es sich wieder aus. Ganz unabhängig vom Alter zeichne einen erfolgreichen Pilot das gute Auge und die Konzentration aus, um die Flugfiguren exakt und zugleich fließend ausführen zu können. Im Gegensatz zum reinen Präzisionsflug steht in der Disziplin Aero Musical neben dem fliegerischen Anteil auch die künstlerische Komposition im Vordergrund. „Diese Disziplin mit ihren Tempowechseln, den gerissenen, möglichst abwechslungsreichen Figuren und spektakulären Manövern ist für die Zuschauer sehr unterhaltsam“, sagt Lausberg. Showeffekte sind dabei nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht, um das Flugzeug möglichst akrobatisch zur Musik tanzen zu lassen. „Das ist immer wieder ein Riesenspektakel, bei dem die Luft brennt.“ Auch für die Piloten ist das ein großer Spaß, können sie doch im Gegensatz zum nüchternen Pflichtprogramm silbernes Konfetti regnen lassen oder auch bunte Bänder hinter ihren Flugzeugen herziehen.