Rheinpfalz
Burg Lichtenberg wird barrierefrei ausgebaut
Würfel, die Burg Lichtenberg ertastbar machen, ein Aufzug, zwei Lifte und vielleicht eine Aussichtsplattform: Der barrierefreie Ausbau von Burg Lichtenberg nimmt konkrete Formen an. Nur die Frage nach den stillen Örtchen ist noch offen.
Von der Bushaltestelle an der Einfahrt zum Parkplatz bis zum Geoskop wird Burg Lichtenberg, so der Zeitplan des barrierefreien Umbaus eingehalten wird, ab Mitte 2021 deutlich anders aussehen als bisher. Sechs „Burgenwürfel“ in 3D werden die Anlage in Modellen und Blindenschrift ertastbar machen, 15 Infotafeln vertiefende Informationen bieten, neue Pflasterwege mit eingelegten ebenen und kontrastfarbigen Plattenbändern von 1,20 Metern Breite Stolperfallen beseitigen und eine indirekte Beleuchtung mit nach unten abstrahlenden LED-Leuchtmitteln schummrige Ecken ausleuchten.
Der Umbau wird vielen Besuchern zugute kommen, glauben die Verantwortlichen bei der Kreisverwaltung und die Planer des Kaiserslauterer Büros BPP, für das Roland Kettering den Stand der Dinge am Montagnachmittag im Kreisausschuss vorstellte. Kinder und Eltern mit Kinderwagen, ältere Menschen und Übernachtungsgäste mit Rollkoffern sollen profitieren, vor allem aber Besucher mit Handycap: Rollstuhlfahrer, Seh- und Gehbehinderte. Auf der Grundlage des Förderprogramms „Tourismus für alle“ will Mainz den rund 2,26 Millionen Euro barrierefreien Umbau der Burg inclusive Zehntscheune mit 1,92 Millionen fördern. Den Zuschussantrag will BPP diesen Monat auf den Weg bringen. Ab 2021 sollen barrierefreie Komfortführungen auf Burg Lichtenberg das touristische Angebot im Landkreis ergänzen. Nicht angebunden werden können Kräutergarten und Unterburg.
Drei Lifte geplant
Die optisch bedeutendste Veränderung werden die neue Bushaltestelle und ein Informationsportal vor den Burgmauern sowie drei Lifte darstellen. Zwei Plattformlifte und ein Fahrstuhl sollen nicht mobilen Burgbesuchern einen Rundkurs ermöglichen: Sie können mit einem Lift den Eingang zur Oberburg erreichen, wo eine etwa 30 Quadratmeter große Plattform zwar nicht den Besuch der verwinkelten Mauern rund um den Bergfried oder gar dessen Besteigung ermöglichen, aber doch einen informativen Blick und den Besuch beispielsweise von Freiluftkonzerten ermöglichen soll. Ebenfalls durch einen Plattformlift ermöglicht wird der Zugang zur Zehntscheune vom Urweltmuseum Geoskop aus.
Ein neu zu bauender Fahrstuhlturm wird den barrierefreien Zugang von der Oberburg zur Jugendherberge sichern – der direkte Weg vom Restaurant aus ist laut Planer Kettering zu steil, um umgebaut zu werden. Denkmalschutz und Planer favorisieren eine „schlichte Holzverkleidung“ dieses Turms, der neben dem früheren WC-Häuschen nahe des Aussichtsfernrohres stehen wird. Kettering: „Das korrespondiert optisch mit der bestehenden Rettungstreppe an der Zehntscheune.“ Ob der Turm auch einen Aussichtsbalkon erhalten wird, ist offen. Zuschuss gäbe das Land laut Kettering, die Denkmalschützer seien jedoch skeptisch. Alle Lifte sollen nur mit dem genormten Euroschlüssel, den Behinderte erhalten können, benutzbar sein – eine Benutzung nur zum Spaß ist so ausgeschlossen.
Wie viele behindertengerechte WCs?
Noch nicht entschieden ist die Frage nach der Zahl der behindertengerechten WCs. Vier wird es auf jeden Fall geben: am Burgeingang, in der Zehntscheune, im Urweltmuseum und in der Jugendherberge. Der Kreisausschuss neigte zu der Auffassung, eine weitere Toilette im früheren WC-Häuschen etwa in der Mitte der Burganlage zu bauen. Dieses wird derzeit von der Jugendherberge als Lager und für Veranstaltungen genutzt. Die Kosten laut Planer: rund 119.000 Euro, 18.000 davon für den Kreis, der auch für Ersatzräumlichkeiten sorgen müsste.